Banken in der Regulierungs- und Digitalisierungsfalle, Teil 1

 

Notker Blechner

 

Frankfurt (Weltexpresso) - Wenn Europas Top-Banker zusammen kommen, wird viel geklagt. Über die Regulierung, die Mini-Zinsen und den Kostendruck. Auf der "Euro Finance Week" 2015 warnten Vertreter führender Banken vor weiteren Einschritten und einer Konsolidierung der Branche.

 

Neue Chancen bieten die Digitalisierung und "Green Finance". Im Rahmen mehrerer Konferenzen wurde über die zahlreichen Herausforderungen der Bankenbranche diskutiert.

 

Ungewöhnlich pessimistische Töne gab es zum Auftakt der größten Bankenkonferenz in Europa, der "Euro Finance Week" im Frankfurter Congress Centrum. Es werde "nicht gelingen, Rückgänge durch andere Ertragsquellen ausgleichen zu können", sagte der neue Helaba-Chef Herbert Hans Grüntker. "Wir werden uns auf dauerhaft sinkende Eigenkapitalrenditen einstellen müssen", warnte er. Schuld daran sei die Regulierung. Sie bürde so hohe Fixkosten auf, dass die Renditen meist unterhalb der Kapitalkosten liegen. "Willkommen in der neuen Realität des Bankengeschäfts!"

 

 

Keine Job-Maschine mehr

 

Die Top-Banker halten daher weitere Kostensenkungen und Stellenstreichungen für unausweichlich. "Unsere Branche wird nicht zum Beschäftigungswachstum beitragen", erklärte der scheidende Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen. Die Forderungen nach höheren Gebühren lehnten die anwesenden Banker ab.

 

Stattdessen verlangte DZ-Bank-Chef Wolfgang Kirsch eine "Regulierungspause". Ebenso sprach sich Frédéric Oudéa, Chef der französischen Großbank Société Générale und Präsident des europäischen Bankenverbands, vehement gegen eine neue Welle aufsichtsrechtlicher Vorgaben aus. Viele neue Regeln würden US-Banken begünstigen, aber europäische Banken benachteiligen.

 

 

Hoffnung auf Regulierungspause

 

Sabine Lautenschläger, Vizepräsidentin der europäischen Bankenaufsicht bei der EZB, machte Hoffnung auf eine abflauende Regulierungswut. Künftig gehe es vor allem um die Umsetzung vorhandener Regeln und nicht um neue Vorschriften. Ihrer Einschätzung nach "werden die großen regulatorischen Reformprojekte bis Ende 2016 beendet sein", sagte sie auf der "Euro Finance Week". Die EZB erwarte von den europäischen Großbanken eine Eigenkapitalquote von 10,1 Prozent. Das seien nur 0,5 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr, aber kein dramatischer Anstieg, versuchte sie zu beruhigen.

 

Schwer zu schaffen macht der traditionellen Bankenbranche neben der Regulierung auch die zunehmende Konkurrenz durch die Fintechs- Startups, die Bankdienstleistungen günstiger und kundenfreundlicher anbieten. "Unser Gewerbe betritt eine 'terra incognita'", sagte Helaba-Chef Grüntker. Die Digitalisierung verändere ganze Geschäftsmodelle. Das eröffne freilich auch neue Chancen.

 

 

Frankfurt auf dem Weg zum Fintech-Zentrum

 

Frankfurt will hier zum Vorreiter zumindest in Deutschland avancieren. Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) kündigte auf der Fintech-Konferenz im Rahmen der "Euro Finance Week" an, dass Frankfurt zum Zentrum für Fintechs werden soll. Bisher habe die Stadt noch das Problem der letzten Meile, meinte Prof. Andreas Hackethal, Professur für Finanzen an der Goethe-Uni. In der Stadt gebe es zu viele Fintech-Beobachter, aber zu wenige -Macher, erklärte Christopher Oster, Geschäftsführer des Versicherungsportals Clark

 

Neue Wachstumschancen für den Finanzplatz Frankfurt bietet ebenfalls der Bereich "Green Finance". Noch stecken erst zwei Prozent des verwalteten Kapitals in Deutschland in Nachhaltigkeitsfonds. Andere sind da wesentlich weiter - zum Beispiel Skandinavien, Benelux und die USA. Die Experten auf dem Podium wiesen daraufhin, dass es keinen Performance-Unterschied zwischen herkömmlichen Fonds und Nachhaltigkeitsfonds gebe. Zudem seien letztere weniger riskant.

Fortsetzung folgt.

 

 

 

Info:

Euro Finance Week

http://www.eurofinanceweek.com/

 

Frankfurt European Banking Congress

http://www.frankfurt-ebc.com/