f beatricecDie anlaufenden Filme in deutschen Kinos vom 8. Juni 2017, Teil 7

Filmheft

Paris (Weltexpresso) - Martin Provost hat Ihnen die Rolle der Beatrice auf den Leib geschrieben. ́ Wie haben Sie auf dieses Angebot reagiert?
Bereits beim ersten Lesen des Drehbuchs habe ich mich in die Figur verliebt. Wir haben uns dann getroffen, und Martin sprach sehr überzeugend von seinem Film. Er strahlt eine Freundlichkeit aus, die mir sofort gefallen hat. Beátrice hat eine Komik, aber sie erfährt auch wirklich dramatische Augenblicke. Sie ist das Spiegelbild des Films. Martin Provost ist sehr
gut darin, ernsthafte Zusammenhänge beiläufig darzustellen, ohne dass es jemals beklemmend wirkt. Das Komödiantische mildert die Schärfe des Dramas, ohne die emotionale Wirkung zu beeinträchtigen.


Wie würden Sie Béatrice definieren?

Sie ist eine Frau, die sowohl durch große Intensität, als auch Oberflächlichkeit charakterisiert wird. Beátrice ist gleichzeitig großzügig und selbstsüchtig. Sie liebt das Glücksspiel, ist aber eigentlich mittellos, was ihrem Flair und ihrer Eleganz keinen Abbruch tut. Beátrice lebt von einem Tag zum nächsten, ohne vorauszuplanen und wäre dazu auch gar nicht in der Lage.

Sie bewegt sich vorwärts, im Dunkeln tastend, sich an einem Tag auf diese, am nächsten Tag auf jene Person verlassend.


Béatrice erscheint immer wie eine völlig freie Frau, obwohl sie sehr abhängig ist von anderen...

Béatrice dachte, sie könnte ohne jegliche Bindungen existieren, aber das ist illusionär. Sie hat beschlossen, immer auf die positiven Aspekte des Lebens zu schauen und tut dies bis zum Schluss. Béatrice ist in gleichem Maße Liebhaberin, wovon ihre Affäre mit Claires Vater Zeugnis ablegt, wie Spielerin, die immer versucht, das meiste aus dem Leben herauszuholen. Es umgibt sie mitunter eine Achtlosigkeit, die für alle, die mit ihr zu tun haben, nur schwer zu ertragen ist. Das bedeutet nicht, dass sie verantwortungslos ist.


Béatrice ist tatsächlich eine gutgelaunte Abenteurerin. Wenn sie die Dinge so arrangiert, dass sie ihr passen, dann nicht in der Absicht andere zu verletzen, sie will nur das bestmögliche Leben für sich selbst.


Béatrice wird Claires Alltag so weit gehend stören, dass sie ihn letztlich verwandelt...

Claire kann Beá trice nicht lange widerstehen. Anfangs ist sie zögerlich, sie ist bereit ihr zu helfen, aber bleibt weiterhin auf Abstand. Bald jedoch akzeptiert sie ihre Anwesenheit und entdeckt die Beátrice wieder, die Fantasie in ihr Leben bringt und sie eine neue Welt entdecken lässt, fernab von Routinen. Beátrice ist in der Lage, andere zum Akzeptieren
eigentlich unzumutbarer Situationen zu bringen.


Aber sie beschließt dennoch sich wieder zu entziehen...

Béatrice möchte, dass Claire mit Paul glücklich wird. Das ist der Grund, warum sie geht. Man spürt die Sensibilität in ihrer Entscheidung. Beá trice hat es geschafft, eine intime Beziehung mit Claire herzustellen; die beiden waren wie Mutter und Tochter über Wochen. Sie wollte Claire helfen, um Verzeihung bitten für Fehler in der Vergangenheit, und sie weiß wann es
Zeit ist zu gehen.


Fühlen Sie sich Beátrice nah?

Als Schauspielerin sehe ich sie als sehr positiven Charakter, ausgesprochen witzig, ein bisschen ungewöhnlich, was ich als sehr angenehm zu spielen empfand. Als Frau kann ich ihre Achtlosigkeit verstehen, ich verurteile sie nicht, aber sie ist eine gänzlich andere Person als ich es bin.


Sie spielen das erste Mal mit Catherine Frot zusammen. Wie war die Zusammenarbeit?

Wir waren ein wenig wie Claire und Beatrice im Film. Sie ist ́ eine sehr einfühlsame Schauspielerin. Ich hatte den Eindruck, dass sie sich ihrer Sache sicher war, und das hat sich positiv ausgewirkt auf unsere Arbeit als Duo. Ich denke, dass man das auch auf der Leinwand sieht. Die Verbindung der beiden ist offensichtlich.


Und Olivier Gourmet?

Ich hatte noch nicht mit ihm gearbeitet. Als Schauspieler schätze ich ihn sehr. Wir haben nicht viele gemeinsame Szenen, aber die Komplizenschaft unserer Figuren fühlt sich echt an. Paul ist abenteuerlustig, ähnlich wie Beá trice, wobei er gelassener wirkt als sie, aber er ist ein überzeugter Reisender, der zugibt, dass er es braucht, unterwegs zu sein. Er besitzt
dieses Quäntchen Fantasie, mit dem er es vermag, Claires Alltag zu erhellen. Zu Beginn ist Claire genervt von dem Draht zwischen Beá trice und Paul; sie zögert keine Sekunde, ihn aus der Wohnung zu werfen, als sie die beiden dabei erwischt, wie sie beim Frühstück in der Küche Serge Reggiani singen.


Was für ein Regisseur ist Martin Provost?

Er ist sehr offen, sehr sanft und immer bereit, dir zuzuhören. Es ist offensichtlich, wieviel Freude es ihm bereitet, zu sehen, wie seine Figuren zum Leben erwachen. Er ist warm und freundlich. Vor allem liebt er seine Darsteller und weiß, wie er für sie wundervolle Rollen schreiben kann. Er ist ein Mann, der sich auch mit Frauen identifizieren kann. Es ist ihm
gelungen, genau den richtigen Ton zu treffen für diese Geschichte, eine perfekte Balance der Gefühle.


Sie haben gelernt das Kartenspiel La Marseillaise zu spielen...

Ich muss zugeben, dass ich davon noch nie gehört hatte. Es ist ein sehr schnelles Spiel. Martin Provost wollte, dass ich von echten Spielern umgeben bin, um der Szene Glaubwürdigkeit zu verleihen, aber ich wäre außerstande heute eine Partie zu spielen.

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