f UnsichtbarenSerie: Die anlaufenden Filme in deutschen Kinos vom 26. Oktober 2017, Teil 10

Margarete Frühling

München (Weltexpresso) - Im Februar 1943 wird Berlin zwar als "judenrein" erklärt, aber es leben immer noch etwa 7000 jüdische Mitbürger in der Stadt im Untergrund. Zu diesen gehören auch Hanni Lévy (Alice Dwyer), Cioma Schönhaus (Max Mauff), Eugen Friede (Aaron Altaras) und Ruth Arndt (Ruby O. Fee).

Die Waise Hanni Lévy hat sich die Haare blond gefärbt und wandert tagsüber durch Berlin und hofft irgendwo übernachten zu können, bis sie in einem Kino eine Kartenverkäuferin trifft, die sie im Zimmer ihres Sohnes, der Soldat ist, bis Kriegsende wohnen lässt.

Ruth Arndt und ihre Familie verstecken sich getrennt voneinander. Ruth lebt zusammen mit einer Freundin bei einer Bekannten. Beide geben sich als Kriegswitwen aus und arbeiten tagsüber bei einem NS-Offizier, der vermutlich weiß, wer da für ihn arbeitet.

Der zwanzigjährige Cioma Schönhaus lebt unerkannt bei seiner Vermieterin, die ihn auch nicht anmeldet. Er fälscht zusammen mit seinem Freund Ludwig Lichtwitz (Sergej Moya) und dem Elektriker Werner Scharff (Florian Lukas) Pässe für die Untergrundgruppe des Oberregierungsrats Dr. Franz Kaufmann (Robert Hunger-Bühler), mit denen dutzende Juden außer Landes geschafft werden. Mit dem verdienten Geld kann er sich sogar ein Boot kaufen, bis die Gruppe auffliegt und er mit einem letzten gefälschten Wehrpass quer durch Deutschland in die Schweiz fliehen muss.

Eugen Friede, der einen christlichen Stiefvater hat, der während der ganzen Zeit versucht ihn zu unterstützen, lebt bei einer deutschen Familie und kommt sich sogar mit der Tochter des Hauses näher. Tagsüber trägt er die Uniform der Hitlerjugend eines Freundes. Doch dann muss er weiterziehen und schließt sich der Widerstandsgruppe von Hans Winkler (Andreas Schmidt) an, die nachts Flugblätter verteilt.

Während der ganzen Jahre sind die vier, die sich nicht kennen und auch nicht begegnen werden, auf ihren Einfallsreichtum und auf Hilfe von Menschen angewiesen, die unter Lebensgefahr bereit sind, ihnen Unterschlupf zu gewähren und ihnen auch von ihrem Essen abzugeben.

Regisseur und Drehbuchautor Claus Räfle hat in diesem Film nicht nur die Geschichte von vier Überlebenden erzählt, sondern er lässt in einer Parallel-Montage die vier auch selbst als alte Menschen zu Wort kommen. Dies gibt dem Doku-Drama einen zusätzlichen interessanten Aspekt. Dabei gehen die Spielszenen und die Interviews teilweise ineinander über, was den Geschichten eine erschreckende Authentizität verleiht.

Die vier Zeitzeugen berichten dabei von ihrem Leben, ihrem Schicksal und im Detail auch von ihren Erlebnissen als Unsichtbare. Neben den Interviews wurden auch immer wieder Archivbilder in die Spielhandlungen eingebunden. Dies lässt uns auch einen authentischen Blick auf das Berliner Alltagsleben während dieser Kriegsjahre werfen.

Die vier Schauspieler Max Mauff, Alice Dwyer, Ruby O.Fee, Aaron Altaras haben ihre Rollen überzeugend gespielt. Sie passten auch hervorragend zu ihre realen Vorbildern: Hanni Lèvy geb. 1924 lebt heute in Paris. Ruth Arndt, die mit ihren ebenfalls untergetauchten Freund und ihrer Familie nach dem Krieg nach Amerika ausgewandert ist, wurde 1922 geboren und starb 2012. Cioma Schönhaus, geboren1922, hat es in die Schweiz geschafft und ist dort 2015 gestorben. Eugen Friede, geboren 1926, wurde noch kurz vor Kriegende verhaftet, die Befreiung Berlins rette ihm das Leben. Heute lebt er in Frankfurt/M. Von den 7000 in Berlin versteckten Juden haben etwa 1500 den Krieg und den Terror des Nationalsozialismus überlebt. Ruth Arndt, Hanni Lèvy, Cioma Schönhaus und Eugen Friede waren vier davon.

Insgesamt ist "Die Unsichtbaren - Wir wollen leben" ein spannendes und aufrüttelndes Doku-Drama, das von der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW) das Prädikat besonders wertvoll erhalten hat. Man kann nur hoffen, dass es auch im Kino erfolgreich ist und dort auch von vielen Schülern besucht wird.

Zusatz: Der bekannte deutsch-israelische Schauspieler Michael Degen hat 2002 seine Kindheits- und Jugenderinnerungen als deutsch-jüdischer Junge, der zusammen mit seiner Mutter während des Krieges in Berlin untergetaucht ist, unter dem Titel "Nicht alle waren Mörder: Eine Kindheit in Berlin" veröffentlicht. Er hat darin ähnliche Erlebnisse beschrieben, wie es die vier jungen Leute erlebt haben: Dass sie alle durch die Hilfsbereitschaft und zum Teil durch den Widerstand anderer Menschen überlebt haben. Die ARD hat das Buch 2006 als einen Fernsehfilm mit dem gleichen Titel unter der Regie von Jo Baier verfilmt. In diesem Film hat übrigens Aaron Altaras die Rolle des 11jährigen Michael Degen gespielt. In "Die Unsichtbaren" spielt er jetzt Eugen Friede.

Foto: Plakat © Tobis Film GmbH

Info:
Die Unsichtbaren - Wir wollen leben (Deutschland 2017)
Genre: Doku-Drama
Filmlänge: 106 Min.
Regie: Claus Räfle
Drehbuch: Claus Räfle, Alejandra López
Darsteller: Max Mauff, Alice Dwyer, Ruby O.Fee, Aaron Altaras, Florian Lukas u.a.
Verleih: Tobis Film GmbH
FSK: ab 12 Jahren
Kinostart: 26.10.2017