f countSerie: Die anlaufenden Filme in deutschen Kinos vom 30. Januar 2020, Teil 16

Hanno Lustig

Köln (Weltexpresso) – Wer nicht übersinnlich veranlagt ist, kann es beim Zuschauen dieses Film werden. Eigentlich ganz gut gemacht, wenn man keine allzu hohen Ansprüche an Logik und Psychologik stellt. Insgesamt denkt man der jungen Protagonisten wegen auch an einen Jugendfilm, bzw. einen für junge Erwachsene.

Richtig Erwachsene fühlen sich schon ein bißchen für dumm verkauft. Doch das kann man nur beurteilen, wenn man den Film gesehen hat. Auf jeden Fall ist diese Geschichte bei der Besessenheit für Handys, die insbesondere diese Klientel auszeichnet, nicht schlecht gewählt. Das Ganze beginnt eher aus Zufall. Als eine Freundinnengruppe beisammen sitzt, hat eine diese Idee mit der App, die den Todeszeitpunkt voraussagt. Das kommt einem komisch vor? Durchaus, aber wenn etwas so ernsthaft aufgemacht ist und seitenweise Nutzungsbedingungen das Ganze seriös erscheinen lassen, die man abhaken muß, bis die App sich drauflädt – und da ist man schon in die Falle getappt!! Sofort fällt einem ein, wie oft man ‚akzeptiert‘ schreibt, je länger die Bedingungen sind, desto schneller....

Aber das wird der jungen Krankenschwester Quinn (Elizabeth Lail) erst klar, als es zu spät ist. Denn das, was die App in ihrem Fall als noch vorhandene Lebenszeit angibt, sieht nicht aus wie bei ihren Freundinnen, wo 79 Jahre 3 Monate und 27 Tage steht, als Beispiel, sondern lautet drei Tage und ein paar gequetschte Stunden. Und nach einer Stunde läßt ihr Handy sie noch eine Stunde weniger leben. Was ist hier los?

Ein Blick zurück: Die Idee hatte Regisseur Justin Dec als er ein simpler Produktionsassistent war. Und dann nahm er alles, was er an Geld hatte, in die Hand und produzierte einen fünfminütigen Kurzfilm gleichen Namens, die gleich Killer-App genannt wurde, und fand begeisterte Abnehmer für diese schräge, ja schwarze Idee, daraus nämlich einen ganzen Spielfilm zu machen, den die beiden Produzenten finanziell stemmten, wie geschehen.

Das Problem ist nun, daß wir von der Geschichte nichts Entscheidendes weitergeben dürfen, weil ein Horrorfilm – denn um einen solchen handelt es sich eindeutig – davon lebt, daß der Zuschauer nicht weiß, was passieren wird, denn das Schönste am Horror sind die eigenen Erwartungen, wie es weitergeht, die im Kern immer mehr mit einem zu tun haben als mit der Geschichte auf der Leinwand.

Hier auf jeden Fall muß Quinn nun erstmal damit zurechtkommen, daß ihre Freundinnen alle ein langes Leben vor sich haben - und sie nicht!!! So wahnsinnig sich das anhört, so wenig sie am Anfang das zu glauben gewillt ist, alleine die immer kürzer werdende Frist auf dem mobilen Telefon ist etwas, was automatisch die Glaubwürdigkeit der Aussage, daß es die Tage und Stunden sind, die sie noch lebt, auf einmal immer wahrscheinlicher macht.

Und dann passieren merkwürdige Dinge. Sie fühlt sich beobachtet, ist da nicht ein Kerl, der sie verfolgt. Sie hört dann von anderen, die ebenfalls die App heruntergeladen hatten und auch nicht länger zu leben haben. Mit Matt Monroe (Jordan Calloway) tut sie sich zusammen, der Sache auf den Grund zu gehen. Dazu gehört, daß sie endlich die Nutzungsbedingungen lesen und dabei auf Dinge kommen, die wichtig werden.

Auf jeden Fall beginnt tatsächlich der angesprochene Countdown, der auf den Zuschauer überspringt und der nur darum dann doch gut aushaltbar ist, weil wir wissen, es muß am Ende gut ausgehen, die beiden werden überleben. Aber wie clever das erstmal als Hühnchen erscheinende junge Ding dann doch wird, das sind die Gründe, warum man einen solchen Film nicht auslacht.

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Info:
BESETZUNG
Elizabeth Lail        Quinn Harris
Jordan Calloway   Matt Monroe
Talitha Bateman    Jordan Harris
Tichina Arnold       Schwester Amy
P.J. Byrne              Pater John
Peter Facinelli       Dr. Sullivan

STAB
Regie & Drehbuch Justin Dec