hz handeStart des künstlerischen Stadtprojekts ‚All Our Futures‘ am Schauspiel Frankfurt, Teil 1/2

Heinz Markert

Frankfurt am Main (Weltexpresso) - Mit dem in der Panorama-Bar des Schauspiels Frankfurt vorgestellten Projekt, an dem künftig annähernd 200 überwiegend junge Leute teilnehmen werden, hat es etwas mit der Dreiheit auf sich. Das deutet auf einen kommenden Prozess, der sich stetig entwickelt und nach und nach ‚Stein auf Stein‘ setzt.

Die Sache mit der Dreiheit ist tief in die Geschichte der Kultur eingeschrieben. In der Welt der Sachen kann sie als Methode fortbestehen. Sie kann alchimische Prozesse zünden; an einem Prozess Beteiligte ansprechen, damit diese zusammenkommen, um sich im Miteinander über vielerlei Fragen auseinanderzusetzen und zu versuchen, sich im großen Zusammenhang gemeinsam zu orientieren, sich zu verändern und zu einer neuen Gemeinsamkeit zu gelangen - zu einem gemeinsamen Werk und Ausgang dieses Werks. Das Projekt ist offen angelegt, ist zeitlich nicht limitiert. Er könnte über die drei projektierten Jahre hinaus weiterwirken. Es kommt auf die Akteure an, inwieweit ihr Tun und Lassen in die Zukunft trägt. Möglicherweise kommt es zu einem nicht abschließbaren Prozess.


Ein mehrjähriger Prozess (September 2017 bis Juni 2020)

200 junge Menschen kommen in drei Gruppen über drei Jahre zu gesetzten Terminen zusammen, gruppieren sich um drei örtliche Bezüge und veranstalten ‚Try-outs‘ (Ausprobier- und Zwischentreffen), drei an der Zahl. Das Projekt kreist um zentrale Fragen der Identität, der Bezüge des Ortes, in dem gelebt wird und es lässt unter anderem fragen: ‚Wer bestimmt – eigentlich -, was Du tust?‘ und ‚Wie wollen wir künftig zusammenleben?‘ Jede Gruppe bringt das, was sie betrifft und sie herausgefunden hat, in die gemeinsamen Treffen ein.

Die drei Gruppen entstammen drei ‚Schauplätzen‘: Frankfurt West, Frankfurt Nord und Frankfurt Ost. Es handelt sich um ein Stadtprojekt für Kulturelle Bildung. Diese ist an Schulen überwiegend unterrepräsentiert. Ausgangsorte und Ausganglagen sind die Schulen in drei Schauplätzen, in drei Räumen einer Stadt, die gewöhnlich Stadtteile genannt werden. Zugleich ist auf ein sozial und kulturell angelegtes Partnerschaftsprojekt abgestellt, in dem die jungen Leute, die im Rahmen von Wahlpflichtunterricht teilnehmen, angeleitet werden, eine aktive Rolle zu übernehmen. Die künstlerisch geformten Bühnenergebnisse gehen schließlich auch in den Spielplan des Schauspiels ein.

Begleitet und in Methoden und Techniken eingeführt werden sie von den Kontaktlehrerinnen und -lehrern sowie von Künstlerinnen und Künstlern aus drei Kunstsparten (Theater und Performance, Tanz und Choreographie, Bildende Kunst und Musik). Damit verbunden ist die Vermittlung von Wissen und Können in den Möglichkeiten des Tanzes, des Theaters, der Bildenden Kunst und der Musik.


Gegenseitiges Besuchen, sich Austauschen und gemeinsames Erschaffen

An jedem Jahresschluss sowie auch am Schlussende der drei Jahre wird Jessica Glause, Projektmitarbeiterin für Künstlerische Leitung/Abschlussinszenierung, bekannt geworden durch „Noah“ (2015/16), einem Musiktheaterprojekt an der Bayerischen Staatsoper, die Schlussinszenierung zum vorangegangenen Zeitraum mit den Stadtteilgruppen erschaffen. Schlussprojekte dienen der Aufarbeitung und Selbstverständigung nach der Etappe, unter den Bedingungen der ‚Selbstwirksamkeit‘ der Beteiligten (ein Begriff, auf den nachdrücklich Wert gelegt wird).

Der Projektleitung gehören auch Martina Droste (Künstlerische Gesamtleitung), Alexander Leiffheidt (Dramaturgie) und Katharina Berger (Produktionsleitung) an.

Mit den Schulen und den für das Projekt benannten Lehrkräften wurde ein dichtes Netz von Kooperationen eingegangen. Die einzelnen Schulen sollen nicht unerwähnt bleiben:

Schauplatz 1: Frankfurt West - Unterliederbach, Höchst

Ludwig-Erhard-Schule (Berufliche Schule; Unterliederbach), Walter-Kolb-Schule (Haupt- und Realschule, Unterliederbach), Hostatoschule (Hauptschule, Höchst)


Schauplatz 2: Frankfurt Nord - Eschersheim, Niederursel, Kalbach-Riedberg

Johann-Hinrich-Wichern-Schule (Förderschule, Eschersheim), Ernst-Reuter-Schule II (Realschule, Niederursel), Gymnasium Riedberg (Kalbach, Riedberg)


Schauplatz 3: Frankfurt Ost – Bornheim, Bergen-Enkheim

Louise-von-Rothschild-Schule (Realschule, Bornheim), Schule am Ried (Kooperative Gesamtschule, Bergen-Enkheim), beteiligt auch: der Deutsche Kinderschutzbund Frankfurt (Bornheim).

FORTSETZUNG FOLGT

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