Serie: Die heute anlaufenden Filme in deutschen Kinos vom 11. Oktober 2012, Teil 1

 

Romana Reich

 

Frankfurt am Main (Weltexpresso) – Morgen wird im Rahmen der Frankfurter Buchmesse der Hessische Kino- und Filmpreis verliehen, auf dem auch immer der Preis der Frankfurter Buchmesse für die BESTE LITERATURVERFILMUNG ausgezeichnet wird. Für das nächste Jahr schlagen wir schon vorsorglich DIE WAND vor, ein tolles Stück Literatur und eine wundersame Wiedergabe auf der Leinwand, auf der in dieser Woche drei weitere sehenswerte deutsche Filme anlaufen.

 

 

DIE WAND

 

Doch, erst muß man von Marlen Haushofer erzählen, der Autorin des Romans DIE WAND, 1963 erschienen, wie die Autorin völlig vergessen, ehe die Bewegung feministischer Literatur insbesondere dies Buch an Licht holte. Marlen Haushofer wurde noch nicht einmal 50 Jahre alt. Knochenkrebs. Als Hausfrau im Oberösterreichischem konnte sie in den wenigen Stunden des Tages, die ihr, einer Ehefrau und Mutter zweier Söhne, nach der Hausarbeit übrig blieben schreiben und das tat sie geradezu sachlich und minutiös, so daß es um so heftiger unter die Haut geht.

 

Dies ist ein Roman, in dem man schon beim Lesen die Bilder sieht, den er handelt von etwas, was man im Kopf sehen kann, wo es aber fraglich scheint, ob man so etwas verfilmen kann. Die Wand nämlich, die sich eines Tages auftut, als die elegante Städterin mit einem Ehepaar zum Wochenende in den Wald in eine Jagdhütte fährt. Das Ehepaar ist gerade zum Einkaufen gefahren, hat den Hund dagelassen und nach einigen Stunden fällt der Frau auf, daß sie alleine ist, alleine bleibt. Sie macht sich auf den Weg. Auch mit dem Auto. Doch mitten auf der Straße knallt sie gegen etwas. Die Wand. Im Film als unsichtbare Glaswand dargestellt, hinter der also das Leben weitergeht, während in der Abtrennung im Wald alles erstarrt ist. Nein, nicht alles. Die Frau hat überlebt und ihre Tiere auch.

 

Der Film beginnt damit, daß sie sich entschließt, Tagebuch zu führen und über das, was sie gerade erlebt, genau zu berichten. Sie beginnt aber mit dem Anfang, was die Rückblenden bedingt, die sich dann mit der aktuellen Situation abwechseln. Oft beginnt also der Text und führt im Bild den Roman fort, manchmal aber begleitet der Text den Film auch weiter und ein gewisses Gefühl von Verdoppelung beschwert das Zuschauen durchaus. Abgesehen davon, daß schwer einschätzbar ist, wie man solche Literatur anders verfilmen könnte – Julian Roman Pölsler traut sich da wirklich was -, hält einen Hauptdarstellerin Martina Gedeck am Wickel.

 

Ihre Darstellung und damit auch die Veränderungen, die mit ihr vorgehen, wie aus der eleganten Städterin die Überlebensstrategin wird, die sogar mit dem Gewehr Tiere tötet kann, erst recht einen ganz gemeinen Mann, was auch beim Zuschauen viel einfacher ist, als es bei den Tieren war, entwickelt sich Schritt für Schritt. Und das Wunderbare an diesem Film ist eben auch, wie wir alles im äußeren Ablauf des Jahres, aber auch im Innenleben dieses Menschen ganz langsam miterleben können. Ein einziger Alptraum, aber im wirklichen Leben.

 

Zu dem Wunderbaren gehört auch die Natur. Im gewissen Sinn ist das sogar ein Naturfilm par excellence, sogar ein Bergfilm. Die Aufnahmen zeigen den Jahreswechsel im Wald und in den Bergen und sie zeigen die Gegend um Gosau. Das liegt im Dachsteingebiet, nahe der Vordere Gosausee, der auch einmal im Bild ist, wie der Gosaukamm, dann aber auch die Schlucht, die zehn Kilometer hinuntergeht, dem Bach folgend, dem Gosaubach, der in den Hallstättersee flutet, wenn Schneeschmelze oder Regen ist und ansonsten hineintröpfelt. Natur also, deren Schönheit einem oft den Atem nimmt und mit weiten Blicken über die Täler im Gegensatz zur Klaustrophobie steht, in der sich die Protagonistin befindet.

 

Was will der Film, das Buch letzten Endes sagen? Geschrieben in einer Zeit, wo Atom und seine Gefahren das große Thema waren, sind alle gängigen Apokalypsevisionen präsent. Diese eine Frau, die überleben darf, kann es nur, indem sie in Übereinstimmung mit der Natur lebt, sich ihrem Rhythmus anpaßt und vor allem nicht alleine bleibt, sondern mit ihren Tieren lebt. Darum hat der gesamte Film trotz des alptraumhaften Geschehens und des nicht gezeigten Ausgangs, der nur der Tod sein kann, etwas Tröstliches, das ein gemeinsames Werk von Martina Gedeck und Julian Roman Pölsler ist. Ein Film, der nahegeht.

 

 

MANN TUT WAS MANN KANN

 

Witzig, obwohl es eine deutsche Komödie ist. Die Typen, von Jan Josef Liefers bis Wotan Wilke Möhring spielen mit im Konzept des Regisseurs Marc Rothemund, das alles nicht bierernst zu nehmen.

 

 

FÜR ELISE

 

Mutter-Tochter-Drama als Debüt von Wolfgang Dinslage. Alleinerziehende Mutter hat einen neuen Freund. Alleinerziehender Vater mit Söhnen. Glaubwürdig erzählt der Film das Geschehen, das folgt.

 

BEZIEHUNGSWEISEN

 

Ein Dreierpack in Paartherapien. Das Neue an der filmischen Konstruktion ist, daß die Paare von Schauspielern gegeben werden, die Psychologen aber von Profis. Herauskommt ein sehr ansehenswerter Film, den Calle Overweg in allen Sparten verantwortet.