Die vergessene Idee eines Ex-Vizekanzlers

Klaus Jürgen Schmidt

Norddeutschland (Weltexpresso) – Woher kommt der Wind, der unsere Medien-Schiffe antreibt? Weil ein deutscher Vizeadmiral sagte, was ihm Erfahrung und nicht Politiker vorgaben, war z.B. bei der "tagesschau" zu hören:
"Die skandalösen Aussagen des inzwischen zurückgetretenen Marinechefs Schönbach untergraben massiv die Linie der Bundesregierung. Und bescheren der Ampel einen außenpolitischen Totalschaden."


Als medialer Brückenbauer zwischen Kulturen – u.a. fast 30 Jahre in Afrika – erschreckt mich die Windrichtung, die in Deutschland immer mehr Redaktionen zu akzeptieren scheinen.

Jüngst hatte ich an dieser Stelle schon dokumentiert, dass von den Medien komplett vergessen wurde, wie der gerade als “Erzfeind“ hochgejazzte Wladimir Putin vor gut zwanzig Jahren bei einer Rede im Bundestag die Hand zur Versöhnung ausgestreckt hatte. Heute lege ich nach:

Mein Multimedia-Projekt "WEICHENSTELLER der WELTGESCHICHTE" existiert bereits im Internet:


Auf rollender Eisenbahn-Bühne lasse ich VIP's, also sogenannte „Besonders Wichtige Personen“, der Weltgeschichte erscheinen, die sich vor geheimnisvollen Mitreisenden und einem Spielleiter für ihr Handeln zu rechtfertigen haben.

Auftritt: Joschka Fischer als ehemaliger "WEICHENSTELLER der WELTGESCHICHTE":

„Hervorragende Archiv-Arbeiter habt ihr hier, und ich bin verblüfft, wie ihr es geschafft habt, mir Worte in den Mund zu legen, die meinem Denken als Polit-Rentner doch sehr nahekommen. Das wäre zu belegen, wenn ihr mir für einen Moment die private Nutzung eures Geschichtstunnels erlaubt. Ich kann eine originelle Überlegung ‚Marke Fischer‘ versprechen, die noch dazu den Vorzug hat, von mir autorisiert, aber bislang kaum zu öffentlicher Kenntnis gelangt zu sein. Klappt das? Ihr hört den Auszug erst im englischen Original, okay?“

(Hall) ... Achtung! Regie! Geschichtstunnel! Stopp auf der Zeitschiene: 14. Januar 2009!

An Answer to the Russian Challenge By Joschka Fischer / This article was published in ‚The Moscow Times‘ on 14.01.09 ... But why not think about transforming NATO into a real European security system, including Russia? The rules of the game would be changed and a whole variety of strategic goals could be achieved ...
Of course, this approach presupposes two things that don't exist at the moment: a common trans-Atlantic approach to dealing with Russia and a European Union that acts in much greater unison and is therefore stronger. Nonetheless, the challenge posed by Russia does not allow any further procrastination. There is simply too much at stake. ...

(Hall Ende)

(Übersetzung)

„Okay, ich übersetz‘ euch das schnell: “Warum nicht nachdenken über die Umwandlung der NATO in ein wirkliches Europäisches Sicherheitssystem unter Einschluss Russlands? Die Spielregeln würden geändert und eine ganze Reihe strategischer Ziele könnte erreicht werden — Europäische Sicherheit, Vermeidung von Nachbarschaftskonflikten Energie-Sicherheit, Abrüstung und Verbot der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen. Ja, solch ein mutiger Schritt würde die NATO umwandeln. Aber noch mehr umgewandelt würde Russland. Wenn der Westen sich ohne Illusionen auf eine solche Diskussion mit Russland einließe, mit einem klaren Verständnis seiner eigenen strategischen Interessen und mit neuen Ideen für Partnerschaft und Zusammenarbeit, dann wäre als Schlimmstes nur ein Fehlschlag zu befürchten. Natürlich setzt ein solches Vorhaben zwei Dinge voraus, die im Moment nicht existieren: eine gemeinsame transatlantische Haltung für ein Handeln gegenüber Russland und eine Europäische Union, die viel mehr mit einer Stimme agierte und daher stärker wäre. Nichtsdestotrotz, die von Russland ausgehende Herausforderung duldet keine weitere Verschleppung. Es steht einfach zu viel auf dem Spiel.“

O-Ton Joschka Fischer wie er in der „Moscow Times“ vom 14.01.2009 nachzulesen ist, dokumentiert im Archiv des "European Council on Foreign Relations".

ecfr.eu/content/entry/commentary_joschka_fischer_ russia_europe_ecfr/
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