a Jens Harzer2 12 bb 1500x1000Der verstorbene Schauspieler Bruno Ganz hatte den Iffland-Ring an Jens Harzer weitergeben.

Helmut Marrat

Hamburg (Weltexpresso) - Ende 2014 gab Bruno Ganz bekannt, dass er zunächst Gert Voss benannt habe. Voss starb jedoch schon im Juli 2014. Es wurde gerätselt, wer nunmehr bedacht sein würde. Es fielen Namen von Nikolaus Obonya, bis Lars Eidinger. Jens Harzer, merkwürdigerweise nicht. Dabei erscheint die Erbschaft nur logisch.

Denn ähnlich wie Ganz ist Harzer ein Schauspieler, der seine Rollen extrem sprachlich gestaltet. Was im letzteren Fall durchaus gewöhnungsbedürftig ist.

Es ist ein beinah peinlicher Umstand, aber ich muss zugeben, Jens Harzer zuletzt in München im Theater gesehen zu haben, peinlich deswegen, weil er seit vielen Jahren schon hier in Hamburg zum Thalia-Ensemble gehört. Damals sah ich ihn an den Kammerspielen, als Roberto Zucco von Koltéz, in der Regie von Christian Stückl. Und er gefiel mir nicht, blieb mir fremd. Die gedehnten Sätze, der manirierte Sing-Sang erzählten mir nicht ausreichend, was ich für erforderlich empfand.

Das Stück handelt von dem Mörder Zucco, der seine Eltern tötete. 
Koltés Stücke sind rauh und künstlich, und Harzers Spielweise katapultierte das Künstliche ins zu Hohe. Und machte es mir nicht möglich, die Rolle zu begreifen.

Nicht unterschlagen sollte aber werden, dass ich mich noch immer an die Aufführung erinnere. Dass aber auch sie mich lange gehindert hat, Harzer wieder sehen zu wollen.

Das werde ich nachholen. Jetzt.


Über den Iffland-Ring

Den Iffland-Ring trägt der bedeutendste und würdigste männliche deutschsprachige Bühnenkünstler, auf Lebenszeit. Es ist ein diamantbesetzter Eisenring und seit den fünfziger Jahren zweckgebundenes Eigentum Der Republik Österreich.

Der Schauspieler August Wilhelm Iffland (1759-1814) spielte in der Uraufführung von Schillers Räubern in Mannheim den Franz Moor.

Bedeutende andere Träger des Iffland-Ringes waren u.a. Albert Bassermann (von 1911-1952), Werner Krauss (1954-1959) und Joseph Meinrad (1959-1996).

Bassermann hatte den Ring zunächst an Alexander Girardi weitergeben wollen; aber Girardi starb früh. Danach wählte Bassermann Max Pallenberg aus, der ebenfalls viel zu früh starb. Schließlich bestimmte er Alexander Moissi, den Bassermann ebenfalls deutlich überlebte. Der Ring schien also ein Todesbote zu sein. Daher übergab Bassermann den Ring 1935 an die Österreichische Nationalbibliothek. Werner Krauss wurde der Ring nicht von Bassermann weitervererbt, sondern der Kartellverband deutschsprachiger Bühnenangehöriger entschied, dass Werner Krauss der würdigste Nachfolger für Bassermann sei.

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