c goethe kleistEine literarische Staatsaffäre. Vortrag Jens Bisky im Goethehaus Frankfurt am 28. November

Felicitas Schubert

Frankfurt am Main (Weltexpresso) - Der Weintrinker Goethe mit seiner Aversion gegen Raucher und der rauchende Biertrinker Heinrich von Kleist haben einander nie getroffen. Dass Hass und Kampf zwischen beiden geherrscht habe, berichten Literaturgeschichten.

Goethes Unverständnis für den jungen Dichter soll verantwortlich dafür gewesen sein, dass ‚Der zerbrochene Krug‘ 1808 in Weimar durchfiel. Kleist wiederum soll die Absicht gehabt haben, Goethe zum Duell zu fordern. Mit diesen Legenden hat es nicht viel auf sich. Sie blieben populär, weil im 20. Jahrhundert Dichter mit dem Losungswort „Kleist“ gegen Kollegen rebellierten, die sich unter dem Namen Goethes versammelten. In der späten DDR wurde der Kampf zwischen Kleist und Goethe noch einmal und besonders erbittert geführt, vor allem zwischen Peter Hacks und Heiner Müller. Die literaturhistorischen Legenden wurden auf ungeahnte Weise produktiv. Für einen Augenblick schien es, als seien Klassiker und Romantiker unsere Zeitgenossen.

Jens Bisky ist Redakteur im Feuilleton der „Süddeutschen Zeitung“. 2007 erschien seine Kleistbiographie. Kürzlich erhielt er von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung den Johann-Heinrich-Merck-Preis. Die Jury würdigte Bisky als einen der maßgeblichen Intellektuellen Deutschlands.


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28. November, 19 Uhr