Im Rahmen von FINNLAND. COOL. die Filmreihe Aki Kaurismäki von Donnerstag, 2. Oktober, bis Dienstag, 28. Oktober

Romana Reich

Frankfurt am Main (Weltexpresso) – Wie bekannt, lautet das Motto des diesjährigen Ehrengastlandes der Frankfurter Buchmesse: FINNLAND.COOL. Im Kino des Deutschen Filmmuseums gibt es dazu zwei Filmreihen. Zum einen wird die Retrospektive Aki Kaurismäki weitergeführt und beschließt am Mittwoch, 8. Oktober, mit Aki Kaurismäki persönlich, der zu zwei Filmvorführungen zu Gast sein wird.

 

Außerdem hatte das Kino dem – inzwischen verstorbenen – Peter von Bagh eine Carte Blanche gegeben, die er unter anderem dazu nutzte, wichtige finnische Literaturverfilmungen vorzustellen. Das Kino zeigt die Filme der Carte Blanche nun in memoriam Peter von Bagh, dessen Tod dem letzten Artikel galt.

Der erste Teil des Films SODANKYLÄ IKUISESTI: ELOKUVAN VUOSISTA (Sodankylä Forever: The Century of Cinema, Finnland 2010) läuft um 18 Uhr im Kino. Vor dem Film stellen Kaurismäki und Malmi auch von Baghs Buch über das Festival vor, das zur Buchmesse erscheint: Sodankylä Forever – Masters of Cinema Under the Midnight Sun, Rosebud 2014, 430 Seiten, ISBN 978-952-5675-97-9. Bevor im Kino Kaurismäkis Film LE HAVRE (FI/FR/DE 2011) gezeigt wird, sprechen Timo Malmi und Aki Kaurismäki um 20:15 Uhr über das Filmschaffen des Regisseurs sowie über Peter von Baghs Buch Kaurismäki über Kaurismäki, Alexander Verlag Berlin 2014, 288 Seiten, ISBN 978-3-89581-342-9, das jetzt erstmals auf Deutsch erscheint.

Peter von Bagh hatte seit 2001 als künstlerischer Direktor das Festival Il Cinema Ritrovato in Bologna geleitet, das bedeutendste Festival für den historischen Film weltweit. Er war einer der profundesten Kenner der internationalen Filmgeschichte, Autor von mehr als 30 Büchern, Träger des finnischen Buchpreises (2007) und Regisseur von mehr als 50 meist dokumentarischen Essays, in denen er in Form von Kompilationen und Collagen ein vielschichtiges Bild Finnlands und seiner Kulturgeschichte schuf. Seine Filme spiegeln sein kunsthistorisches Wissen sowie seine Liebe zur Filmgeschichte und zur Musik wider.


DAS PROGRAMM

Donnerstag, 2. Oktober, 18 Uhr; Freitag, 3. Oktober, 20:30 Uhr
MIES VAILLA MENNEISYYTTÄ Der Mann ohne Vergangenheit

Finnland/Deutschland/Frankreich 2002. R: Aki Kaurismäki
D: Markku Peltola, Kati Ouitinen. 97 Min. DCP. OmU


Ein Mann kommt auf der Suche nach Arbeit nach Helsinki, wo er am Bahnhof überfallen und ausgeraubt wird. Er überlebt den Angriff, kann sich jedoch an nichts mehr erinnern. Er lässt sich in der Containersiedlung Vyborg nieder und beginnt ein neues Leben – dabei muss er auch grundlegende ethische Werte neu erlernen.

Sonntag, 5. Oktober, 18 Uhr; Dienstag, 7. Oktober, 20:30 Uhr
LAITAKAUPUNGIN VALOT Lichter der Vorstadt

Finnland/Deutschland/Frankreich 2006. R: Aki Kaurismäki
D: Janne Hyytiäinen, Maria Järvenhelmi. 80 Min. DCP. OmU


Koistinen, ein einsamer Wachmann in einer modernen Shopping Mall, lernt in einer Bar Mirja kennen. Sie ist von einer Verbrecherbande auf ihn angesetzt worden, um ihm Informationen zu einem Juwelierladen zu entlocken. Obwohl er mitbekommt, wie ihm der Schlüssel geklaut und der Laden ausgeräumt wird, verrät er sie nicht, sondern geht für sie in Gefängnis. Nach seiner Entlassung will er sich an den Dieben rächen.



Mittwoch, 8. Oktober, 18 Uhr
SODANKYLÄ IKUISESTI: ELOKUVAN VUOSISTA Sodankylä Forever: The
Century of Cinema

Finnland 2010. R: Peter von Bagh.
D: Francis Ford Coppola, Samuel Fuller, Milos Forman, Jacques Demy. 90
Min. DCP. OmeU


Das legendäre Midnight Sun Filmfestival findet jeden Juni im kleinen finnischen Sodankylä oberhalb des nordischen Polarkreises statt. Gegründet 1985 von Peter von Bagh, den Kaurismäki-Brüdern Aki und Mika sowie Anssi Mänttäri, begrüßte das Festival bereits viele hochkarätige Filmregisseure. Jeder Tag beginnt mit einer Diskussion zu einem bestimmten Thema – zum 25. Jubiläum schnitt Peter von Bagh einen vierteiligen Dokumentarfilm aus den Highlights der Gespräche zusammen, von denen das Kino des Deutschen Filmmuseums nun den ersten Teil präsentiert. Zur Buchmesse erscheint außerdem die englischsprachige Version des Buches zum Festival.
Zu Gast: Aki Kaurismäki, Timo Malmi



Mittwoch, 8. Oktober, 20:15 Uhr
LE HAVRE

Finnland/Frankreich/Deutschland 2011. R: Aki Kaurismäki
D: André Wilms, Kati Outinen, Jean-Pierre Darroussin. 93 Min. DCP. OmU
Der ehemalige Autor Marcel Marx hat sich in die Hafenstadt Le Havre zurückgezogen und arbeitet als Schuhputzer. Dank seines unerschütterlichen Optimismus und der glücklichen Ehe mit seiner Frau Arletty führt er ein zufriedenes Dasein. Alles ändert sich, als seine Frau schwer erkrankt und Marcel dem afrikanischen Flüchtlingsjungen Idrissa begegnet, der von der Polizei gesucht wird. Er nimmt den Jungen auf und ermöglicht ihm trotz vieler Widrigkeiten die Weiterfahrt nach England. Der Film verbindet Gesellschaftskritik mit einem lebensbejahenden Gestus und wird von vielen Kritikern als einer der besten Filme Kaurismäkis bezeichnet.

Zu Gast: Aki Kaurismäki, Timo Malmi



Donnerstag, 9. Oktober, 18 Uhr
HELSINKI, IKUISESTI Helsinki Forever

Finnland 2008. R: Peter von Bagh
74 Min. 35mm. OmeU


HELSINKI, IKUISESTI zeichnet ein visionäres Bild der finnischen Hauptstadt – kompiliert aus vielerlei Material, von Wochenschauen über Ausschnitten aus Spielfilmen bis hin zu Liedern und Kunstwerken. Der Film folgt keiner strengen chronologischen Ordnung, sondern einer sehr persönlichen emotionalen Logik. Chris Marker zählt HELSINKI FOREVER zu den großen Stadtsymphonien der Filmgeschichte.

Freitag, 10. Oktober, 20:30 Uhr
MITTSOMMERNACHTSTANGO

Deutschland/Argentinien/Finnland 2012. R: Viviane Blumenschein
82 Min. Musik-Dokumentarfilm. DCP


Finnland, Land der Saunen, Seen und schweigsamen Menschen – laut Aki Kaurismäki aber auch Heimat des Tangos. Viviane Blumenschein begleitet drei argentinische Tango-Musiker auf ihrem Trip durch Finnland, auf der Suche nach den wahren Ursprüngen des Tangos.



Sonntag, 12. Oktober, 17:30 Uhr
JUHA

Finnland 1937. R: Nyrki Tapiovaara
D: Hannes Närhi, Irma Seikkula, Walle Saikko. 101 Min. 35mm. OmeU


Der Roman Juha (1911) stammt aus der Feder Juhani Ahos und wurde insgesamt viermal verfilmt. Die zweite Verfilmung stammt von Nyrki Tapiovaara, einem vielversprechenden Talent, der jedoch als Soldat im Zweiten Weltkrieg fiel. In seinem Filmdebüt entwickelt sich die klassische Dreiecksgeschichte zur Tragödie: Die junge verheiratete Bäuerin Marja lässt sich von einem wortgewandeten reisenden Händler verführen.

Dienstag, 14. Oktober, 20:30 Uhr
IHMISET SUVIYÖSSÄ People in the Summer Night

Finnland 1948. R: Valentin Vaala
D: Eila Pehkonen, Marti Katajisto, Emma Väänänen. 66 Min. 35mm. OmeU


Die Adaption der gleichnamigen Novelle des finnischen Nobelpreisträgers F.E. Sillanpää (1934) erzählt von den Erlebnissen einer Gruppe von Menschen während einer Sommernacht. „In dem Film vollzieht sich eine gewisse ‚Dedramatisierung‘, gleichsam ein erstes Anzeichen für den Schatten des Zweifels, der über dem agrarischen Finnland aufzieht. Sillanpääs Welt und sein pantheistischer Kosmos werden kongenial interpretiert in dem Film, der an die zwanzig Hauptpersonen hat. Das Gruppenbild ist ebenso vielschichtig wie in Robert Altmans entsprechenden Musikfilmen.“ (Peter von Bagh)



Donnerstag, 16. Oktober, 18 Uhr
MUISTEJA – PIENI ELOKUVA 1950 LUVUN OULUSTA

Remembrance – A Small Movie About Oulu in the 1950s
Finnland 2014. R: Peter von Bagh. 69 Min. DCP. OmeU


Peter von Bagh nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise in seine Heimatstadt Oulu in den 1950er Jahren, wo er als Sohn eines Nervenarztes aufwuchs. Kaleidoskopartig entwirft er das Bild einer arktischen Stadt und ihres Geistes, erweckt die Ära seiner Jugend und zeigt die turbulenten Veränderungen, die die Stadt im Laufe des 20. Jahrhunderts erlebt hat. Der Film ist persönlich und universell zugleich.



Freitag, 17. Oktober, 20:30 Uhr
JUHA

Finnland/Deutschland/Frankreich 1999. R: Aki Kaurismäki
D: Sakari Kuosmanen, Kati Outinen, André Wilms. 78 Min. DCP. o.D.


Kaurismäkis JUHA ist die vierte Adaption des gleichnamigen Klassikers von Juhani Aho aus dem Jahr 1911, den er als klassischen Stummfilm ganz in Schwarzweiß inszeniert. Im Gegensatz zu den anderen Verfilmungen siedelt Kaurismäkis Adaption die Geschichte der tragischen Liebesgeschichte von Juha und Marjain einer unbestimmten, traumähnlichen Gegenwart in der ländlichen Idylle Finnlands an. Als Shemeikka in seinem Sportwagen auftaucht, lässt Marja sich von seinen Schmeicheleien einwickeln, folgt ihm und findet sich schließlich in einem Bordell wieder. Der verlassene Juha plant derweil ein blutiges Ende.



Sonntag, 19. Oktober, 18 Uhr
SININEN VIIKKO Blue Week

Finnland 1954. R: Matti Kassila
D: Gunvor Sandkvist, Matti Travisto, Toivo Mäkelä. 79 Min. 35mm. OmeU


Vor dem Hintergrund einer nordischen Meereslandschaft, einem zentralen Mythos im skandinavischen Film der 1950er Jahre, entspinnt sich die Geschichte einer älteren verheirateten Frau und ihrem jugendlichen Liebhaber. Der Film entstand nach einer Kurzgeschichte von Jarl Hemmer (1928). „Konfrontiert werden die Möglichkeiten der Sinnesfreude und ein christlich geprägtes Schuldgefühl. Die Landschaft, die Kassila und sein Kameramann Osmo Harkinmo zeigen, bildet eine Parallele zur Gemütsverfassung. Die zentralen Bilder – Meer Felsen, Seerosen auf einem Teich – implizieren den Wechsel von Glück und Tod.“ (Peter von Bagh)



Dienstag, 21. Oktober, 20 Uhr
TUNTEMATON SOTILAS The Unknown Soldier

Finnland 1956. R: Edvin Laine
D: Kosti Klemelä, Heikki Savolainen, Reino Tolvanen. 180 Min. 35mm. OmeU
TUNTEMATON SOTILAS gilt in Finnland als einer der bedeutendsten Filme. „Das Werk ist ein ,instant classic’ des finnischen Films, eine realistische Schlachtenmalerei und ein Gruppenbild Finnlands und der finnischen Männer im Fortsetzungskrieg (1941-44) und zugleich eine Studie über die finnische Art, dem Tod zu begegnen. (…) Der Spannungsbogen des Werkes ist beeindruckend, er reicht von den ruhigen Momenten des Stellungskrieges bis zu den vernichtenden Kämpfen, in denen die Menschen und die Natur blinder Zerstörung anheimfallen. Die fast idyllische Stimmung schlägt um, Neurosen, Ängste und Psychosen werden sichtbar.“ (Peter von Bagh)



Donnerstag, 23. Oktober, 18 Uhr
EVAKKO

Finnland 1956. R: Ville Salminen
D: Santeri Karilo, Linda Lampinen, Aino-Maija Tikkanen. 98 Min. 35mm. OmeU


In Anlehnung an den gleichnamigen Roman von Unto Seppänen (1954) erzählt der Film vom Schicksal eines Dorfes in Karelien, das durch den Ausbruch des Krieges 1939 erschüttert wird: Die Bewohner werden vertrieben. „Der Film behandelt gerade diesen Stoff, die erzwungene Abwanderung der Menschen aus Karelien. Es ist ein intimes Werk, das große Ereignisse im Kleinen zeigt. Ein Boot und große Schneeflocken, eine Katze im Schnee: Von dieser Art sind die Schlüsselbilder des Filmes. Mit bildlichen Mitteln wird eine alptraumhafte Stimmung evoziert – eine Traurigkeit, von der immer gesagt wird, sie sei so tief wie die Nacht.“ (Peter von Bagh)

Freitag, 24. Oktober, 20:15 Uhr
JÄNIKSEN VUOSI The Year of the Hare

Finnland 1977. R: Risto Jarva
D: Antti Litja, Kauko Helovirta, Markku Huhtamo. 128 Min. 35mm. OmeU


JÄNIKSEN VUOSI basiert auf dem Roman von Arto Paasilinna und ist der bekannteste Film Risto Jarvas, der als der renommierteste und
experimentierfreudigste Vertreter der finnischen “Neuen Welle” gilt. Voller Witz und Ironie nimmt er sich eines globalen Themas seiner Zeit an: Ein erfolgreicher Werbefachmann zieht einfach eines Tages in den Wald, wo er sich eines verwundeten Hasens annimmt. „Das ökologische Thema, das Jarva seit jeher am Herzen lag, durchzieht den Film wie eine ungefesselte Naturgewalt, die Variante der Aussteigergeschichte ist ergreifend und originell, denn der zweite Held des Filmes… ist ein kleiner Hase.“ (Peter von Bagh)



Dienstag, 28. Oktober, 20:30 Uhr
VALKOISET RUUSUT White Roses

Finnland 1943. R: Hannun Leminen
D: Helena Kara, Tauno Palo, Aku Korhonen. 105 Min. 35mm. OmeU


VALKOISET RUUSUT ist eine von fünf Verfilmungen der bekannten Novelle „Brief einer Unbekannten“ (1922) von Stefan Zweig und entstand bereits vier Jahre vor der Max-Ophüls-Verfilmung LETTER FROM AN UNKNOWN WOMAN (1948). „Leminens Film ist eine der verborgenen zersplitterten Familiengeschichten der Kriegszeit oder auch die Geschichte einer Familie, die nie entstand. Zugleich ist es eine Erzählung über Liebe und Lieblosigkeit, über ein ewiges Gefühl und Gefühlsschwankungen, über das Leben und die Kunst – also ein stilreines Melodram.“ (Peter von Bagh)

 

Foto: Aki Kaurismäke

www.deutsches-filminstitut.de | www.deutsches-filmmuseum.de
www.filmportal.de | www.europeanfilmgateway.eu

SONDERAUSSTELLUNGEN:

Bewusste Halluzinationen
Der filmische Surrealismus
25. Juni bis 2. November 2014

FILMTHEATER
Kinofotografien von Yves Marchand und Romain Meffre
26. November 2014 bis 31. Mai 2015