Bildschirmfoto 2025 03 29 um 00.09.36Krimi von Lukas Erler im Verlag Tropen

Claudia Schulmerich

Frankfurt am Main (Weltexpresso) – Carla Winter kennen wir schon aus dem letzten Krimi, insgesamt ist es der dritte Auftritt der Frankfurter Rechtsanwältin, die starke Nerven hat und sogar so weit geht, daß sie sich selbst als Köder anbietet, um einen Verbrecher zu überführen, der sie dann in Berlin auch zusammenschlägt, aber in Frankfurt hat sie ihren Freund, der ist Arzt und flickt sie zusammen. Das kommt erst im neuen Krimi, aber schon davor hat sie sich so weit aus dem Fenster gelehnt, daß sie von einer Wohlmeinenden, für die Geld keine Rolle spielt, Personenschutz erhält: Delia Egmont und Max Reuter, denen sie in Berlin dann auch ihr Leben verdankt.


Hier werden verschiedene Geschichten ineinander verwoben, die halb Europa umspannen und schwerwiegend sind. Junge Frauen aus Südosteuropa, die Kinder erwarten, werden von ihren Müttern für 500 Euro an Menschenhändler: hier Emanuel Tarrasidis, verkauft, die brutal mit Kaiserschnitt – hier in Griechenland – die Kinder aus dem Mutterleib schneiden, versorgen und für Zig zehntausende nach Westeuropa verkaufen. Eine, Ceija Stojanov wäre vor der Geburt fast entkommen, ist aber zumindest danach - mit 50 Euro von den 500 von der Mutter abgespeist - schlau genug, sich bei einer Tante in Athen zu verstecken, die aber Angst vor der Verwandtschaft hat und Ceija nach Frankfurt weiterschickt, wo ihre Tochter, Sofia Yannakakis, wohnt, leider aber auch ihr Peiniger, der dicke Tarrasidis ein griechisches Edelrestaurant unterhält. Autounfälle sind in diesem Krimi beliebte Mordinstrumente und werden hier gleich von zwei unterschiedlichen Tätern unternommen: Carla überlebt, Sofia erst einmal auch, hat aber eine schwere Sprachstörung davongetragen, die Wernicke-Aphasie, eine neurologisch bedingte Störung des Sprachsystems, das Erler dankenswerterweise ausführlich erläutert. Im Krankenhaus lernt Carla die Griechin kennen, womit die zwei Stränge der Handlung ab jetzt zusammenlaufen.

 

Einerseits wird Carla mit Hilfe der Wohlmeinenden aus Essen in Berlin den, der ihren Unfall herbeiführte, zu Kreuze kriechen lassen, andererseits ist er aber nicht für die verstörenden Postsendungen zuständig, es gibt also noch einen gewaltbereiten Mann und sie weiß bald auch, daß es sich um den Ex-Polizisten aus dem Ruhrgebiet von ihrem letzten Fall handelt. Während sie damit beschäftigt ist, wird Sofia ermordet. Gemeint ist Ceija, die aber entkommen kann. Wer aber hat nun nachts den dicken Wirt erstochen, fragt die Polizei, aber auch Clara, die zusammen mit Freund Moritz in Wien dessen Sohn und Ex-Frau besucht.

 

Und nun geht alles ganz schnell, wird systematisch aufgeräumt. Carla entlarvt den, der per Post droht, aber findet auch sonst Schuldige, wobei sie differenziert: wer aus Notwehr handelt, kann entkommen, die anderen sind dran. Aber nicht vergessen darf man den Kommissar Rossmüller, der ein sehr angenehmer Polizist ist, der aber doch mehr darüber sagen sollte, was er vor hat.

 

Also ein bißchen sehr offensichtlich, die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen. Wünschen darf man sich auch für die Zukunft mehr Lokalkolorit, mehr Frankfurt also. Gerade mal die Bockenheimer Landstraße mit dem griechischen Lokal und ein paar Straßennamen, ach ja und der Markt an der Bockenheimer Warte. Das ist nicht genug.

 

Foto:
Umschlagabbildung

 

Info:
Lukas Erler, Winter’s Game, Tropen Verlag 2025
ISBN 978 3 608 50243 5