Auf dem Rad durch Tirols Seitentäler rollen

 

Eric Fischling

 

Zillertal (Weltexpresso) – Alles auf einmal geht nicht, aber der Reihe nach sind wir ganz schön herumgekommen: Die Fortbewegung per Rad lässt Zeit und Raum, im eigenen Tempo die Schönheit der Landschaft aufzunehmen und jederzeit nach Belieben einen Halt einzulegen. Das Abenteuer auf mit dem Drahtesel ist auf Tirols 920 Kilometern Radwanderwegen nah. Viele Radfahrer nutzen die Hauptrouten – doch auch die kleinen Nebenwege überraschen positiv.

 

Zu den großen Bekannten in Tirol zählen der Innradweg mit seinen 520 Kilometern Gesamtlänge zwischen Martina in der Schweiz und Kufstein in Tirol oder die Via Claudia Augusta (130 Kilometer), ein alter Handelsweg der Römer. Ebenso sind der Drauradweg durch Osttirol bis nach Slowenien und auch die Via Bavarica Tyrolensis entlang des Achensees beliebte Routen. Die kleineren Radwege in den Tiroler Seitentälern sind aber mindestens genauso aufregend und sollten unbedingt ausprobiert werden.

 

Virgental Radweg
Von Matrei in Osttirol westwärts schlängelt sich das Virgental bis an den Fuße des Großvenedigers. Während taleinwärts mit dem Rad doch 450 Höhenmeter bewältigt werden müssen, lässt sich mit dem neuen Radshuttle Iseltal-Virgental die Variante talauswärts mit jedem gut bereiften Trekkingrad bewältigen. Von der Shuttlebus-Haltestelle im Ortsteil Hinterbichl von Prägraten geht es bis auf wenige kurze Anstiege teils auf Schotterwegen entlang der Isel 21 Kilometer bergab bis Matrei.

 

Iseltal Radweg
Ab Matrei Richtung Südosten führt der Iseltal Radweg auf 29 Kilometern Länge an den Ufern des Flusses Isel bis nach Lienz. Auf der leichten und familienfreundlichen Strecke kommen Groß und Klein sprichwörtlich gleichermaßen zum Zug. Je nach Trittgeschwindigkeit ist man in 2 bis 3 Stunden in Lienz. Dort finden Radler Anschluss an den Drauradweg, können mit der Bahn weiterfahren oder gelangen mit dem Radshuttle wieder zurück nach Matrei oder ins Virgental, sofern sie flussaufwärts (300 Meter Höhenunterschied) nicht selber strampeln möchten.

 

Zillertal Radweg
Im Zillertal ist es die historische Dampf-Lok der schmalspurigen Zillertalbahn, die müde Radler mitnimmt. Zwischen Strass und Mayrhofen zeigt sich der Zillertal Radweg besonders familienfreundlich mit Badesseen, Schwimmbädern, Spielplätzen und mehreren Bahnstationen entlang des Weges. Die breite und gut ausgebaute Strecke ist 31 Kilometer lang und steigt nur wenige, kaum spürbare Höhenmeter an.

 

Mozart Radweg
Auf seinem Weg von Bayern nach Salzburg führt der Mozart Radweg auch durch Tirol.  Im Kaiserwinkl führt er ab der Grenze von Kufstein über Niederndorf vorbei am Walchsee bis Kössen und von dort weiter nach Reit im Winkl oder über den bergigen Umweg nach Lofer (50 Kilometer, knapp 600 Höhenmeter).

 

Rosanna Radweg
Von Strengen begleitet der Fluss Rosanna einen Radweg durch das Stanzertal bis nach St. Anton am Arlberg. Flussaufwärts Richtung St. Anton sind auf dem 15 Kilometer langen Weg 200 Höhenmeter zu überwinden. Viel lockerer und entspannter geht es, wenn man mit dem Drahtesel in Landeck in den Zug nach St. Anton steigt und von dort einfach auf dem Schotterweg abwärts durch die Wälder und über die Wiesen rollt.

 

Radwanderweg Tannheimertal
Genussradfahrer dürfen sich von den umliegenden hohen Bergen im Tannheimer nicht abschrecken lassen. Es gibt auch flache Strecken am westlichen Ende Tirols. Der Radwanderweg Tannheimer Tal zum Beispiel überwindet auf einer landschaftlich reizvollen und abwechslungsreichen 20 Kilometer langen Strecke wenige Höhenmeter. Vorbei an sechs malerischen Ortschaften des Hochtales, an bunten Blumenwiesen und saftigen Kuhweiden leiten die grünen Hinweisschilder von Nesselwängle bis Schattwald. Mit Ausnahme des Haldenseeufers fährt man den ganzen Weg auf Asphalt. Landschaftlich besonders reizvoll ist die 4 Kilometer lange Strecke von Tannheim zum Vilsalpsee. Sie endet im gleichnamigen Naturschutzgebiet mit Blick aufs smaragdgrüne Gewässer.

 

Lechtal Radweg
Die einen meistern die insgesamt 52 Kilometer locker in einem Tag, die anderen teilen sich die Strecke zwischen Steeg und Forchach auf vier Tagesetappen auf. Auf dem Lechtal Radweg bestimmt jeder sein eigenes Tempo. Er führt entlang des kristallklar schimmernden Lechs, einem der letzten „wilden“ Gebirgsflüsse der Alpen. Gemütliche Radler nutzen Busunterstützung (mit der Lechtal Aktiv Card kostenlos). Der Höhenunterschied von rund 300 Metern taleinwärts ist aber kein großes Hindernis, zumal die an der Strecke liegenden Naturparkwirte zur gemütlichen Einkehr laden.

 

Foto: Im Zillertal ist es die historische Dampf-Lok der schmalspurigen Zillertalbahn, die müde Radler mitnimmt. ©Zillertal Tourismus