Musikmesse und Prolight + Sound in Frankfurt vom 15. bis 18. April 2015, Teil 5

 

Roman Herzig und Sibylla von Suden

 

Frankfurt am Main (Weltexpresso) – Mit Absicht wählen wir das Wörtchen 'klein', denn dafür würde man eine breite Leinwand und ein Riesenorchester brauchen, um auch nur ein Zipfelchen von dieser Messe sinnlich weitergeben zu können, weshalb wir eigentlich hätten sagen müssen: ein allerallerallerkleinster Rundgang.

 

Wie immer haben wir nämlich nach den ersten Ausstellerständen schon aufgegeben, während die Pressemeute weiterzog, sind gar nicht weitergegangen, sondern haben mit den Musikinstrumentenspezialisten gequatscht, die Neuheiten in Ruhe angeschaut und dann auch verschiedene Instrumente zu spielen versucht. Betonung liegt hierbei auf 'versucht'.

 

Aber dem Affen,sprich dem Messepublikum, muß auch Zucker gegeben werden, weshalb wir uns jetzt erst einmal brav an den Rundgang halten, der zu allererst zur teuersten Gitarre der Welt führt. Die allerdings, das ist das Besondere daran, nicht gespielt werden darf, weil nicht gespielt werden kann oder oder oder. Auf jeden Fall schauen Sie sich das Bild ausreichend an, vielleicht kleben dann in Ihren Augen auch Diamanten. EDEN OF CORONET heißt das Ding. Es ist in Zusammenarbeit mit dem chinesischen Schmuckhersteller Aaron Shum Jewelry und dem Musiker und Designer Marc Lui entstanden. Das silbrige Ding wiegt 1,6 Kilogramm und besteht aus 18-karätigem Gold. Was die Gitarre allerdings so zum Glitzern bringt, sind die 1,2,3 – ach was, 483 Diamanten. Es kostet das Schnäppchen von rund 2 Millionen Dollar, womit diese Gitarre in das Guinessbuch der Rekorde eingeht.

 

Ob sie dann wirklich gespielt wird. Denn für den Freitag, 17. April ist der Black Sabbath Gitarrist Tony Iommi angekündigt, von dem es heißt, er würde das kostbar Ding auch spielen. Irgendwie glauben wir das nicht, denn aus dem Stand macht man das eigentlich nicht. Und daß die Eigner ihren Schatz schon mal um die Welt schickten, glauben wir auch nicht. Besser weitergehen, denn ehrlich gesagt, ist das schon albern, solch ein Millionending, wo die normalen Gitarren – und das war nun interessant – eine Bandbreite von ein paar Euros bis zu vierstelligen Zahlen haben.

 

Für 99 Euro, so wurde uns versichert, gäbe es sehr anständige Gitarren, eigentlich an vielen Ständen, da ist das mehr das Design für den Kauf der Hupf und Sprung – auf keinen Fall der Preis. Und während wir noch diese normalen Gitarren an vielen Ständen in Halle 4 begutachten, schreit es von draußen, von der Agora heftig zu uns herüber. Der Wirbelsturm allerdings erreicht uns nicht. In einem solchen liegt nämlich in einer Höhe von rund 12 Metern völlig waagerecht in der Luft ein Mann mit einer Gitarre in der Hand. Herrjeh, jetzt sind wir schon wieder bei Gibson gelandet. Die sitzen nicht nur überall, sondern an den wichtigen Stellen.

 

Hier draußen auf der Agora ist ein Luftdom, natürlich AirDome, genannte begehbare Skulptur aus aufgeblasenem Gummi aufgebaut. Begehbar will sagen, daß man dort hinaufsteigen kann, wo um eine Innenfläche, wie ein Trampolin, Stege verlaufen, auf denen die Fotografen im Gänsemarsch sich fortbewegen, damit jeder mit der Kamera erhaschen kann, was jetzt passiert. Es fängt an zu dröhnen, dann wird das Geräusch genauso gewaltig, wie der Luftstrom, der heftig entweicht und den Mann mit der Gitarre in der Hand nach oben in die Luft schleudert. Daß er waagerecht liegt, liegt das an der Luft und dem menschlichen Schwerpunkt oder ist das die sicherste Haltung. Eher ersteres. Mutig muß man schon sein und verwegen auch und sicher ist ein solches dünnes Handtuch, wie unser Vorzeigegitarrist auch besser geeignet für dieses Luftwerfen als so ein Zentnermann. Die Anlage produziert den Luftstrom mit mehr als 180km/h, das ist wirklich gewaltig und die vielen Meter, die unser Vorzeigemann hochgeschleudert wird und eben waagerecht liegt, sind bedenklich über dem Rund, mit dem die Anlage umgeben ist und wir befürchten die ganze Zeit, daß es den Typen über diese Rundungen hinausbläst, womit er ja auch aus dem Luftstrom herausträte und ...plumps, auf die Erde fallen müßte.

 

Doch unsere Phantasien bewahrheiten sich Gott sei Dank nicht. Der Mann bleibt gesittet oben und fällt dann nur weich, als das Gebläse ausgestellt wird. Wenn es allerdings bei Gibson heißt „Die Besucher können sich auf einzigartige Gitarrensolos freuen, wie sie die Welt noch nicht erlebt hat.“, dann fühlen wir und düpiert. War schon die Diamanten-Gold-Gitarre nur zum Anschauen, so hat hier der Mann in der Luft zwar die Gitarre in der Hand, könnte sie aber nie und nimmer in der Luft spielen. Er braucht nämlich alle seine Aufmerksamkeit zur Stabilisierung, das merkt man den rudernden Händen und Beinen an. Und dann noch etwas. Bei dem Krach des Gebläses, das einem in die Knochen fährt, wäre ein Gitarrenton überhaupt nicht zu hören. Also auch hier nur zum Anschauen. Wozu das Theater?

 

Aha, erfahren wird dann. Daneben im Zelt, da findet dann auch die Musik statt und zwar auf Instrumenten , den durch den Künstler Rocketbyz mit Schwarzlichtfarbe veredelten Gibson Produkten. Da haben wir einfach genug. Ähnlich beklommen wird uns auch zumute in Halle 3.0, wo wir bei der Firma PEARL eine sehr aufwendige und das Auge anziehende Formation erblicken, die sowohl durchsichtig wie auch bläulich aussieht und sich als Crystal Beat – durchsichtiges Drumkit mit faszinierender Optik herausstellt.

 

Während wir etwas ratlos dastehen, denn wie viel das Ding da kostet, interessiert uns gar nicht, weil wir niemanden in unserer Gegend kennen, der es überhaupt in den gängigen Wohnungen und auch nicht in herkömmlichen Partykellern unterbringen könnte. Tja, so wie früher in New Orleans, wo in den Garagen die Papas und vor allem die Opas den heißesten Jazz spielten, da ginge so ein nach Erweiterungstücken zählendes Ensemble hin, nur wollte es da niemand, denn die brauchen zum Musikmachen nicht so sonderbare Modelle, die irgendwie die Musik und das Musikmachen kalt und fremd machen.

 

Eine von uns selbst gestellte Frage lenkt uns und dann auch die, an die wir sie richteten total ab, so total, daß der Rundweg hier zu Ende war und wir alle zum Antworten auffordern: Welches war übrigens das Instrument, das als letztes Musikinstrument erfunden wurde – und wann war das? Ist das nicht sonderbar, daß wir nirgends so traditionell sind wie bei den Musikinstrumenten?

 

Wolfgang Lücke, der Chef der Musikmesse, hielt das für eine ausgezeichnete Frage und beantwortete sie mit: die Cajon! Das stimmt nur insofern, als sie seit ein paar Jahren auch in Europa überhaupt erst in Mode gekommen ist, die Cajon. Das ist eine Kistentrommel könnte man sagen, die man zwischen die Beine klemmen kann und dann mit allem möglichen draufdreschen kann oder auch sanft beklopfen und streicheln kann: Töne gibt es auch, das Entscheidende aber ist der Rhythmus. Die Cajon kommt aus Peru und gibt es dort schon seit jeher, nur war sie in Europa nicht weiter bekannt.

 

Die Frage bleibt also, was war das letzte Musikinstrument, das erfunden wurde? Bitte nachforschen.

 

Foto: Achtung. Das ist die 2 Millionen Dollar Gitarre, die man nur anfassen, aber nicht spielen darf, kann, soll.

 

INFO: 

 

www.messefrankfurt.com

www.musikmesse.com