cor swr.frAus dem Kundenservice der WELT zu Corona vom Vortag, 29

WELT Corona-Update

Hamburg (Weltexpresso) - Boris Johnson hatte es in den vergangenen Wochen wahrlich nicht leicht. Der Laissez-faire-Weg seiner Regierung stellte sich als gefährliche Viren-Schleuder heraus, England gehörte plötzlich zu den am schwersten betroffenen Staaten Europas und letztlich infizierte sich der britische Premier auch noch selbst mit Covid-19, weshalb er auf die Intensivstation musste.

Mittlerweile ist Johnson zurück in der Downing Street Number 10 und laut Medienberichten drauf und dran, nach all den Tiefschlägen hoffnungsfrohe Neuigkeiten zu verkünden: Einen Drei-Punkte-Plan raus aus den Beschränkungen – einen "Lockxit", wenn man so will.

Auf den konnte Neil Ferguson offenbar nicht warten. Der renommierte Epidemiologe und Regierungsberater hat seinen Posten geräumt, nachdem er während der Kontaktbeschränkungen mehrfach Besuch von einer Geliebten bekommen hatte – und dann positiv auf das Virus getestet wurde.

Das zeigt neben vielen anderen Dingen wohl vor allem, dass die mittlerweile oft als böse Verbots-Fetischisten gebrandmarkten Experten sich nicht einfach deshalb für Corona-Beschränkungen aussprechen, weil sie so gerne alleine zu Hause hocken. Auch sie sind nur Menschen, die gerne ohne Einschränkungen leben würden. Was daraus für Deutschland folgt? Im besten Fall eine Renaissance des Mottos "Don't kill the messenger!" – bevor Christian Drosten und Co. weitere Morddrohungen verdauen müssen.

Was sonst noch in Europa und der Welt passiert ist, haben wir wieder für sie zusammengefasst. Bleiben Sie gesund!

 
Die Lage in Deutschland

In einer Schalte zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Länderchefs ging es am Mittwoch um das weitere Vorgehen in der Corona-Krise.

Ergebnis: Die Menschen in Deutschland können sich auf erhebliche Lockerungen der Beschränkungen einstellen.

Bei dem Treffen setzte sich Merkel allerdings in einem wichtigen, bereits gestern berichteten Punkt durch: Die Länder bekommen zwar weitgehende Verantwortung für die Lockerung – sie sollen aber auch eventuell wieder nötige Verschärfungen garantieren. Konkret sollen die Bundesländer sicherstellen, dass in Landkreisen oder kreisfreien Städten mit mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in den vergangenen sieben Tagen sofort wieder ein konsequentes Beschränkungskonzept umgesetzt wird.

In der Schalte hatte es laut Teilnehmern heftige Diskussionen über diesen Punkt gegeben, weil vor allem die Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen diese Obergrenze nicht akzeptieren wollten. Am Ende habe sich aber Kanzlerin Merkel mit ihrem Vorschlag durchgesetzt, hieß es.

Die Lockerungspläne betreffen jede Menge Bereiche des öffentlichen Lebens:

So sind die Kontaktbeschränkungen grundsätzlich bis zum 5. Juni verlängert worden – allerdings einigten sich Bund und Länder darauf, dass sich künftig wieder Angehörige von zwei Haushalten treffen dürfen – also etwa zwei Familien, zwei Paare oder die Mitglieder aus zwei Wohngemeinschaften. Sie sollen weiterhin einen Abstand von 1,50 Metern zueinander einhalten.

In Kliniken, Pflegeheimen und Behinderteneinrichtungen darf jeder Patient oder Bewohner wiederkehrenden Besuch durch eine bestimmte Person empfangen. Unter Auflagen dürfen auch alle Geschäfte in Deutschland wieder öffnen – ohne Quadratmeterbegrenzung der Verkaufsfläche.

Auch Sportler dürfen sich freuen: Zum einen soll der Trainingsbetrieb im Breiten- und Freizeitsport unter freiem Himmel wieder erlaubt werden – wenn auch mit 1,5 bis zwei Metern Abstand und lediglich kontaktfrei. Zum anderen darf die Fußball-Bundesliga ihre unterbrochene Saison ab der zweiten Mai-Hälfte fortsetzen – selbstredend nur mit Geisterspielen.


Die Lage in Europa

Die Corona-Krise wird der Euro-Zone laut EU-Prognose eine beispiellose Rezession, ausufernde Verschuldung und steigende Arbeitslosigkeit einbrocken. Die EU-Kommission rechnet für 2020 mit einem Einbruch der Wirtschaft im Euro-Raum von 7,7 Prozent. Im nächsten Jahr soll es wieder um 6,3 Prozent bergauf gehen, wie die Brüsseler Behörde am Mittwoch zu ihrer Frühjahrsprognose mitteilte.

„Europa erlebt einen wirtschaftlichen Schock, der seit der Großen Depression ohne Beispiel ist“, sagte Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni. Zugleich werde sich Lage der öffentlichen Finanzen in allen Mitgliedstaaten spürbar verschlechtern, warnte der Italiener. Im Zuge der teuren staatlichen Rettungsmaßnahmen für die abgewürgte Konjunktur wird der Schuldenberg der Währungsunion demnach 2020 die Marke von 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts übersteigen.


Die Lage in der Welt

Während so mancher Regierungschef noch immer mit Infektions-Höchstwerten zu kämpfen hat, sind es für Russlands Präsident Wladimir Putin Tiefstwerte, die ihm zu schaffen machen: In der Corona-Krise verliert der Kreml-Chef an Zustimmung in der Bevölkerung.

Im April seien gar nur 59 Prozent der Befragten mit seiner Politik einverstanden gewesen, teilte das Meinungsforschungsinstitut „Lewada“ mit. Das sei der niedrigste Umfragewert seit mehr als zwei Jahrzehnten. Im März seien es noch 63 Prozent gewesen.

Unterdessen meldete Russland am vierten Tag in Folge mehr als 10.000 Neuinfektionen. Putin warnte vor vorschnellen Lockerungen. Jedes überstürzte Handeln in der Corona-Krise könne das bisher Erreichte zunichtemachen.

Apropos überstürztes Handeln: US-Präsident Donald Trump will offenbar die ranghoch besetzte Corona-Task-Force der USA auflösen, um sich auf die Wiederöffnung der Wirtschaft konzentrieren zu können. Die Menschen in Amerika seien „Kämpfer“ und wollten zurück an die Arbeit gehen, sagte Trump am Dienstag in Arizona.

Die Arbeitsgruppe im Weißen Haus, der unter anderem der Mediziner Anthony Fauci angehört, könne Ende Mai oder Anfang Juni aufgelöst werden, was ein Zeichen des „enormen Fortschritts“ im Kampf gegen das neuartige Coronavirus sei, sagte Vizepräsident Mike Pence. Trump dagegen räumte ein, dass es bei der von ihm angestrebten weitgehenden Lockerung der Corona-Beschränkungen weiterhin Neuinfektionen und Todesfälle geben werde. Harvard-Mediziner Ashish Jha wurde deutlicher: „Die Task Force jetzt aufzulösen, ist eine schrecklich Idee“, sagte er im Gespräch mit dem Sender CNN.

Trumps Erzfeind Iran zählt auf der anderen Seite der Erde nun über 100.000 nachgewiesene Infektionen und bleibt eines der am stärksten betroffenen Länder in der Nahost-Region. Binnen 24 Stunden seien 1680 Neuinfektionen registriert worden, teilte das Gesundheitsministerium mit. Damit seien nun 101.650 Ansteckungsfälle bekannt. 78 weitere Menschen seien im Zusammenhang mit dem Virus gestorben. Die Gesamtzahl der Todesfälle steige damit auf 6418.


Die Lage an den Börsen

Enttäuschende Konjunkturdaten haben den Dax am Mittwoch wieder klar ins Minus gedrückt. Nach einem zweieinhalbprozentigen Plus am Vortag fiel der deutsche Leitindex nun um 1,15 Prozent auf 10.606,20 Punkte.

Der MDax der mittelgroßen Werte gab um 0,15 Prozent auf 23.082,78 Punkte nach. Die Anleger mussten zur Wochenmitte eine Reihe belastender Wirtschaftsnachrichten verdauen.


Und was Hoffnung macht ...

Ein urlaubsloses Jahr 2020? Das muss nicht sein. Gut, diese Einschätzung kommt vom Tourismusbeauftragten der Bundesregierung, für den diese Hoffnung wohl zum Berufsbild gehört.

Dennoch ist es eine positive Nachricht, wenn über die griechischen Inseln und die Balearen Sätze wie dieser fallen: „Wenn es dort kaum noch Neuinfektionen gibt und die medizinische Versorgung funktioniert, könnte man auch über einen Sommerurlaub dort nachdenken." Das sagte Staatssekretär Thomas Bareiß (CDU) dem „Tagesspiegel“. Fernreisen fielen in diesem Sommer wegen der Corona-Krise vermutlich eher aus, aber es gäbe eben noch erwähnte spanische und griechische Inseln, und auch mit den Nachbarländern Deutschlands würden bereits Gespräche geführt, so Bareiß.

Zu einem möglichen Ansturm auf Urlaubsziele in Deutschland sagte Bareiß: „Deutschland ist groß. Mit etwas Kreativität findet in diesem Sommer jeder ein schönes Ziel, das er noch nicht kennt.“

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