Die anlaufenden Filme in deutschen Kinos vom 23. März, Teil 3

Kirsten Liese

Berlin (Weltexpresso) - Hans (Justus von Dohnányi) kommt nicht zu Wort. Was ihm auf der Seele brennt, will niemand erfahren. Andere Neuigkeiten halten seine Familie gerade auf Trab. Die pubertierende Tochter hat jetzt einen Freund. Yvonne, seine Frau (Juliane Köhler), muss das erst einmal verdauen.

Unverhofft steht auch noch ein herrenloser Mischling vor der Terrassentür und erweicht das Herz der Hausherrin, die in ihrer neuen Frauchenrolle aufblüht und sich fortan für nichts Anderes mehr interessiert. Also behält der Familienvater die belastende Nachricht, dass er gerade arbeitslos geworden ist, für sich und tröstet sich, indem er von der Abfindung ein Cabriolet kauft. Nur zu dumm, dass es schon auf der ersten Spritztour zu einem tragischen, tödlichen Unfall kommt, ausgerechnet der Hund, der Yvonne gerade beim Gassigehen entwischt war, läuft ihm vor das Auto. Aber auch das wird der Pechvogel besser verschweigen.


Regisseur Sebastian Stern hat eine Schwäche für Männer, die man trotz ihres kurzsichtigen, falschen Handelns so gut verstehen kann, dass man mit ihnen fühlt. Schon in seinem Erstling „Die Hummel“ porträtierte er einen glücklosen Kosmetikvertreter.


Inzwischen kommt das deutsche Kino, das lange Zeit vorrangig starke, mutige Frauen feierte, zunehmend selbstbewusster wieder auf den Mann. Statt testosterongesteuerter, emotional unterbelichteter Einfaltspinsel, wie man sie aus zahlreichen Blödelkomödien kennt, treten nun verstärkt ambivalentere Figuren, meist um die 40 oder 50,  im Spannungsfeld von neuen Rollenbildern und persönlichen Krisen in Erscheinung. Devid Striesow als konfliktscheuer Vater in dem Thriller „Nichts ist passiert“ ist so ein Kandidat oder auch Josef Hader als arbeitslos gewordener, rachedurstiger Musikredakteur  in der Komödie „Die wilde Maus“. Und eben auch Hans, der kriselnde Antiheld in Sterns  jüngstem Film.


In der Papierfabrik nimmt ein Finne seinen Platz ein, zu Hause befeuern der Hund und der Freund der Tochter sein unbehagliches Gefühl, ersetzbar zu sein, aber es kommt noch schlimmer. Der Österreicher Georg Friedrich, ein begnadeter Darsteller gebeutelter Männer und jüngst auf der Berlinale mit einem Silbernen Bären für eine solche Rolle prämiert, spielt auch noch mit. Diesmal als ein zwielichtiger Spiritueller, der Hans aus der Patsche helfen soll, sein Versprechen aber nicht hält.  


Wird nun Hans restlos die Kontrolle über alles entgleiten? Eine Zeit lang sieht es so aus,  aber Stern spitzt seine Geschichte mit bitterer Komik noch fieser zu und verblüfft bis zur letzten Minute mit unabsehbaren Wendungen.