Alice 2417Eine Aufführung der Gruppe "Spielfieber"

Hanswerner Kruse

Schlüchtern (Weltexpresso) - Mit dem Titel „Alice im Wunderland... und plötzlich ist alles anders“ inszeniert „Spielfieber“, die Theater-Ag des Ulrich-von-Hutten-Gymnasiums, ihre neue Aufführung. Am nächsten Wochenende bringt die Gruppe diese andere Version von Nina Naujoks - der klassischen Alice-Erzählung - auf die Bühne.

 

Alice 2353

Wir besuchten die Proben mehrfach und erlebten zunächst nur Bruchstücke des Stückes: Eine gespenstische Schar in wehenden Laken tanzt auf der Bühne und verkörpert Luftgeister. Am Rande dieses Luftlandes stehen staunend einige Akteure, es sind Alice und Peter, die beide von der Hutmacherin zu verschiedenen Orten im Wunderland geführt werden.




In der Probe am Vortag besuchten die drei bereits das Feuerland: „Wie könnt ihr es wagen mein Reich zu betreten?“ schimpfte die Tochter der Teufelin. Lehrerin und Spielleiterin Angelika Kiwitz forderte etwas mehr Aggressivität vom Satanskind gegenüber den ungebetenen Gästen, das am nächsten Tag krasser reagierte. Weitere Stationen der Reise waren die übrigen Elemente: Nach dem Feuer und der Luft ging es zu den Erdwesen und ins Wasserland. Langsam fügten sich für den Besucher die Szenen des Schauspiels zusammen, das nun auch das Publikum erleben kann:

Alice 2437Alice und Peter waren in ihrer Kindheit befreundet und fanden darin ihr Arkadien. In der Schule entfremdeten sie sich voneinander, Peter wurde zum Loser und gemobbt. Alice versuchte sich im Schulstress und Konkurrenzkampf an die Forderungen der oberflächlichen Mädchenclique anzupassen und von Peter zu distanzieren. Doch plötzlich hatte ihr Kinderfreund einen schweren Unfall, mehr erfahren wir darüber nicht. Alice schläft, aber Peter begegnet ihr im Traum, gemeinsam erinnern sie sich an ihr einstiges Fantasiereich. Die Handlung changiert jetzt zwischen Realität und Träumen, in denen die Logik bekanntlich aufgehoben ist.


Beide gehen gemeinsam fort und landen plötzlich bei der Hutmacherin, die mit der Häsin auf sie wartet. Denn sie sind auserwählt, den zerstörten und an alle vier Elemente verstreuten Kristall des Wunderlandes zu finden. Nun beginnt ihre absonderliche Reise durch eine fantastische Welt, nach und nach können sie die einzelnen Teile des Kristalls einsammeln. In jedem Land lernen sie etwas über sich und ihre Verhaltensweisen. Als sie in die Realität zurückkehren, sind sie wieder vereint. Doch sie sind sich einig: „Damals ist vorbei, aber wir können gemeinsam etwas Neues schaffen!“

Alice 2556Auch uns nimmt die Hutmacherin in dieser fantastischen Theater-Collage mit auf eine abwechslungsreiche Reise. Es gibt tolle, oft von den jungen Leuten selbst entworfene Kostüme und Verkleidungen, dazu manch absurde Requisiten. Vieles wird in dem skurrilen Stück nur angedeutet, es wirkt nicht überladen. Dem Ensemble gelingt gut die Gratwanderung zwischen Humor und Tiefsinn. Nur äußerst vage erinnert die Geschichte an „Alice im Wunderland“ von Lewis Carol. Darin ringt das junge Mädchen auch um ihre Identität und fragt sich ständig „wer bin ich?“ 
Das ist auch der Kern dieser Version: die Suche nach Identität in einer Lebensphase, wenn „plötzlich alles anders ist“, wie es im Titel heißt.

Lehrerin Kiwitz hat die Handlung und die Spielfiguren mir ihren Akteuren angepasst. Im Stück sind die Gestalten differenziert entwickelt und überzeugend dargestellt. Die 20 Akteure, von denen viele schon länger im „Spielfieber“ sind, hatten in diesem Jahr mit schwierigen Bedingungen zu kämpfen: deutlich weniger Probezeit, direkte Sprünge von den Klausuren auf die Bühne. Jedoch niemand jammerte darüber, im Gespräch betonten einige Jugendliche die starke Aktualität des Themas.

Service 
„Alice im Wunderland... und plötzlich ist alles anders“ am 28. und 29. März um 19 Uhr im UvH-Gymnasium (Aula) in Schlüchtern. Eintritt frei.

Fotos:
Bilder der Proben © Hanswerner Kruse