
Redaktion
Frankfurt am Main (Weltexpresso) - Wie können wir unsere Zukunft in Zeiten von Klimawandel und globalen Krisen beeinflussen? Welche Szenarien – welche Zukünfte – sind vorstellbar? Kunst, Forschung und historische Objekte zu Themen wie Klimawandel, Geoengineering, Quantencomputer und dekoloniale Perspektiven bringt die neue Ausstellung des MGGU-Museum Giersch der Goethe-Universität kreativ in Verbindung. In der Ausstellung, die bis zum 31. August 2025 zu sehen sein wird, wird erstmals auch der Außenraum des Museums integriert – mit einer begehbaren Arche und begrünten Balkonen als Zukunftsvisionen neuer Lebensräume.
Eröffnet wird die Ausstellung „Fixing Futures“ (5. April – 31. August 2025) mit einer Öffentlichen Vernissage
am Freitag, den 4. April 2025, um 19 Uhr.
Ab 20 Uhr: Offenes Atelier und Elektronische Musik – DJs Cilence b2b Julique
Zur Eröffnung sprechen: Ina Neddermeyer, Direktorin MGGU, Prof. Dr. Viera Pirker, Vizepräsidentin der Goethe-Universität, und Laura Domes, Kuratorin der Ausstellung.
Die Ausstellung greift folgende Themenfelder auf:
1. Umweltkrisen und ihre Ursachen
Die Umweltkrisen unserer Zeit, wie Biodiversitätsverlust, Ressourcenknappheit und Klimawandel, stehen im Mittelpunkt verschiedener künstlerischer und wissenschaftlicher Auseinandersetzungen. Installationen wie ARAPOLIS, climate, displacement, gambling (2024) und ARK (2024) von Baltic Raw Org oder Fruits of Labour (2023) von Maximilian Prüfer veranschaulichen die Folgen menschlichen Handelns auf die Natur.
Wissenschaftler wie Dr. Nico Wunderling und Prof. Dr. Joachim Curtius diskutieren die Risiken der Überschreitung des 1,5-Grad-Ziels und mögliche Kipppunkte im Erdsystem. Spekulative Projekte wie The Seas Are No Longer Dying (2022) von Superflux zeigen nachhaltige Zukunftsvisionen, die alternative Wege im Umgang mit Ressourcen aufzeigen.
2. Geoengineering und die Technologisierung des Klimawandels
Dieser Themenblock hinterfragt die technologische Kontrolle des Klimawandels durch Geoengineering und warnt vor den unvorhersehbaren Folgen dieser Eingriffe. Künstlerische Arbeiten wie Chroniques du Soleil Noir (2023) von Gwenola Wagon und Metakosmia (2024) von Nina Fischer & Maroan el Sani zeigen dystopische Zukunftsszenarien, in denen Geoengineering die Erde unwirtlich macht. Wissenschaftler*innen fordern ein globales Kontrollmodell, um sicherzustellen, dass diese riskanten Technologien nicht als vermeintliche „Rettung“ missverstanden, sondern verantwortungsbewusst gehandhabt werden.
3. Dekoloniale Perspektiven und Aktivismus
Dieser Abschnitt thematisiert dekoloniale Perspektiven auf den Klimawandel und die Notwendigkeit, historische Ungerechtigkeiten in zukunftsfähige Lösungen einzubeziehen. Künstlerische Arbeiten wie Tamizh Futurism (2019) von Adhavan Sundaramurthy und Terra Nova (2019) von Maize Longboat setzen sich kritisch mit Kolonialgeschichte und alternativen Zukunftsvisionen auseinander. Zudem wird die Rolle von Kunst als Mittel des Widerstands und zur Förderung kollektiver Handlungsmöglichkeiten für eine klimagerechtere Zukunft untersucht.
4. Digitale Räume und ihre Wechselwirkung mit der physischen Umwelt
Dieser Themenbereich untersucht die Auswirkungen digitaler Infrastrukturen auf die Umwelt und hinterfragt die Illusion einer immateriellen „Cloud“. Projekte wie Solar Protocol (2021–2023) von Tega Brain, Benedetta Piantella, Alex Nathanson und dem Solar Protocol Collective zeigen alternative, nachhaltige Ansätze für den digitalen Raum, indem sie auf solarbetriebene Server setzen. Jana Hartmanns Virtual Verdure (2024) reflektiert, wie virtuelle Landschaften unsere Wahrnehmung von Natur und ökologischen Systemen prägen.
5. Quantencomputing als Lösung für die Klimakrise?
Dieser Aspekt untersucht, ob Quantencomputing zur Bewältigung der Klimakrise beitragen kann. Während Prof. Dr. Christoph Burchard die Chancen und Risiken algorithmischer Modellierungen betont, hinterfragt Q is for Climate? (2023) von Libby Heaney, ob Quantencomputer nachhaltige Zukunftssysteme ermöglichen könnten. Manpreet Jattana sieht großes Potenzial in der Forschung, doch ein tatsächlicher Quantenvorteil muss erst durch praktische Tests nachgewiesen werden.
Beteiligte Künstler*innen und Wissenschaftler*innen:
Samira Akbarian, Jordan Rita Seruya Awori, Baltic Raw Org, Blockadia*Tiefsee,Tega Brain, Christoph Burchard, Joachim Curtius, Petra Döll, Juliane Engel, Nina Fischer & Maroan el Sani, Steven Gonzalez Monserrate, Jana Hartmann, Libby Heaney, Thomas Hickler, Manpreet Jattana, Maize Longboat, Colin Lyons, Maximilian Prüfer, Oliver Ressler, Julia Schubert, Adhavan Sundaramurthy, Superflux, Gwenola Wagon, Joshua Wodak, Nico Wunderling
Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Rahmenprogramm begleitet.
Foto:
Wie digitale Räume mit der physischen Umwelt wechselwirken reflektiert die Künstlerin Jana Hartmann in ihrem Werk „Virtual Verdure“, 2024 (aus der Werkgruppe: The Future is Present (Detailansicht) Digitale 3D Simulationen, InGame-Photography, Screenshots, 3D Modelle
© Jana Hartmann)
Info:
Mehr zum Programm: www.mggu.de/veranstaltungen
Infos zur Ausstellung: www.mggu.de/fixing-futures
MGGU – Museum Giersch der Goethe-Universität
Schaumainkai 83, 60596 Frankfurt am Main
Eintritt: Erwachsene 7 € / Ermäßigt 5 €
Freier Eintritt für Personen unter 18 Jahren und Schulklassen
Öffnungszeiten: Di, Mi, Fr, Sa, So 10–18 Uhr, Do 10–20 Uhr
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