Die anlaufenden Filme in deutschen Kinos vom 27. März 2025, Teil 3
Markus Keuschnigg
Berlin (Weltexpresso) - DU BIST EINE DER ERFOLGREICHSTEN CHOREOGRAFINNEN UND PERFORMANCE-KÜNSTLERINNEN IM DEUTSCHSPRACHIGEN RAUM. WAS HAT DICH DARAN GEREIZT, ERSTMALS AN EINEM FILM MITZUWIRKEN UND DANN GLEICH DIE HAUPTROLLE ZU ÜBERNEHMEN?
Kurdwin hat mich direkt gefragt, ob ich bei ihrem nächsten Film mitmachen möchte. Für mich hat das ziemlich abstrakt geklungen. Natürlich galt es dann noch Details zu klären, aber es war jedenfalls etwas Anderes verglichen mit dem, was ich normalerweise mache. Was mich speziell daran interessiert hat war, dass ich nicht selber für alles ver- antwortlich bin. (lacht) Ich empfand es je- denfalls als tolle Herausforderung. Und für mich war auch klar, dass ich Kurdwin als Künstlerin und Freundin unterstützten möchte.
HATTEST DU EINFLUSS AUF DAS DREHBUCH UND FALLS JA, WIE VIEL VON DIR SELBST STECKT IN SARAH? DU WARST JA ZUM BEISPIEL AUCH KAMPFSPORTLERIN.
Ich habe Kampfsport gemacht, MMA auch, vor allem aber Kickboxen und Muay Thai. Ich hatte den Eindruck, dass ich das noch irgendwie verkaufen oder darstellen kann vor der Kamera. Auch in meiner Arbeit als Künstlerin habe ich mich immer wieder damit beschäftigt und mit professionellen Kämpferinnen gearbeitet. Eine Kampfsportlerin zu verkörpern, hat mich schon besonders interessiert, muss ich sagen. In der Vorbereitung auf die Rolle konnte ich auch endlich wieder ordentlich trainieren, was mir in den letzten Jahren ziemlich abgegangen ist.
WIE IST ES DIR GENERELL DAMIT GEGANGEN, ZUM ERSTEN MAL EINEN FILM ZU DREHEN? DIE ARBEITSWEISE AN EINEM SET IST DOCH SEHR VERSCHIEDEN ZUR ARBEIT AN UND AUF BÜHNEN.
Ehrlich gesagt, war das für mich das Einfachste auf dem Planeten. Die Zeit in Jordanien war für mich wie Urlaub und extrem entspannend. Das liegt an mehreren Dingen. Zum einen hatte ich das Gefühl, dass man als Schauspielerin sehr verhätschelt wird. Kurdwin hat ja mit einer professionellen Crew gearbeitet und da ist dann eine ganze Truppe damit beschäftigt, einem in der Früh einen Kaffee zu holen. (lacht) Das bin ich überhaupt nicht gewohnt. Zum anderen musste ich aufgrund von Kurdwins Arbeitsweise auch keine Texte auswendig lernen. Das Drehbuch wurde irgendwann umgeschrieben und diese Fassung habe ich dann gar nicht mehr gelesen, da Kurdwin wollte, dass es sich für mich so anfühlt, als würden mir die Sachen in Wirklichkeit passieren. Für mich war es ein Abenteuerurlaub und ich hatte das Gefühl, überhaupt keine Arbeit geleistet zu haben. Ich habe mich deshalb auch schlecht gefühlt.
DEINE KARRIERE VERLÄUFT SEHR ERFOLGREICH, DIE VON DEINER FIGUR SARAH ÜBERHAUPT NICHT. WELCHEN BEZUG HAST DU ZUM SCHEITERN?
Ich lege meine Arbeit grundsätzlich auch darauf aus, dass es ein großes Potenzial fürs Scheitern gibt. Für mich ist es immer noch so, dass ich nicht weiß, ob es eine gute Show war, wenn viele Leute den Saal verlassen oder wenn alle sitzenbleiben. In meiner Arbeit ist das Hauptanliegen jedenfalls nicht, dass Leute sich wohl fühlen oder dass sie sich danach auf die Schulter klopfen können. Wenn sich jemand provoziert fühlt, ist das auch ein Zeichen dafür, dass man auf etwas Relevantes gestoßen ist.
Ich hätte wohl auch nicht Ja zu diesem Film gesagt, hätte ich mir nicht gedacht, dass das mal wieder eine exzellente Gelegenheit ist, um zu scheitern. (lacht) Egal als wie erfolgreich man gerade gehandelt wird, ist man als Künstlerin ohnehin immer in einer prekären Situation. Insofern ist das Scheitern im Hinblick auf die eigene Erwartungshaltung oder dann auch die Arbeit selbst dauernd präsent. Was mir als Sportlerin am wenigsten getaugt hat, war, dass es so klar ist, wann man gewinnt und wann man verliert, wann man scheitert und wann nicht. In der Kunst kann es im Gegensatz so aussehen, als wäre es komplett in die Hose gegangen, aber genau das ist dann auch der Grund dafür, weshalb es urgeil ist. Ich kann mich in Sarahs Depression aber gut hineinversetzen. Sie hat ihr ganzes Leben dem Kampfsport gewidmet, scheitert dann darin und stürzt in eine Leere. Auch ich habe nie eine Ahnung, was die Zukunft bringt und was es wirklich wert ist, gemacht zu werden.
Abdruck aus dem Presseheft
Foto:
© Ulrich Seidl Filmproduktion
Info:
Spielfilm, Österreich, 2024 deutsch/arabisch/englisch mit deutschen Untertiteln Kinostart: 27. März 2025 FSK: 16 2/10
Besetzung;
Florentina Holzinger
Andria Tayeh
Celina Antwan
Nagham Abu Baker
Stab
Buch & Regie: Kurdwin Ayub