Impression 02 Hauptportal des Karlsruher Schlosses DetersDie Highlights im Badischen Landesmuseum 2025

Redaktion

Karlsruhe (Weltexpresso) - Ein römischer Weinkeller, eine urige Mittelalter-Stube oder ein Kolonialwarenladen mit Zuckerhüten und Gewürzdosen – das Badische Landesmuseum stellt seine Objekte nicht nur aus, es präsentiert sie in lebendigen Inszenierungen auf vier Stockwerken und ganzen 9.000 Quadratmetern im Karlsruher Schloss. 2025 stehen diese Sammlungsausstellungen im Mittelpunkt: Denn bis zum 28. September ist das Schloss Karlsruhe noch geöffnet, bevor die Restauratorinnen und Restauratoren die Objekte allesamt verpacken und die Szenographien und Ausstellungsarchitekturen abgebaut werden. Erst dann kann die lang ersehnte umfassende Generalsanierung beginnen, während der das Schloss für mehrere Jahre nicht zugänglich sein wird.

„Es ist ein wichtiger Schritt in die Zukunft! Die dringend notwendige Sanierung des Karlsruher Schlosses durch das Amt Karlsruhe, Vermögen und Bau Baden-Württemberg ermöglicht nicht nur den Erhalt dieses einzigartigen Gebäudes, sondern schafft auch die Grundlage für ein modernes Museumserlebnis,“ so Eckart Köhne, Direktor des Badischen Landesmuseums. „Natürlich bleiben wir präsent – an unseren anderen Standorten wie dem Museum beim Markt in Karlsruhe, in der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden und über unsere digitalen Angebote. Doch mein Appell an Sie lautet in diesem Jahr vor allem: Nutzen Sie die Gelegenheit, unsere Sammlungsausstellungen im Rahmen von vielfältigen Veranstaltungen im Museumssommer noch einmal live zu erleben!“

Unter dem Motto „Noch einmal Baden in Kultur“ bietet das Badische Landesmuseum im „Museumssommer“ ein abwechslungsreiches Programm. Im August und September wird das Schloss zur Kulisse für besondere Veranstaltungen: Von Tänzen im Gartensaal über historische Spieleabende bis hin zu offenen Werkstätten und thematischen Führungen. Fest im Kalender stehen schon die kostenfreien „Happy Fridays“, bei denen die Kuratorinnen und Kuratoren durch ihre Fachbereiche führen und exklusive Einblicke geben. So kann man etwa in der Ausstellung zum Alten Ägypten „Abschied von der Mumie“ nehmen. Interaktive Formate und außergewöhnliche Events ziehen sich über den ganzen Sommer und münden in ein unvergessliches Abschlusswochenende am 27. und 28. September, bevor das Schloss für die Generalsanierung schließt: Bei einer großen Versteigerung können Deko-Elemente und Bauteile aus den Ausstellungen erworben werden – ein Stück vom Schloss für Daheim.

Doch nicht nur das Sommerprogramm ist außergewöhnlich. Mit wichtigen Ausstellungen bezieht das Badische Landesmuseum Position: In der Sonderausstellung „Unrecht & Profit – Das Badische Landesmuseum im Nationalsozialismus“ stellt sich das Museum seiner Verantwortung und beleuchtet seine Rolle während der NS-Zeit. Über 70 Objekte werden erstmals präsentiert, die allesamt unrechtmäßig erworben wurden. Sie veranschaulichen die verschiedenen Entzugskontexte während der Diktatur. „Es war uns ein Anliegen, diese Schau noch vor der Schließung zu zeigen. Die Ausstellung ‚Unrecht & Profit‘ untersucht die NS-Zeit als prägende Phase für die Entwicklung der Sammlungen. Die Aufarbeitung und die Provenienzforschung dazu bleiben ein fortlaufender Prozess“, so Eckart Köhne.

Mit der Ausstellung „Kann das weg? – Von Abfällen und Einfällen“ setzen die Volontärinnen und Volontäre ein Zeichen für Nachhaltigkeit. Beispiele aus der Geschichte zeigen, wie kreativ Ressourcen über Jahrhunderte hinweg geschont und wiederverwendet wurden – ein Denkanstoß für unsere heutige Wegwerfgesellschaft. In der aktuell laufenden Studioausstellung „Spolia – Vom Gedächtnis der Dinge“ setzt Myriam Schahabian ihre Arbeiten zu einer Landschaft aus Spolien zusammen. Fragmente aus tradierten Bildern und Texten – aus der persischen Malerei, Architektur und Schriftkunst – werden in Skulpturen oder Bildplatten übertragen und stehen für die Resilienz der Schönheit selbst in Zeiten des Krieges. Ab Juli zeigt die Ausstellung „Unvergängliche Augenblicke“ darüber hinaus Fotografien von Uli Deck. Seit über einem Jahrzehnt hat er das Badische Landesmuseum begleitet und mit seinen außergewöhnlichen Bildern die Verbindung von Kunst, Kultur und den Menschen im Museum dokumentiert. Bis September lädt die Schau dazu ein, die kulturelle Bedeutung dieses Ortes und die Geschichten hinter den Kulissen aus einer neuen Perspektive zu entdecken.

Mit Blick auf die Schließzeit setzt das Badische Landesmuseum 2025 nochmals verstärkt auf digitale Angebote, um mit den Besucherinnen und Besuchern weiterhin verbunden zu bleiben. Antike Vasen mit faszinierenden Darstellungen von Göttern, Helden und Alltagsszenen werden künftig bis ins Detail online erlebbar sein: Im Rahmen des Projektes „3D4Vases“ digitalisiert das Museum rund 600 antike Gefäße mithilfe modernster 3D-Technologie. So werden sie in Zukunft nicht nur für die Forschung, sondern einer breiten Öffentlichkeit als Linked Open Data international zugänglich gemacht. Das Projekt wird gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG).

Mit der interaktiven Museums-App „Ping!“ wird die Demokratiegeschichte in Karlsruhe zum Erlebnis. Das kostenfreie Format führt ab Frühsommer zu zentralen Orten in Karlsruhe wie dem Ständehaus oder der Verfassungssäule: Historische Schauplätze werden mit aktuellen Themen wie Volkssouveränität und Rechtsstaat verbunden. Für die Zeit nach der Schließung plant das Museum zudem einen Blog, der künftig spannende Hintergründe über die Museumsarbeit enthüllt und einen digitalen Blick auf die Sammlungen, laufende Forschungsprojekte und die Entwicklungen während der Sanierungsphase ermöglicht.

Wie beliebt das Badische Landesmuseum mit seinen Sammlungen und Angeboten ist, belegen die Zahlen des vergangenen Jahres. „Die Besucherzahlen des Badischen Landesmuseums haben 2024 einen beeindruckenden Aufwärtstrend gezeigt. Mit insgesamt 295.337 Besucherinnen und Besuchern in all unseren Außenstellen und Zweigmuseen haben wir das Vorjahresergebnis von 261.208 deutlich übertroffen,“ betont Susanne Schulenburg, die Kaufmännische Direktorin. Einen großen Anteil daran hatte die Große Landesausstellung „Welterbe des Mittelalters“: Sie lockte 62.030 Besucherinnen und Besucher an den Ausstellungsstandort ins Archäologische Landesmuseum Baden-Württemberg in Konstanz. Besonders erfreulich ist aber auch das Ergebnis allein in Karlsruhe: „Während wir im Vorjahr inklusive der sehr erfolgreichen Sonderausstellung ‚Die 80er‘ 165.096 Besuche zählten, waren es in diesem Jahr ohne große Sonderausstellung in Karlsruhe 148.283 Besucherinnen und Besucher im Schloss, im Museum beim Markt und im Museum in der Majolika. Das ist“, so Schulenburgs Fazit, „ein Beweis für die hohe Attraktivität unserer ständigen Sammlungen. Sie sind ein Publikumsmagnet.“

Foto:
Impression: Hauptportal des Karlsruher Schlosses ©Deters

Info:
Badisches Landesmuseum
geöffnet bis 28. September 2025
Di–Do, 10–17 Uhr, Fr–So, Feiertage 10–18 Uhr
Eintritt: 8 Euro / erm. 6 Euro
Turm und Filmerlebnis: 4 Euro / erm. 3 Euro
Informationen unter www.landesmuseum.de