sternTheologische Impulse (185) 

Thorsten Latzel


Rheinland (Weltexpresso) - Die erste und wichtigste Botschaft im Advent ist: „Fürchte dich nicht!“ Das sagt der Engel zu Zacharias, zu Maria, zu den Hirten. Und das ist auch die erste und wichtigste Nachricht, die wir heute brauchen: Sei mutig! Schau auf! Hab keine Angst! Darauf zielt der ganze Advent als Mutmonat – mitten in der dunkelsten Zeit des Jahres. Eine Zeit der Entfürchtung und neuer Beherztheit. Eine Mutmach-Botschaft gegen die täglichen Schlagzeilen von Krieg, Klima und anderen Krisen.

„Fürchte dich nicht“ – diesen Satz sagen in der Bibel Menschen in verschiedenen Situationen:
- Hebammen sprechen ihn Frauen zu, wenn sie ein Kind gebären.
- Priester verkünden ihn, wenn Hilfesuchende sie um einen Heilzuspruch bitten.
- Fremde grüßen so, wenn sie zeigen wollen, dass sie im Frieden kommen.
Um alles drei geht es auch im Advent: um Geburt, Heil und Frieden. „Fürchte dich nicht!“ Das ist die unbedingte Zusage Gottes an uns. Da meint es jemand gut mit uns. Spricht uns Mut zu, wenn es schwierig wird. Lässt uns mit unseren Sorgen und Ängsten nicht allein.

Entscheidend ist dabei die Begründung. Im Advent werden verschiedene Gründe für die Entfürchtung genannt. Der wichtigste ist: „Du bist nicht allein!“ Gott selbst tritt an deine Seite. Dies geschieht durch andere Menschen, durch Engel als himmlische Boten, durch Gottes Geist in uns. „Fürchte dich nicht. Du bist nicht allein!“ Das ist ein heilsamer Kontrapunkt zu der Grundmelodie unserer Zeit. Einsamkeit etwa ist mittlerweile zu einer regelrechten Epidemie geworden. Unter ihr leiden viel mehr Menschen, als wir uns vorstellen – in allen Altersschichten.
- Junge Menschen sind einsam im Studium oder der Lehre. Allein in einer neuen Stadt. Überall wimmelt es von Menschen, anderen, Fremden. Aber da ist niemand, der mich versteht. Dem ich sagen könnte, wie es mir wirklich geht. Mit dem ich die Angst und Leere in mir teilen könnte.
- Alte Menschen sind einsam, wenn sie merken, dass ihre Kräfte nachlassen und die Kreise enger werden. Wenn meine Freunde nach und nach sterben. Meine Partnerin nicht mehr da ist. Ich die Welt nicht mehr verstehe. Abends geht die Einsamkeit mit mir schlafen und am nächsten Morgen steht sie wieder mit mir auf.
- Menschen in den mittleren Jahren sind einsam, wenn sie vor lauter Aufgaben sich selbst verlieren. Ich funktioniere immer – bei der Arbeit, zu Hause. Kümmere mich um meine Kinder, Kollegen und Eltern. Für mich selbst bleibt da kein Platz. Ich bin ständig von anderen umgeben. Doch innerlich bin ich einsam und wüst und leer.

„Fürchte dich nicht! Du bist nicht allein.“ Das ist die große Verheißung des Advents: Gott ist da, an deiner Seite. Gott sieht dich. Hört dich. Hilft dir. Das wird zeichenhaft deutlich am Namen des kommenden Kindes: Jesus. Immanuel. Das heißt: Der Herr hilft. Gott ist mit uns.

Damit wir diese Verheißung heute erfahren, brauchen wir – wie in den biblischen Geschichten – andere, die sie uns vermitteln. Wir brauchen Menschen, die für uns zu Hebammen, Priester/innen, Friedensboten werden. Und andere brauchen es, dass wir ihnen Frieden, Heil und neues Leben zusprechen.

Das wünsche ich uns für den Advent 2025:
- dass wir ihn als Mutmonat erfahren,
- dass wir einander stärken – wie Hebammen, Priester/innen und Friedensboten,
- und dass wir so Christus selbst in uns am Werke spüren.
Einen gesegneten ersten Advent!

Foto:
Herrnhuter Stern
©Cattari Pons/Photocase

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