Serie: Die anlaufenden Filme in deutschen Kinos vom 26. November 2015, Teil 8

 

Margarete Frühling

 

München (Weltexpresso) - Die Antarktis ist nicht nur eine eisige, unbewohnte und wunderschöne Schneelandschaft. Sie bietet auch eine außergewöhnliche Möglichkeit, das Klima der Erde über viele tausend Jahre verfolgen zu können.

 

Der Glaziologe Claude Lorius fährt 1955 als 23jähriger Student zum ersten Mal in die Antarktis, um dort auf der französischen Station Charcot zu forschen. Danach wird er dieses Gebiet noch viele Male besuchen. Bei einer dieser Expeditionen findet er mit Hilfe des damals neu entdeckten Massenspektrometers heraus, dass die im Eis eingeschlossenen Gasbläschen aus Luft bestehen. Er ist damit in der Lage, den fossilen CO2-Gehalt der Luft zu messen und Daten zu Klimaveränderungen vergangener Jahre zu sammeln und auszuwerten. Zum Ende seiner Forschungen konnte er durch Bohrungen Eisproben analysieren, die bis zu 800 000 Jahre alt sind. Diese langen Messreihen bestätigten, dass das Weltklima auch ohne menschlichen Einfluss in einem etwa 100 000 Jahre währenden Zyklus schwankt.

 

Claude Lorius war damit nicht nur in der Lage, Aussagen zur natürlichen Veränderung des Klimas zu machen, er konnte auch die vom Menschen in Gang gebrachte globale Erwärmung nachweisen und Aussagen zu deren generellem Einfluss auf die Umwelt ableiten.

 

 

"Zwischen Himmel und Eis" wurde 2015 als Abschlussfilm beim Festival in Cannes gezeigt. Mit dieser Dokumentation setzt der französische Regisseur Luc Jacquet, der für seinen Film "Die Reise der Pinguine" 2006 mit dem Oscar als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet wurde, dem 83jährigen Claude Lorius ein filmisches Denkmal. Lorius war von 1983 bis 1988 Direktor des Laboratoire de glaciologie et geophysique de l'environnement in Grenoble und ist gegenwärtig emeritierter Forschungsdirektor des Centre national de la recherche scientifique.

 

Das Besondere des Filmes ist, dass es dem Regisseur gelungen ist, viele historische Filmdokumente von etlichen Antarktis-Expeditionen aufzutreiben und zu verwerten. Vorwiegend ist es Filmmaterial, das Lorius und seine Mitarbeiter auf den Expeditionen aufgenommen haben; es wurde aber ergänzt durch amerikanisches und sowjetisches Archivmaterial, das auch deutlich macht, dass Claude Lorius trotz des Kalten Krieges immer die Gelegenheit zu blockübergreifender Zusammenarbeit nutzte. Dieses Material macht auch den Hauptteil des Filmes aus. Deshalb ist "Zwischen Himmel und Eis" ein einzigartiges Dokument.

 

Die Nachteile des Filmes sind die doch etwas schwülstige Filmmusik und auch die leicht pathetische Art, mit der Max Moor den deutschen Text spricht. Auch werden nicht naturwissenschaftlich Interessierte die Inhalte nur teilweise verstehen.

 

Fazit: "Zwischen Himmel und Eis" ist ein spannender Dokumentarfilm, der mit kleinen Abstrichen sehr empfehlenswert ist.

 

Info:

Zwischen Himmel und Eis (Frankreich 2015)

Originaltitel: La glace et le ciel

Genre: Dokumentation

Filmlänge: 89 Minuten

Regie und Drehbuch: Luc Jacquet

Sprecher der deutschen Fassung: Max Moor

Verleih: Weltkino Filmverleih GmbH

FSK: ab 0 Jahren

Kinostart: 26.11.2015

 

Bild: Claude Lorius und Regisseur Luc Jacquet © 2015 Weltkino Filmverleih GmbH