Bildschirmfoto 2019 04 08 um 02.54.23Verleihung des Deutschen Musikinstrumentpreises (DMIP) 2019 auf der Frankfurter Musikmesse, Teil 1

Claudia Schulmerich

Frankfurt am Main (Weltexpresso) – Gleich, wenn diese kleine, feine, herzerwärmende Preisverleihung vorbei ist, freut man sich schon auf die im nächsten Jahr, dann aber hoffentlich wieder im intimen Rund der Rotunde der Festhalle, die so recht geeignet ist, das Besondere dieser Preisverleihung aufzuzeigen, in der es um die Macher geht, die Könner, nämlich die, die ein bestimmtes Instrument herstellen, ach was, mit ihrem Hirn erdacht und mit ihren Händen gebaut haben, Künstler also, sagen wir einfach, denn die prämierten Instrumentenbauer sind mehr als Handwerker.

Obwohl wir da auf wilde, ja gefährliche Vergleiche stoßen. Galten doch bis ins Spätmittelalter diejenigen, die wir heute als Spitzenkünstler feiern, die Brüder van Eyck, Giotto, Pisanello, Frau Angelico und so viele weitere, galten diese doch als Handwerker. Als sehr gute natürlich. Aber im Emanzipationsprozeß der Künste wurden aus ihnen Künstler. So geben wir nun den Pokal weiter und bezeichnen diese Instrumentenbauer als wahre Künstler und können uns sogar auf Vorbilder berufen. Bei dieser Preisverleihung werden nämlich nicht nur bestimmte Instrumentenbauer ausgezeichnet, sondern auf den prämierten Instrumenten spielen anschließend Musiker. Und die spielen nicht nur, sondern äußern sich auch begeistert zum Instrument. Und das macht die Sache rund und schön.

Von Vorne. Zum 29. Mal wird dieser Musikinstrumentenpreis verliehen, hören wir. Na ja, schon 30 Jahre sind wir nicht dabei, aber sicher etwa 20 und da neigt man dazu, das Gewohnte zu kennen und anderen nicht weiterzuerzählen. Was man nämlich wissen muß, ist zum einen, wer die Preisträger auslobt und zum anderen, welchen System dahintersteckt, denn es gibt ja inzwischen Instrumente wie Sand am Meer, nicht unbedingt, aber doch unterschiedlicher Art, ja von unterschiedlichem Material wie Holz oder Metall oder auch Kunststoff. Das Preisverfahren – sehr aufwendig hören wir – wird vom BDMH, das ist der  Bundesverband der deutschen Musikinstrumentenhersteller, organisiert und finanziert. Ist ja verständlich, daß dieser Verband Interesse daran hat, wie die Arbeit seiner Mitglieder in der Öffentlichkeit und bei den Musikern selbst ankommt.

Das erzählen uns der Moderator Jörg Bombach vom Hessischen Rundfunk, der Begrüßer Stephan Kurzawski, Geschäftsleitung Frankfurter Messe und Ernst Burgbacher, der Parlamentarischer Staatssektretär im Bundesministerium für Wirtschaft, Energie sowie Präsident der Bundesvereinigung deutscher Orchesterverbände (BDO) war. Klar, daß auch das Wirtschaftsunternehmen am Instrumentenbau Interesse haben muß, ist verständlich, genauso gut wie die Instrumentenbauer dort eine Lobby brauchen. Burgbacher kennen wir als Vortragenden und Verleiher des Preises seit Jahren, aber alles ist im Fluß. Im Amt gibt es einen Nachfolger und die besagte Bundesvereinigung hat sich gerade mit der Bundesvereinigung Deutscher Chor- und Orchesterverbände  fusioniert, die gemeinsam die mit 5 Millionen Euro unterstützte musikalische Aktion MUSIK FÜR ALLE! für bildungsbenachteiligte Kinder stemmen will. Gut so.

Stephan Kurzawski läßt es sich nicht nehmen, den weiten historischen Bogen (den Bogen gibt‘s ja nicht nur in der Musik) der Frankfurter Messe zu spannen, die seit 800 Jahren Messen veranstaltet und sicher waren bei den traditionellen Frühjahrs- und Herbstmessen auch Instrumente dabei, von den Gemälden auf jeden Fall wissen wir, daß beispielsweise das Weib von Albrecht Dürer in einem Faß die gerollten Gemälde, Zeichnungen und Stiche hier zur Frankfurter Messe zum Verkauf brachte. Damals waren es zwei Messen, jetzt sind es 150 die die Frankfurter Messe organisiert. Und daß die Frankfurter Musikmesse die größte Musikschule für Kinder und Jugendliche ist und wirklich Tausende hier ihre Liebe zu einem Instrument entdecken konnten oder überhaupt zum Musikmachen haben die Mauern der alten Halle 5, die nun neu gemacht wird, gespeichert. Daß dies die Macher der Messe viel Herzblut gekostet hat, glauben wir sofort, denn das sind ja enorme Kosten, die die Messe mit dem Blick auf morgen für die Kleinsten bietet – natürlich in der Hoffnung, daß sich das dereinst bezahlt mache. Immer wieder war es die Folge des Besuchs der Klassen auf der Musikmesse, daß die kleinen Besucher Instrumente spielen wollten, wobei natürlich entscheidend die Lehrer waren und sind, die den Kontext von Musikunterricht und Lust am Spielen herstellen und stützen müssen.

Bei der jährlichen Musikmesse, die längst der Oberbegriff für die zwei parallelen Messen: die Musikmesse mit den Instrumenten sowie der Musik und die Veranstalter von Musik in der prolight+sound, die ja ebenfalls auf dem Messegelände ihre Anlagen schallen lassen, bei der Musikmesse also gibt es jährlich zwei Preise für spezielle Instrumenten, damit die Vielfalt des Instrumentenbaus berücksichtigt wird.

Im letzten Jahr, also 2018 waren die gesuchten Instrumente die Bratsche und die Oboe, also Holz, bzw. Holzblasinstrumente. Und in nächsten Jahr, das teilte Ernst Burgbacher zum Ende mit, werden es der Kontrabass (5-saitig) und die A-Klarinette (deutsches System sein. Das wollen wir noch rasch hineinflicken, denn da das Auswahlverfahren aufwendig ist, ist schon am 26. April Bewerbungsschluß, siehe Info.

Und für 2019 sind ausgezeichnet worden

Der Deutsche Musikinstrumentenpreis 2019 für Stahlsaitengitarre (Flattop, 6 Saiten) geht an David Jünger Gitarrenbau
Wiesenstr. 24
64756 Mossautal für das Instrument: Stahlsaitengitarre Modell MID-standard.


Der Deutsche Musikinstrumentenpreis 2019 für b-Trompete (Perinet-Ventil) geht gleichwertig an die Firmen

Buffet Crampon Deutschland GmbH
Isaak-Eschenbach-Platz 1
08258 Markneukirchenfür das Instrument: b-Trompete MBX „Heritage“ und

Kühnl & Hoyer Musikinstrumentenfabrik GmbH
Neue Straße 27
91459 Markt Erlbach für das Instrument: b-Trompete Topline G.

Foto:
© Redaktion

Info:
Für den Deutschen Musikinstrumentenpreis 2020 wurden die Instrumente
Kontrabass (5-saitig)
A-Klarinette (deutsches System)
aus den Produktgruppen Streichinstrumente und Holzblasinstrumente festgelegt.
Wer am Wettbewerb um den Deutschen Musikinstrumentenpreis 2020 teilnehmen will, muss die schriftliche Anmeldung gemäß dem als Anlage beigefügten Muster bis zum 26. April 2019 an das
– Institut für Musikinstrumentenbau e. V.
Zwota
Klingenthaler Straße 42
08267 Klingenthal schicken.