EB Cargo HeaderDie Eurobike vom 13. bis 17. Juli in Frankfurt

Manfred Schröder

Frankfurt am Main (Weltexpresso) - Bis heute zeigt die Eurobike auch die die vielfältigen Möglichkeiten von und für Lastenräder.  68 Prozent mehr Cargobike-Verkäufe in Europa prognostiziert eine Marktumfrage für 2022. Auf der Eurobike gibt es zahlreiche Produktpremieren für Kindertransport bis Paketzustellung. Allein in der Cargo Area der Future Mobility Hall präsentieren sich 50 Lastenrad-Aussteller, begleitet von prominenten Fachveranstaltungen und einem Cargobike-Race als spektakulärem Abschluss.

Das Wachstum ist beeindruckend und im Stadtbild vielerorts nicht zu übersehen: Laut Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) sind die Lastenrad-Verkäufe in Deutschland letztes Jahr um 62 Prozent auf 167.000 gestiegen. Am zweiten Messetag stellte das City Changer Cargo Bike-Projekt auf der Eurobike europaweite Wachstumserwartungen für 2022 vor. „40 Hersteller haben im Juni an unserer European Cargo Bike Industry Survey teilgenommen“, erklärt Kevin Mayne von Cycling Industries Europe. „Für 2022 erwarten sie, gemeinsam 68 Prozent mehr Lastenräder in Europa zu verkaufen als 2021. Das Wachstum kommt sowohl von etablierten wie von neuen Herstellern, die teils mit größeren Stückzahlen antreten.“

Das EU-geförderte City Changer Cargo Bike-Projekt hat seit 2018 Lastenrad-Förderung in 15 Partnerstädten von Lissabon bis Gdynia und Cambridge bis Varna sowie europaweite Lobbyarbeit organisiert. Auf der Leitmesse in Frankfurt lädt das Projekt zur europäischen Fachkonferenz „Von der Nische zum Mainstream – wie Lastenräder die Mobilität verändern“ ein. Auf dem Programm steht auch der Launch eines europäischen Online-Marktüberblicks. „Der cargobike.guide soll Lust auf Lastenrad machen und dabei unterstützen, das passende private oder gewerbliche Lastenrad zu finden“, so Arne Behrensen von cargobike.jetzt, dem deutschen Partner des City Changer Cargo Bike-Projekts.

Längst ist das Lastenrad auch Thema der Bundespolitik. Die Bundesregierung bekannte sich zuletzt 2021 im Nationalen Radverkehrsplan 3.0 umfangreich zur Förderung von privaten und gewerblichen Lastenrädern. Staatssekretär Oliver Luksic (FDP) aus dem Bundesverkehrsministerium eröffnet heute im Future Mobility Forum (Halle 8) die vierstündige Cargo Academy. Anschließend diskutieren Branchenvertreter auf vier Panels über politische Rahmenbedingungen, Komponenten, Parkplätze und Sicherheitsstandards für Lastenräder.

Logistik-Branche meets Fahrradbranche heißt es dann am Freitag in der Cargo Area. Der Radlogistik Verband Deutschland (RLVD) und das Frankfurter Research Lab for Urban Transport (ReLUT) laden zum Fachpodium „Cargo bikes & urban logistics“ auf der Cargo Area Stage. RLVD-Vorsitzender Tom Assmann und Prof. Oliver Schocke vom ReLUT diskutieren mit lokalen Radlogistikern, Ausstellern sowie dem internationalen Paketzusteller DPD über Infrastruktur und geeignete Lastenräder.

„Wir werden die Paketzustellung auf der letzten Meile stadtverträglicher und lokal emssionsfrei gestalten“, kündigt Gerd Seber, Group Manager City Logistics and Sustainability bei DPD Deutschland an. „Dabei setzen wir als Teil der Lösung in immer mehr Städten auch auf moderne E-Lastenräder, die an innenstadtnahen Mikrodepots beladen werden. In den nächsten Jahren werden wir diese Flotte weiter ausbauen.“

Hier entsteht für die Fahrradbranche ein  spannender Markt. Auf den Punkt bringt es der Name des italienischen Cargo Area-Ausstellers „One less Van“. In der Cargo Area präsentiert er das vierrädriges Carbon-Lastenrad SUM-X als Alternative zum Dieselvan. Auch andere Aussteller sind auf großvolumige Lastenräder für die Logistik spezialisiert. Zum Beispiel der deutsche Hersteller Rytle mit seinem neuen dreirädrigen Movr3 mit Fahrerkabine und 1,8 Kubikmeter großer Wechselbox. Dass sich eine beladene Europalette komfortabel per Fahrradanhänger anheben und transportieren lässt, zeigt Fleximodal aus Frankreich mit dem praktischen Bicyclift.

Der deutlich größere Marktanteil liegt allerdings bei privat genutzten Lastenrädern. „Kindertransport ist der wichtigste Treiber für die private Lastenradnutzung“, so Hannah Eberhardt vom Verkehrsplanungsbüro Verkehr mit Köpfchen. „Für Eltern steht beim Kindertransport die Sicherheit natürlich ganz oben. Hier gibt es bei Fahrradanhängern und auf dem Lastenrad sehr gute Lösungen – auch für den Babytransport.“ Am Samstag gibt die Betreiberin des Portals „Radfahren mit Baby“ in einem Vortrag auf der Cargo Area Stage wertvolle Tipps für junge Eltern.

Zu den Eurobike-Neuheiten bei Lastenrädern für den Kindertransport gehört zum Beispiel das neue Packster 70 von Riese & Müller. –Das vollgefederte einspurige E-Lastenrad bitete komfortable Kindersitzen mit Kopfstützen und eine Seilzuglenkung. Europa-Premiere feiert auch der US-Lastenrad-Pionier Xtracycle mit seinen drei neuen Longtail Modellen. Hier können bis zu drei Kinder hinten auf einem langen Gepäckträger in einer Reling sitzen.

Spektakulärer Abschluss des Lastenrad-Programms ist heute am Sonntag der erstmalig ausgetragene Cargo EuroCup. Auf der Rennstrecke im Außenbereich messen sich dann Cargobiker:innen aller Couleur in einem Rundkurs mit Transportaufgaben. Nicht Profisport sondern Spaß und Community stehen dabei im Vordergrund – vor allem beim abschließenden Staffel-Rennen.

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