Serie: Von Wella, ehemals Darmstadt, ins Hessische Landesmuseum Darmstadt, Teil 1

 

Claudia Schulmerich

 

Darmstadt (Weltexpresso) – Freudige Gesichter im Landesmuseum, das mit den ewig dauernden Sanierungsarbeiten schwere Jahre hinter sich hat und 2014 neu eröffnet, dabei nun einen Schatz von 3000 Objekten mit im Fundus hat, den die Firma Wella, einst Darmstadt, jetzt Procter&Gamble Schwalbach im Taunus, zur KULTURGESCHICHTE der SCHÖNHEITSPFLEGE hochkarätig zusammengesammelt und am heutigen Montag dem Hessischen Landesmuseum Darmstadt geschenkt hat.

 

Mit dem Verkauf von WELLA der Familie Ströher an den US-Konzern war auch das Wella-Museum, das seit 1952 aufgebaut wurde und in den letzten Jahren jährlich rund 30 000 Besucher zählte, wobei nur zehn Prozent, also rund 300 Exponate ausgestellt waren, in den Besitz der Amerikaner übergegangen. Die Firma WELLA hat Darmstadt Richtung Schwalbach verlassen und das Museum sollte mitziehen und auch die Versuche des Alt-Eigners Ulrich Ströher, die Museumsschätze zurückzukaufen, fruchteten nicht. Wenn man weiß, daß die Geschichte Darmstadts und der Familie Ströher, was Kunst angeht, keine erfolgreiche, sondern eher eine traurige ist, kann man heute dazu nur sagen: Welch Glück!

 

Denn mit dem heutigen Tag ist fast die komplette sehr ungewöhnliche und kostbare kulturgeschichtliche Sammlung rund ums Haar und die Schönheit als Schenkung von Wella/P.&G. in das Eigentum des Landesmuseums übergegangen. Wie es dazu gekommen ist, wissen wir nicht, freuen uns aber angesichts dieser so kostbaren wie haar- und schönheitsspezifischen Stücke ebenso darüber wie die Beteiligten, die in einer Pressevorstellung das Geschenk vorstellten, wobei ausgewählte Exponate zu besichtigen waren, von denen wir noch berichten werden.

 

So freute sich Ralf Billharz, Vize Präsident Wella Deutschland, Österreich und Schweiz: „Wir hätten kein besseres neues Zuhause für die Sammlung des Wella Museums finden können, denn sie verbleibt somit fast komplett in der langjährigen Wella-Heimat Darmstadt. Zudem werden viele besonders schöne Exponate in neuem Rahmen einer viel breiteren Öffentlichkeit als bisher zugänglich sein.“ Damit hat er recht, was wir noch ausführen werden.

 

So freute sich auch die Ministerin für Kunst und Wissenschaft, Eva Kühne-Hörmann: „Die Schenkung dieser einzigartigen Sammlung an das Landesmuseum dokumentiert die enge Verbundenheit des Unternehmens mit der Stadt Darmstadt, seinen Bürgern sowie den kulturellen Einrichtungen. Wir freuen uns, dass die Sammlung weiterhin ihr Zuhause hier bei uns in Hessen hat. Mit ihrer Vielzahl an Einzelstücken rund um das Thema Schönheit wird die Sammlung eine großartige Bereicherung des Museums und sicher auch die künftige Dauerausstellung aufwerten.“ Die besondere kulturhistorische Bedeutung sieht sie in den Darstellungen eines ganzen Berufszweiges, die die Objekte von der Ägyptischen Sargmaske über römische Haarnadeln bis zum abgebildeten Fächer aus Papier und Sperrholz, Frankreich um 1930 und Art Deco wiedergeben.

 

Erst recht freute sich der neue Besitzer, für das Landesmuseum Darmstadt dessen Direktor Theo Jülich: „Wir waren von Anfang an von der Idee begeistert, die Bestände des Wella Museums übernehmen zu können. Der kulturhistorische Wert ist enorm und stellt eine wunderbare Ergänzung einiger bestehender Sammlungen des HLMD dar. Ich bedanke mich für das Vertrauen, das die Vertreter von Wella/ Procter & Gamble in das HLMD gesetzt haben und freue mich sehr, dass die Sammlung für die Darmstädter Öffentlichkeit erhalten bleibt“.

 

Dabei geht es eben nicht nur um die Ausstellungsstücke als Wertgegenstände, sondern auch um eine Anerkennung des früheren Wella-Standorts Darmstadt, die mit dieser Schenkung zum Ausdruck kommt. Das ist Balsam auf die lokale Seele, die durch die Verlagerung von so vielen Arbeitsplätzen, konkret: den Wegfall von 1000 Arbeitsplätzen in Darmstadt, arg gebeutelt ist. Damit das aber richtig verstanden wird, muß man die besondere und heute rare Qualität des Hessischen Landesmuseums Darmstadt genauso hervorheben.

 

Das Darmstädter Landesmuseum gehört nämlich zu den heute nur noch wenigen Universalmuseen, die die Gesamtheit menschlicher Kunstanstrengung aller Zeiten und aller Techniken genauso ausstellt, wie die Entwicklung der Erde, der Blumen und Tiere (Grube Messel in der Nähe!) und dabei auch die Geschichte des Menschen und seiner Entwicklung in privater und beruflicher Hinsicht nicht ausläßt. Eine Sammlung, die wie die von Wella, gezielt Objekte aus allen Kulturzeiten zu den Komplexen Haut und Körperpflege, Dekorative Kosmetik, Duft und Parfüm, Friseurhandwerk, Bart und Rasur und Haare zusammengetragen hat, kann einem heute wieder starken Interesse entgegenkommen, auch sinnlich zu erfahren, wie die Menschen hinsichtlich ihrer Körperpflege und Schönheit gelebt haben. Von daher passen Zeitpunkt eines wieder erstarkenden kulturhistorischen Interesses, Neuaufstellung der Sammlung und Schenkung der Objekte tatsächlich ideal zusammen.

 

Über das Museumskonzept, in welcher Weise und wie viele Objekte in der Dauerausstellung und den Teilbereichen des Museums zu sehen sein werden, erfahren Sie im nächsten Artikel. Fortsetzung folgt.

 

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