an einem shconenmorgenDer Film von Mia Hansen- Løve  seit dem 19. Mai als DVD 

Claudia Schulmerich

Frankfurt am Main (Weltexpresso) – Sandra (eine stark veränderte Léa Seydoux) ist Witwe und kümmert sich um die Tochter, die sie nun alleine groß ziehen muß. Linn (Camille Leban Martins) ist das Wichtigste, aber auch ihren Beruf – sie arbeitet als Dolmetscherin - nimmt sie ernst und dann ist da auch noch ihr Vater, dem die Altersprobleme zusetzen. Georg (Pascal Greggory) war Philosophieprofessor, dessen Gedächtnis dramatisch nachläßt, bei seinen Augen ist es noch schlimmer. Er sieht fast nichts mehr.


Und das Allerdramatischste ist, daß er seine schöne Wohnung mit den vielen Büchern verlassen muß. Weder wissen die beiden, wohin er kann, noch was mit der Einrichtung, der gewaltigen Bibliothek, den Fotoalben, all den Lebenserinnerungen. Mitnehmen kann er das nicht, zumal er noch keine Bleibe hat. Sandra macht sich die größten Sorgen, denn eine der schönen Altersheime in privater Hand sind sündhaft teuer und für die staatlichen Pflegeheime hat er sich nicht angemeldet und findet sie auch dürftig. Auch Sandra ist eigentlich eine Intellektuelle und glücklich, wenn sie mit ihrem Projekt vorankommt. Sie will die Briefe der Annemarie Schwarzenbach herausbringen, einer Symbolfrau, die vor Jahren als überraschende Entdeckung in aller Intellektuellen Munde war. Und als das Durcheinander in Sandras Leben und die Anforderungen an sie sich immer noch steigern, gerade da taucht auf einmal ein altes Gspusi auf. Es ist Clement (Melvil Poupaud) und wirft alles über den Haufen. Er ist zwar verheiratet, aber er tut Sandra gut.

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Der Film nimmt seinen Gang, aber man fragt sich, wohin er will, allzu deutlich wir deine Normalität widergespiegelt, die man aus anderen Filmen der französischen Regisseurin Mia Hansen- Løve kennt. Sie geht diesmal sehr biographisch vor. So waren ihre Eltern ein Übersetzer und eine Philosophielehrerin. Und sie selbst hatte deutsche Philosophie studiert, was für diesen Film nützlich ist, denn Sandra braucht die deutsche Sprache, wenn sie sich mit der Schweizerin beschäftigt.

Warum über allem eine leichte Nostalgie liegt? Sicher auch, weil die Regisseurin noch einmal eine bildungsbürgerliche Welt schildert, von der man ahnt, daß es nie wieder eine solche gibt. Die Unschuld, sich als Mitglied einer prosperierende Kolonialmacht gut gehen zu lassen, ist einfach vorbei. Aber das wußten wir schon.

Foto:
Umsschlagabbildung

Info:
An einem schönen Morgen
DVD
BRD/Frankreich, 2022
FSK ab 12 freigegeben
Erscheinungstermin: 19.5.2023
Genre: Drama
Spieldauer: 109 Min.
Regie: Mia Hansen-Love
Darsteller: Lea Seydoux, Melvil Poupaud, Pascal Greggory, Nicole Garcia
Originaltitel: Un beau matin (2022)
Sprache: Deutsch, Französisch
Tonformat: Dolby Digital 5.1
Bild: Widescreen
Untertitel: Deutsch
Specials: Wendecover