1712749218601nato karte 104 v 1x12dL 029cdd853d61a51824ed2ee643deeae504b065c1Brief an eine Freundin in der Eifel


Kurt Nelhiebel

Bremen (Weltexpresso) - 
Ihre Frage, ob ich mir jemals hätte vorstellen können, dass sich die Ukrainer  "der westlichen Kriegspolitik  derart ausliefern", kann ich nur mit einem entschiedenen "Nein" beantworten.

Dieses Volk hat nun statt der Russen die Amerikaner vor der Nase. Diese Konstellation wird so wenig Bestand haben wie die andere. Seit ich miterleben musste, wie nationalistisch gesinnte Ukrainer sich den Deutschen an den Hals geworfen haben, als sie die Sowjetunion überfielen, werde ich meine Skepsis ihnen gegenüber nicht los und es tröstet mich  kein bißchen, dass es mir gelungen ist, den Ostlandritter Theodor Oberländer als Bundesminister zu Fall zu bringen. In meinem Buch "Gegen den Wind" habe ich mich dazu in dem Kapitel "So war das mit Herrn Oberländer" ausführlich geäußert.

Leider haben die heute bei uns Regierenden von all dem offensichtlich keine Ahnung, wie es mir überhaupt an der nötigen Kenntnis der jüngeren deutschen Geschichte zu fehlen scheint. 

Jetzt soll erstmals eine Brigade der Bundeswehr für immer in Litauen stationiert werden, und zwar mit Kind und Kegel, also für immer, mit eigener deutscher Schule und einem deutschen Kindergarten. Ich bekomme eine Gänsehaut, wenn ich mir das vorstelle. Bisher waren Einheiten der Bundeswehr immer nur für eine begrenzte Zeit mit einem  begrenzten Auftrag im Ausland, wie etwa  in Afganisten oder in Mali. 

In der Zeitung steht, dass es sich um einen gefechtsbereiten und eigenständig handlungsfähigen Kampfverband in Stärke von 4.800 Soldaten und 200 zivile Bundeswehrangehörige handeln soll. Der deutsche Verteidigungsminister Pistorius hat im Dezember in der litauischen Hauptstadt Vilnius ein entsprechendes Dokument unterzeichnet und dabei von einem "historischen Moment" gesprochen. 

Litauen grenzt an das mit Russland verbündete Belarus sowie an Russlands Ostsee-Enklave Kaliningrad. Zwischen beiden Ländern verläuft von Litauen ein schmaler Landkorridor nach Polen, die so genannte Suwalki-Lücke der Nato, um die es - wie in der Zeitung weiter zu lesen ist - im Falle eines Angriffs zu Kämpfen kommen könnte.

Die Schaffung der Voraussetzungen für die Stationierung der deutschen Brigade werde Litauen in den nächsten Jahren rund 800 Millionen Euro kosten. 

Damit bin ich von Ihrem eigentlichen Thema ziemlich weit abgekommen, von Ihrem Garten, den sie wegen der Arbeit an Ihrem Buch über Gerolstein ziemlich vernachlässigt hätten. Bei mir kommen alle paar Wochen zwei Gärtner vorbei, die mir alle Arbeiten abnehmen, zu denen ich altersbedingt nicht mehr in der Lage bin. Die Magnolien haben ihre prächtigen Blüten schon abgeworfen. Nun fangen die Rhododendren an zu blühen und auch der Flieder hat jetzt bald seine Zeit. Regen hatten wir in den letzten Wochen mehr als genug, nun wird es höchste Zeit, dass der Frühling sein blaues Band flattern und unser Herz höher  schlagen lässt. 


Ihr Kurt Nelhiebel