Wiener Tanz- und Walzertradition
Sabine Zoller
Bad Wildbad (Weltexpresso) - Unter der Leitung von Christoph Angerer erlebten die Besucher in Bad Wildbad mit dem Concilium Musicum aus Wien einen Abend voller Eleganz, Schwung und musikalischer Raffinesse. Ein Erlebnis, das weit über ein klassisches Konzert hinausging und das Publikum im Kurhaus von Bad Wildbad auf eine musikalische Zeitreise durch die Wiener Tanz- und Walzertradition führte.
Angerer, einst Schüler der Waldorf-Schule in Pforzheim, freute sich sichtlich über die Rückkehr in die Region: „Es ist ein besonderes Gefühl, meiner Heimatstadt Pforzheim ein Stück näher zu sein und Erinnerungen an meine Schulzeit zu teilen.“ Besondere Freude bereitete ihm auch der Besuch seiner ehemaligen Klassenkameradin Kerstin Knodel, die eigens aus Stuttgart angereist war und ihre Begeisterung zum musikalischen Hörgenuss zum Ausdruck brachte: „Man konnte sich sehr gut vorstellen, wie man auf einem Ball tanzt. Ich fühlte mich von der schwungvollen Tanzmusik durch den Abend getragen.“
Auch Heinz Schafranek, Stadtführer aus Bad Wildbad, war von den Tanzklängen sichtlich angetan: „Ich selbst bin in Wien geboren und fühle mich meiner Geburtsstadt nach wie vor eng verbunden.“ Für die spontan zum Konzert gekommenen Gäste aus dem Zabergäu war der Abend eine große Überraschung: „Wir sind am Anreisetag ganz spontan auf die Idee gekommen, das Konzert zu besuchen“, berichteten Thilo Ströhle und Beate Weller. „Wir hatten eigentlich mit einem Kurkonzert gerechnet, aber das hier war ein musikalisches Highlight, das Kulturgeschichte lebendig werden ließ.“
2025 feierte Wien den 200. Geburtstag von Johann Strauss Sohn, der den Walzer in der Donaumetropole salonfähig machte. Das Concilium Musikum präsentierte nun die Entwicklung des Walzers von den feinsinnigen höfischen Tänzen der Klassik bis zur virtuosen Walzerseligkeit des 19. Jahrhunderts. Christoph Angerer (Viola d’amore), Cecilia Hatos (Viola), Milan Nikolic (Violine), Elisabeth Zeisner (Violoncello), Damián Posse (Kontrabass) und Robert Pinkl (Querflöte) zelebrierten Werke von Joseph Haydn, Wolfgang Amadé Mozart, Ludwig van Beethoven, Franz Schubert, Joseph Lanner sowie Johann Strauss Vater und Sohn.
Besonders die Tänze von Haydn und Mozart eröffneten Einblicke in die höfische Tanzkultur des 18. Jahrhunderts. Haydns Contretänze und Quadrille Hob. IX:29 zeichneten sich durch rhythmische Klarheit und Eleganz aus. Musik, die sowohl gesellig als auch leichtfüßig wirkt. Mozarts Contretänze KV 267 spiegelten ländlich-volkstümliche Tanzformen wider, die seinen späteren sinfonischen Stil vorzeichneten.
Beethoven knüpfte mit seinen „vier Wiener Tänzen“ an diese Tradition an und verlieh ihr eine kraftvollere, persönliche Handschrift. Schuberts Tänze aus Hommage aux belles Viennoises, op. 67, rundeten die musikalische Reise in die Frühromantik ab.
Die Wiener Walzertradition des 19. Jahrhunderts brachte das Ensemble mit Lanners Schönbrunner Walzer und Strauss’ Werken wie den Tanz-Signalen, der Favorit-Polka, der Salon-Polka, dem Gibellinen-Galopp und den Polkas des Sohnes, darunter Aus der Heimat, Diplomaten-Polka und Jux-Polka, eindrucksvoll zum Klingen.
Als krönender Abschluss erklang Lanners Opus 1 als Zugabe. Ein fulminanter Schlusspunkt für einen Abend, der Lebensfreude, Eleganz und musikalische Brillanz perfekt miteinander verband.
Foto Das Concilium Musicum Wien © Sabine Zoller
v.l.n.r. Christoph Angerer (Viola d’amore), Robert Pinkl (Querflöte),Cecilia Hatos (Viola), Milan Nikolic (Violine), Elisabeth Zeisner (Violoncello), Damián Posse (Kontrabass)



