Nachlese ITB 2012: Wiener Sängerknaben, Musikzentrum Augarten, Augartner Porzellan und das Hotel Beethoven Teil 3/3

 

Gabriele Gontard und Werner von Eiben

 

Berlin (Weltexpresso) – Das neue Musikzentrum Augarten füllt also in der Tat eine Lücke für einen Musikbetrieb, der nicht nur massentaugliche Kunst auf großer Bühne bietet, sondern die notwendige Infrastruktur bereitstellt, damit Kunst sich entwickeln kann, am besten von Kindertagen an junge Menschen mit ihren Strukturen vertraut werden und sich selbst musikalisch auszudrücken erleben. Es sei der Leitsatz der Wiener Sängerknaben, sagt uns die Presseverlautbarung, TRADITION BEWAHREN UND ZUKUNFT GESTALTEN; was das neue Haus, dessen Architektur dazu etwas Besonders ist, eindrucksvoll fortgesetzt wird.

 

Derzeit läuft der Film zum 800jährigen Bestehen des Thomanerchors Leipzig in den Kinos. Ein informativer und eindrucksvoller Film, der zeigt, wie über Jahrhunderte und über völlig unterschiedliche politische System hinweg, dieser Chor lebendig bleibt, der als Internat für die Thomaner und einer Schule für alle heute die musikalische Praxis und theoretische Ausbildung integriert. Die Wiener Sängerknaben haben auch eine ehrwürdige historische Ableitung. Kaiser Maximilian I., der letzte Ritter und Großvater des legendären Karl V., in dessen Reich die Sonne nicht unterging, hatte 1498 seinen Hof nach Wien verlegt und dabei seine Musiker mitumgesiedelt. Darunter befanden sich sechs Knaben – aus Österreich und den Niederlanden, damals Hofbesitz.

 

Dies bildete den Grundstein für die Wiener Hofmusikkapelle und aus den sechs Knaben entstanden die Wiener Sängerknaben – also auch mehr als ein halbes Jahrhundert her! Wie der Name sagt, war dies eine Privatveranstaltung – Messen, private Feste, Staatsanlässe - für den Hof, der 1806 als Ort des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation durch Kaiser Franz II. endete und als Österreichisches Kaisertum begann. Dies nun wiederum endete mit dem Ende des 1. Weltkrieges, so daß die 'bürgerliche' Zeit der Wiener Sängerknaben erst 1918 begann.

 

Derzeit werden vom Chor mit rund 100 aktiven Sängern an die 300 Konzerte gegeben, die in aller Welt fast eine halbe Million Zuhörer erreicht, nein Zuschauer, denn durch die Rundfunkübertragungen und die Schallplattenveröffentlichungen – unten die Angabe einer CD – werden weitere Millionen Zuhörer erreicht. Das bürgerlich Zeitalter schließt mitein, daß man sich der kaiserlichen Traditionen erinnert. Gemeinsam mit den Wiener Philharmonikern und dem Herrenchor der Wiener Staatsoper musizieren sie von September bis Juni bei den sonntäglichen Messen in der Wiener Hofburgkapelle.

 

Jedes Jahr ist der Chor etwa elf Wochen auf Tournee, wo sie inzwischen alle Erdteile bereisten und in den USA so zu Hause sind wie in den asiatischen Musikländern Japan, China und vor allem Süd-Korea. Wo gebraucht, singen sie auch in der Volksoper und Staatsoper Wien sowie im Rahmen der Salzburger Festspiele. Für alle Knabenchöre gilt heute ein weitgefächertes Programm. Dennoch bleibt es die Spezialität der Thomaner aus Leipzig, die deutsche Barockmusik, vorrangig Bach besonders zu pflegen.

 

Die Wiener Sängerknaben machen das durch ein sehr breites Repertoire wett, das von mittelalterliche bis experimentell Musik reicht: Motetten, Lieder, Messen, Oratorien, symphonische Werke, Wiener Lider, Pop, Filmmusik, Weltmusik, Kinderopern, es gibt schlechthin keine musikalische Ausdrucksform, die sich die Wiener Sängerknaben nicht zutrauen. Ihr gewichtigsten Pfand ist ihre musikalische Ausbildung. Deshalb kommt dem neuen Musikzentrum Augarten eine besondere Funktion zu. Denn hier soll aus allen Schichten der Bevölkerung das Reservoir für Stimmen erkannt und geschult werden, damit ohne Standes-, Religions- und Nationalunterschiede die fähigen Jungen dann gemeinsam im Internat den gemeinsamen Ton der Wiener Sängerknaben finden und durch die Welt tragen.

 

 

www.hotel-beethoven.at

www.augarten.at

www.wsk.at

2 CD Wiener Sängerknaben, Das Beste. Ihre großen Erfolge. Die schönsten Melodien. Universal 06024 9867117