CharlesDickensSerie: Die anlaufenden Filme in deutschen Kinos vom 22. November 2018, Teil 4

Margarete Frühling

München (Weltexpresso) - Nachdem Charles Dickens (Dan Stevens) mit Die Pickwickier (1837) und Oliver Twist (1839) große Erfolge feierte, konnten seine nächsten drei Romane das Publikum nicht überzeugen. Er hat inzwischen eine Frau und vier Kinder (das fünfte ist unterwegs), ein großes Haus in London, lebt weiterhin auf großem Fuß und hat deshalb Schulden - auch weil er seine mittellosen Eltern finanziell unterstützt.

Jetzt - 1843 - hat er dazu auch noch eine Schreibblockade und sein Verleger ist nicht mehr bereit, ihm einen Vorschuss auf sein nächstes Buch zu gewähren. Dann hat er durch eine Geistergeschichte, die das irische Kindermädchen Tara (Anna Murphy), seinen Kindern erzählt, und nach einem Erlebnis auf dem Friedhof, als er beobachtet wie ein reicher Mann ohne Angehörige beerdigt wird, eine geniale Idee für ein Buch: Eine Weihnachtsgeschichte über eine unsympathische und geizige Hauptfigur namens Ebenezer Scrooge (Christopher Plummer).

Sein Verleger lehnt das Projekt ab, aber Dickens ist von seiner Geschichte so überzeugt, dass er bereit ist, nochmals Geld aufzunehmen, um das Buch im Eigenverlag herauszubringen. Er sucht zusammen mit seinem Schriftstellerfreund John Forster (Justin Edwards) nach dem besten Londoner Illustrator und findet ihn in John Leech (Simon Callow). Allerdings muss sich Dickens beeilen, denn der Roman soll zu Weihnachten herauskommen und er hat nur noch sechs Wochen Zeit und seine Story ist noch lange nicht fertig gestellt.

Während Dickens seine Geschichte entwickelt, interagiert er mit seinen Romanfiguren, besonders mit Ebenezer Scrooge. Allerdings wird Dickens immer wieder von seiner Arbeit abgelenkt, denn plötzlich tauchen sein Vater John Dickens (Jonathan Pryce) und dessen Frau (Ger Ryan) bei ihm auf. Charles kann seinem Vater eigentlich nicht verzeihen, dass er als Kind in einer Fabrik arbeiten musste, während sein Vater und der Rest der Familie im Schuldgefängnis saßen. Charles würde zwar die Eltern gerne vor die Tür setzen, traut es sich aber mit Rücksicht auf seine Familie nicht.

Als die Geschichte beinahe fertig ist, kämpft Charles noch mit dem Ende. Er möchte eigentlich weder Scrogge noch Tiny Tim, den kranken Jungen von Scrooges Mitarbeiter, überleben lassen, doch Tara schlägt vor, dass Scrooge den Jungen rettet.

Als Charles sein Werk endlich gerade noch rechtzeitig vor Weihnachen gedruckt bekommt, ist er auch in der Lage sich mit seinem Vater zu versöhnen.


A Christmas Carol wird letztendlich nicht nur eine der berühmtesten Erzählungen von Charles Dickens, sondern es gelingt ihm auch, sich mit dem Buch von den Dämonen seiner Kindheit zu befreien. Ganz nebenbei schafft Dickens mit der Geschichte um die Seelenrettung des skrupellosen Geizkragens Ebenezer Scrooge ein Standardwerk, das seit seiner Publikation 1843 bis heute fest zu Weihnachten gehört.

Eine Weihnachtsgeschichte ist nicht nur Charles Dickens bekanntestes Werk, sondern vermutlich das am häufigsten verfilmte Buch überhaupt, denn es gibt mehr als 30 verschiedene Verfilmungen der Erzählung, wie den Kurzfilm "Scrooge, or Marley’s Ghost" (1901), "A Christmas Carol" (1938), "Eine Weihnachtsgeschichte" (1951), "Charles Dickens - Eine Weihnachtsgeschichte" (1984), "Die Muppets-Weihnachtsgeschichte" (1992), "A Christmas Carol - Die Nacht vor Weihnachten" (1999), "Ein Weihnachtsmärchen" (2001) oder "Disneys Eine Weihnachtsgeschichte" (2009), um nur einige der bekannteren Verfilmungen zu nennen.

In der Erzählung möchte Dickens die Aufmerksamkeit der Lesers auf die Not der Armen in der Gesellschaft Englands zu lenken. Er schaffte es, dass der Roman mit den Illustrationen von John Leech trotz der kurzen Zeit am 19. Dezember 1843 und damit pünktlich zu Weihnachten in die Buchhandlungen kam.

Im Gegensatz zu Dickens anderen Werken wurde A Christmas Carol nicht als Fortsetzungsroman in Zeitschriften sondern als Buch herausgegeben. Oliver Twist z.B. erschien von Februar 1837 bis April 1839 in Fortsetzungen in der Zeitschrift Bentley’s Miscellany oder David Copperfield wurde erstmals als monatliche Fortsetzungsgeschichte von Mai 1849 bis November 1850 zum Preis von je einem Shilling veröffentlicht.

Der Film "Charles Dickens: Der Mann, der Weihnachten erfand" geht auf die Biografie The Man Who Invented Christmas: How Charles Dickens's A Christmas Carol Rescued His Career and Revived Our Holiday Spirits von Les Standiford (2009) zurück. Das Drehbuch wurde von Susan Coyne verfasst, Regie führte Bharat Nalluri.

Die Hintergründe des Films beruhen auf wahren Begebenheiten, denn Charles Dickens hatte nach einigen Flops Probleme, seinen doch recht teuren Lebensstandard aufrecht zu erhalten. Auch wollte sein Verleger eine Weihnachtsgeschichte nicht drucken.

Der Film handelt nicht nur von der Entstehungsgeschichte eines der bekanntesten Werke des Schriftstellers, sondern auch von dem konfliktreichen Verhältnis von Charles Dickens zu seinem Vater John, den er für seine Zeit als Kinderarbeiter in einer Schuhfabrik verantwortlich macht. Daneben zeigt der Film auch Szenen aus dem Hause Dickens, denn neben den 4 Kindern ist die Ehefrau schon wieder schwanger, was dem Ehemann überhaupt nicht zusagt, wie es in einer kurzen Szene dargestellt wird.

Die Hauptrolle des Charles Dickens wurde von Dan Stevens übernommen, der die Rolle bewusst etwas überspielt, vor allem wenn er sich mit seinen Charakteren aus dem Roman unterhält. Sein Gegenpart ist Christopher Plummer als Ebenezer Scrooge, der immer wieder auftaucht. Plummer spielt seine Rolle trocken und zurückhaltend.

Neben der Entstehung des Buches ist auch das Verhältnis von Charles zu seinem leichtsinnigen Vater ein wichtiger Teil des Filmes, denn wenn am Ende Scrooge aus seinen Fehlern lernt, ist auch Charles Dickens bereit, sich mit seinem Vater zu arrangieren, ihn zum Weihnachtsessen einzuladen und ihm damit zu vergeben. Jonathan Pryce zeigt die zwei Seiten von John deutlich, auf der einen Seite ist er der Mann, der hofft sich mit seinem Sohn zu versöhnen, auf der anderen Seite verkauft er ohne Bedenken die Unterschrift und andere Memorabilia seines Sohnes.

Der Film wurde von der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW) mit dem Prädikat "wertvoll" ausgezeichnet. Er gibt interessante Einblicke, wie Charles Dickens seine Inspirationsquellen für A Christmas Carol gefunden und genutzt hat. Daneben werden auch weniger bekannte Details aus dem Leben des bekannten englischen Schriftstellers erzählt. "Charles Dickens: Der Mann, der Weihnachten erfand" ist ein Film, der neben der eigentlichen Geschichte auch das viktorianische London zu Dickens Zeit darstellt. Er macht Spaß, ist spannend erzählt und deshalb unbedingt sehenswert.

Foto: Dan Stevens als Charles Dickens © BAH HUMBUG FILMS INC & PARALLEL FILMS / KSM GmbH

Info:
Charles Dickens: Der Mann, der Weihnachten erfand (Irland, Kanada 2017)
Originaltitel: The Man Who Invented Christmas
Genre: Biographie, Tragikomödie
Filmlänge: 104 Minuten
Regie: Bharat Nalluri
Drehbuch: Susan Coyne nach der Biografie The Man Who Invented Christmas von Les Standiford (2008)
Darsteller: Dan Stevens, Christopher Plummer, Jonathan Pryce, Miriam Margolyes, Simon Callow, Morfydd Clark, Justin Edwards, Miles Jupp u.a.
Verleih: KSM GmbH im Vertrieb von 24 Bilder
FSK: ab 6 Jahren
Kinostart: 22.11.2018