
Claudia Schulmerich
Frankfurt am Main (Weltexpresso) – Das Wandern zu Fuß kann man fast als Modeerscheinung werten, was natürlich falsch ist, denn es ist die erste Fortbewegung des Menschen und mit den eigenen Füssen haben die ersten Menschen die Welt Meter für Meter erobert. Und trotzdem ist etwas Richtiges dran, daß Bewegen von Füßen modern ist, nachdem das 20. Jahrhundert das des Autos und der Flugzeuge war.

Und das Gehen? Das gehört natürlich zum Wandern, bzw. das Wandern zum Gehen. Tatsächlich gibt es wie beim Laufen auch hier zwei Richtungen. Das Gehen als Sport und das Gehen auf den Straßen, wozu wir eher sagen: durch die Straßen. Auch hier gibt es Differenzierungen, beispielsweise das Flanieren, wobei man sofort an Paris und andere Großstädte denkt. Und New York? Nein, da kommt keiner auf die Idee, vom Flanieren zu reden. Das hat mit Architektur und lebendigem Stadtleben zu tun, mit Boulevards und Plätzen. Und endlich sind wir bei Matt Green, der ein Geher vor dem Herrn ist und die Fortbewegung per Fuß sich zum Lebensziel machte, aber immer auch die mediale Verwertung dabei im Sinn hat. So ist 2010 seine Wanderung – aha, da sagen wir automatisch Wandern, obwohl es Gehen war – quer durch die USA, von Ost nach West, in 152 Tagen dokumentiert.

Die ersten Jahr läuft er allein, aber dann klinkt sich sein Freund Jeremy Workman ein, der ist Filmemacher und hat die Kamera dabei, läuft immer hinter ihm oder auf der anderen Straßenseite und so kommt unendlich viel Material zusammen. Zunehmend verwickelt Green Passanten in Gespräche, die aufgenommen werden, er hält aber auch selber kleine Vorträge, an 100 Tagen ist Workman mit der schweren Kamera dabei und hat 500 Stunden Filmmaterial. Also wird der fertige Film davon abhängen, wie er geschnitten wird. Und das macht keine Freude.
Anfangs fand ich den Film interessant, denn das Gehen durch New York bringt auch Erinnerungen, außerdem ist der Film nach Themen gegliedert, was auch Schwerpunkte beim Zuschauen ergibt. Aber zunehmend ödete mich der Film an, denn da wurde geredet und geredet, aber um nichts Wichtiges. All das, was wir an Reflexionen erwarten, denn das Gehen sollte doch quasi somnambule Gedanken ans Licht befördern, doch all das unterbleibt. Stattdessen werden wir mit Häppchen abgefüttert, die rasend schnell alle möglichen Straßen zeigen, was nach und nach nicht nur langweilt, sondern auch ärgert, weil man doch mehr Tiefe erwartet hätte, also Qualität, statt der gebrachten Quantität an Laufschritten.
Fotos:
© Verleih
Info:
Die Filmemacher
Regie / Produktion / Kamera / Schnitt Jeremy Workman
mit Matt Green
ausführende Produktion Jesse Eisenberg
Allen Altman
Cathie Altman
Filmmusik Carly Comando
Tom Rosenthal
© Verleih
Info:
Die Filmemacher
Regie / Produktion / Kamera / Schnitt Jeremy Workman
mit Matt Green
ausführende Produktion Jesse Eisenberg
Allen Altman
Cathie Altman
Filmmusik Carly Comando
Tom Rosenthal