Bildschirmfoto 2020 03 08 um 02.55.07Zwei dänische und eine polnische Autorin gestalten einen so liebevollen wie humorvollen wissenreichen Comic um die einzige zweifache Nobelpreisträgerin, Teil 2/2

Claudia Schulmerich

Frankfurt am Main (Weltexpresso) – Und nach über einem Drittel sind wir jetzt erst mit Marya in Paris, wo sonst die Geschichte um Marie Curie beginnt. Und deshalb haben wir den Comic bis hierher sehr ausführlich besprochen. Kapitel 3 handelt von 1891 bis 1895 in Paris, wo die sich nun Marie nennende junge Polin am 3. November 1891 in der naturwissenschaftlichen Fakultät der Sorbonne ihr Studium aufnimmt. Gute Gelegenheit darauf hinzuweisen, daß damals im deutschen Kaiserreich das Studium für Frauen noch verboten war, ja selbst an den Gymnasien Frauen kein Abitur machen durften. Die Schriftstellerin Riccarda Huch hat das eindrucksvoll niedergeschrieben, wie sie 1886 von Braunschweig nach Zürich ging, um erst Abitur zu machen und dann studieren zu können. Sie wurde übrigens dreimal für den Nobelpreis für Literatur vorgeschlagen. Bekam ihn nie. 

Mit Marie beginnen das Studium auch wenige andere Frauen, doch obwohl sie erst einmal merkt, was sie alles nicht kann, ist sie bald die einzige Frau in Chemie, die dabeibleibt. Sie zieht weg von ihrer Schwester in die Nähe der Uni und ab jetzt gibt es nur noch Lernen, Lernen. Sie ist vernarrt in die Chemie, liebt ihr Studium, vergißt darüber Essen und Leben auch. Das ist allerliebst dargestellt, wie innig sich Marie in ihrem Studium verliert und welche Professoren ihr was beibringen. Aha, die Physik ist auch dabei, denn sie wird als Beste abschließen und als sie den Abschluß in Chemie macht, bittet ihr Professor sie, ihm bei Versuchen zu helfen. Nur wo kann sie die machen? Aha, bei einem gewissen Pierre Curie an der Polytechnischen Hochschule.

Die weitere Geschichte ist bekannt. Nicht aber, wie sie hier erzählt wird. Denn die Beteiligung der polnischen Zeichnerin hat ihre  Auswirkungen  - in den Materialien, wie den Tagebüchern von Marie, wo Pierre nun vorgestellt wird, was die Autorinnen weiterführen. Den inneren Konflikt zwischen der Rückkehr in die Heimat zum Vater und dem Verbleiben in Paris mit Pierre und der Wissenschaft, entscheidet sie nach einer Heimreise nach Polen, dann für Paris und die Heirat , wo das Kapitel 4 von 1895-1903 spielt, also noch stärker die Zeit, mit der ihr Leben für die Nachwelt ansonsten beginnt.

Zwar spielt sie kurz Hausfrau, aber richtig zu kochen wird sie nie lernen, jedenfalls was Mahlzeiten angeht. Denn 'Kochen' nennen die Chemiker auch die Laborarbeiten mit Reagenzgläsern, Erlenmeyerkolben und Bunzenbrennern, was sie perfekt beherrscht.  Längst haben die Röntgenstrahlen ihr wissenschaftliches Interesse neu erweckt und sie schreibt über Strahlen ihre Doktorarbeit, wozu sie Zeit hat, denn sie hat gerade Irène geboren, ihre kleine Tochter. Und außerdem besitzt Pierre ein Meßinstrument für elektrische Ströme, was notwendig ist. Aber erst mal muß tonnenweise Pechblende besorgt werden, um Radium zu gewinnen. Allerdings braucht man für wenige Dezigramm Radium sieben Tonnen Pechblende. Doch sie entdecken auch weitere radioaktive Elemente wie Polonium – benannt nach Polen – und Actinium.

Bildschirmfoto 2020 03 08 um 03.31.08Die Entdeckung ist so revolutionär, daß Henri Becquerell und Pierre Curie den Nobelpreis erhalten sollen, wobei er zurückschreibt, daß er dies gemeinsam mit seiner Frau entdeckt habe, weshalb dann der Nobelpreis für Physik 1903 allen drei zugeschrieben wird. Das Geld auch. Und Marie Curie ist die erste Frau mit einem Nobelpreis, rechts im Bild die Urkunde für die Curies, dem Comic entnommen. Doch schnell  ist sie Witwe, als ihr Mann 1906 in einem Unfall mit einem Pferdefuhrwerk auf Pariser Pflaster getötet wird.

Sie arbeitet weiter, läßt sich auf einen Freund und Schüler Pierres ein, dessen eifersüchtige Frau sie mittels gestohlener Liebesbriefe öffentlich bloßstellt – wie schön, daß sie welche schrieb und erhielt! . Flugs sind wir im Jahr 1911, wo ihr in Konsequenz ihrer entdeckten neuen Elemente in der Physik nun für die Ermittlung deren chemischer Eigenschaften auch der Nobelpreis für Chemie zuerkannt wird. Allein ihr! Sie arbeitet weiter, bildet im Krieg 150 Techniker aus, die Röntgenstationen an der Front übernehmen, so daß nicht mehr ganze Beine und Arme amputiert werden, sondern gezielt Knochen geheilt werden können. Das Ende des Krieges bedeutet die Einigung Polens.

Sie stirbt 1934, wird aber erst 65 Jahre nach ihrem Tod, zusammen mit Pierre im Pathéon, dem Mausoleum für berühmte Franzosen beerdigt. Welch ein Leben und welch schönes Buch, das so liebevoll den Lebensweg begleitet und im Zusammenspiel von Privatheit und wissenschaftlicher Bedeutung dem Menschen Marie Curie Gerechtigkeit zukommen läßt. Gerechtigkeit, was ihr Bedeutung für die Wissenschaft und ihre Bedeutung als Frau in der Wissenschaft. Sie war die erste Frau, die an der Sorbonne Professorin wurde und die erste mit einem Nobelpreis, dann die erste mit zwei Nobelpreisen. Übrigens haben bis heute nur fünf Frauen den Nobelpreis für Chemie erhalten. Nach Marie war es 1935 ihre Tochter Irène Joliot-Curie, die den zweiten Nobelpreis für Chemie erhielt. Auch eine Form der familiären Weiterbildung.

Fotos:
© Verlag und Redaktion

Info:
Frances A. Østerfelt, Anja C. Andersen, Anna Blaszczyk
Marie Curie. Ein Licht im Dunkeln
Übersetzt von: Franziska Hüther
18.7 x 26.5 cm, gebunden, 136 Seiten
22,00 €
ISBN 978-3-95728-366-5