Über 2000 Einheitsmännchen stehen auf dem Römerberg in Frankfurt

 

Roman Herzig und pia

 

Frankfurt am Main (Weltexpresso) – Das Ganze ist eine große Merkwürdigkeit, was da auf dem Römerberg herumsteht. Offiziell heißt es: „Die Hessische Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten, Lucia Puttrich, hat am 10. September gemeinsam mit Oberbürgermeister Peter Feldmann und Ottmar Hörl über 2000 Einheitsmännchen auf ihrer letzten Etappe auf dem Frankfurter Römerberg begrüßt.“

 

Das Kunstprojekt ‚Grenzen überwinden‘ ist ein starkes Symbol für das Zusammenwachsen unseres Landes in den vergangen 25 Jahren. Ottmar Hörl ist es gelungen, das bekannte Ost-Ampelmännchen zu einer neuen dreidimensionalen Einheitsmännchen-Skulptur weiterzuentwickeln, die für das wiedervereinigte Deutschland steht und die Menschen dazu anregt, sich mit dem Geschehen vor einem Vierteljahrhundert auseinanderzusetzen“, sagte dann die Ministerin Puttrich in Frankfurt. Die Vision des Künstlers sei es, möglichst viele Menschen in einen kulturellen Diskurs miteinzubeziehen. „Das passt sehr gut zu unserer Idee, möglichst viele Menschen mit einem breiten Veranstaltungsprogramm mitzunehmen auf den Weg bis zum 3. Oktober“, sagte die Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten.

 

In den vergangen Monaten sind mehrere tausend Einheitsmännchen in den Farben Grün, Schwarz, Rot und Gelb als Botschafter auf Deutschlandreise gegangen. Nach Stationen in Berlin, auf dem Hessentag in Hofgeismar, in Schwerin und Stuttgart hat die Kunstinstallation nun ihr Ziel auf dem Frankfurter Römerberg erreicht. Bis zum 27. September sind die Einheitsmännchen im Herzen der Frankfurter Innenstadt zu sehen. „Das Einheitsmännchen kommt ursprünglich aus den ostdeutschen Bundesländern und gehört nun, ganz selbstverständlich, zu unserer Kultur. Damit steht es symbolisch dafür, wie Grenzen überwunden werden können und passt damit perfekt zu einer toleranten und weltoffenen Stadt wie Frankfurt“, so Oberbürgermeister Feldmann. Dem Künstler sei es gelungen, mit Mitteln der zeitgenössischen Kunst die jüngste Geschichte, die Gegenwart und die Zukunft zu beleuchten.

 

Aus Anlass der im Oktober stattfindenden Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung in Frankfurt hatte die Hessische Staatskanzlei den international renommierten Konzeptkünstler Ottmar Hörl gebeten, ein neues Kunstprojekt zu entwickeln. Am 15. April 2015 wurden aus der Hessischen Staatskanzlei in Wiesbaden die Skulpturen des von ihm gestalteten Einheitsmännchens auf eine Tour durch Deutschland geschickt.

 

Für mich ist das Einheitsmännchen ein Sinnbild für freiheitlich-demokratische Prinzipien, für Wandlungsfähigkeit, für Hoffnung und Zukunft. Das Männchen ist weltoffen und freundlich. Es lächelt, reicht die Hand für ein Aufeinander-Zugehen, ist voller Energie, mutig und schreitet entschlossen voran“, sagte Ottmar Hörl. „Es ist ein Symbol für die Mobilität einer Gesellschaft, die Veränderung bewirken kann.“

 

Während der Ausstellung der Installation kann eine Figur zum Preis von 50 Euro im Projektbüro des Künstlers auf dem Römerberg erworben werden. Jeder neue Besitzer wird somit zu einem Botschafter für den 25. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung. Zehn Euro des Erlöses kommen einem guten Zweck zugute und gehen an die Stiftung „Ein Herz für Kinder“, davon jeweils fünf Euro für Kinderheime in ost- und westdeutschen Ländern.

 

Kommentar: Wir haben überhaupt nichts gegen diese Einheitsmännchen, auch nicht in Massen auf dem Römerberg. Denn das Einheitsmännchen ist längst nicht so häßlich wie das furchtbare Eurodings da vor der alten EZB gegenüber der Oper, beides eine Schöpfung des Otmar Hörl. Noch dazu erscheint bei den meisten Frankfurtbeiträgen im Fernsehen immer dieses häßliche Eurodings im Bilde und wird mit der Stadt assoziiert, statt wie früher stets mit dem Römer. Die EBZ wird übriges schon wissen, warum sie es nicht mitnahm in den Neubau und Einbau in die alte Großmarkthalle. Wir fragen uns, wann es endlich wegkommt, dies häßliche Ding. Nicht nur darum haben wir nichts gegen das Einheitsmännchen, wobei einem das System Hörl schon nahelegt, daß er ein guter Ökonom ist, denn die massenhafte Vervielfältigung von Gartenzwergen bringt auch Geld und er hat eben die Kunst genutzt, um mit Kunst – wo einem vom Gefühl her ja immer das Besondere, das Einmalige vorschwebt – aus modernen Materialien Skulpturen zu fertigen, die Masse ausdrücken; jetzt die Ampelmännchen (die man also auch für 50 Euro erwerben kann), zuvor die bunten Goethes, die ja – postiert vor dem Haus der IG Farben - schon eine neue Dimension erhalten. Da wundert man sich trotzdem, daß sie in FACK JU GÖHTE 2 noch keine Rolle spielten, kann ja in Nummero 3 noch kommen.

 

Wir wollen nicht drumherumreden. Diese Einheitsmännchen finden wir gut, weil sie offen aussprechen, worüber sonst fast niemand spricht. Daß die angebliche Wiedervereinigung Deutschlands ein gezielter Anschluß der alten DDR an die Bundesrepublik war, wo alles das, worauf die Bewohner der DDR hatten stolz sein dürfen – Bildungs- und kulturelle Förderung, Frauen zumindest in jedem Betrieb stellvertretende Leiterin, Staatliche Versorgung von Krippen- und Kindergartenkindern – den Bach herunterging. Nur das Ampelmännchen hat überlebt. Der Gartenzwerg. Das sagt alles.

 

FOTO:

OB Peter Feldmann, Lucia Puttrich und Ottmar Hörl begrüßen Einheitsmännchen auf dem Römerberg © Stefan Maurer  pia