Der bekannte unbekannte VerleumderVerstrickt im rechten Milieu 


Klaus Philipp Mertens

Frankfurt am Main (Weltexpresso) – Für den Begriff „Manipulation“ bietet das DUDEN-Fremdwörterbuch mehrere Erklärungen an. Die ersten drei lauten:

Ein bewusster und gezielter Einfluss auf Menschen ohne deren Wissen und oft gegen deren Willen.
Absichtliche Verfälschung von Informationen durch Auswahl, Zusätze oder Auslassungen.
Machenschaft, undurchsichtiger Kniff.

Insbesondere für Journalisten, Redakteure, Autoren allgemein, sollten das No-go-Areas sein. Denn Hinterhältigkeit, Verfälschung und Diskriminierung sind mit dem Selbstverständnis einer seriösen Publizistik unvereinbar. Genauso wie Rassismus und Rechtsradikalismus. Dennoch halten sich leider nicht alle an diesen Kodex. Einer, der sich seit mindestens vier Jahren im redaktionellen Umfeld von WELTEXPRESSO, also außerhalb seiner eingereichten Artikel, gut getarnt und für viele zunächst unauffällig, als rechter Propagandist betätigt und sich der Methoden dieses Milieus bedient, ist Bernd Hacke. Seinen Namen habe ich geändert.

Zufällig kreuzten sich unsere Wege. Wann und auf welche Weise, das skizziere ich im Folgenden.

Seit März 2016 bin ich regelmäßig mit Beiträgen in WELTEXPRESSO vertreten. Im Spätsommer desselben Jahres griff ich zum ersten Mal das Thema „Bedrohung durch Rechtsextremisten“ auf, da ich davon persönlich betroffen war und es auch noch weiterhin bin. Offensichtlicher Anlass war eine Veranstaltung der Literaturinitiative Pro Lesen e.V. in der Frankfurter Stadtbücherei, in der es einerseits um das Schicksal judenchristlicher evangelischer Pfarrer in der Nazizeit ging, andererseits um fremdenfeindliche Aktionen gegen Flüchtlinge von AfD und der mit ihr verbundenen „Neuen Rechten“.

Neue und alte Hakenkreuz-Fanatiker fühlten sich dadurch herausgefordert. Und sandten mir bzw. dem Bibliothekszentrum Frankfurt-Sachsenhausen und der Weltexpressoredaktion Droh- und Hassbriefe. Darin wurde mir z.B. ein baldiges Ende auf der Guillotine angekündigt. Nachdem der Staatsschutz den Haupttäter hatte ermitteln können, kam die Sache im Juni 2018 vor Gericht. Der Angeklagte hatte auch andere in ähnlicher Weise einzuschüchtern versucht, u.a. einen leitenden Mitarbeiter der IG Bau – Agrar - Umwelt und eine Gruppe der „Stolperstein“-Initiative. Das Amtsgericht Frankfurt verurteilte den Beschuldigten zu einer Geldstrafe. Gerichte in Limburg an der Lahn und Wetzlar hatten ihn in den Vorjahren wegen gleicher Delikte ebenfalls zu Geldbußen verurteilt. Doch auch nach dem Urteil von Frankfurt hörten die Anfeindungen nicht auf. Wenige Tage nach der Verhandlung teilte mir der Straftäter auf einer Postkarte mit:

„Heute schützt euch noch die regimedevote Justiz, morgen nicht mehr! Wenn der AfD-inspirierte Volkszorn erwacht, werdet ihr hinweggefegt und zur Verantwortung gezogen.“

In regelmäßigen Abständen folgten weitere Hassbriefe bzw. Postkarten mit Neonazi-Parolen. Bis zum Februar 2020 gingen insgesamt 38 ein. Staatsanwaltschaft und Staatsschutz ermitteln deswegen weiter.

Einige der besonders aggressiven Pamphlete (Leugnung des Holocaust, Vorlage für ein Spielbrett zum „Volksaustausch“) waren für mich Anlass, in WELTEXPRESSO darüber zu berichten. Auf diese Weise sind 16 Beiträge zustande gekommen. Darauf reagierte Bernd Hacke in mehreren an mich gerichteten E-Mails.
Zunächst pflichtete er mir bei, verurteilte diese primitive Art von Diffamierung, wies aber gleichzeitig darauf hin, dass es auch Rechte bzw. Rechtskonservative gäbe, die eine andere Art der Auseinandersetzung pflegten. Namentlich erwähnte er Martin Sellner und Martin Lichtmesz, zwei Österreicher, die der Führung der rassistischen „Identitären Bewegung“ angehören. In meiner Antwort, die nicht veröffentlicht wurde, machte ich deutlich, dass ich diese Herren dem neu-braunen Spektrum zurechnete und sie für einen demokratischen Diskurs nicht geeignet hielte.

In einem Nachruf auf den am 18. August 2016 in WELTEXPRESSO publizierten verstorbenen Historiker Ernst Nolte, der durch seine Interpretation des Dritten Reichs 1986 den „Historikerstreit“ ausgelöst hatte, machte sich Hacke Noltes Thesen indirekt zu eigen. Darauf antwortete ich ihm in WELTEXPRESSO am 21. August 2016 und wies sowohl Noltes Thesen als auch Hackes relativierte Zustimmung entschieden zurück.
Möglicherweise war das für Hacke der endgültige Anlass, mir den Krieg zu erklären. Denn in der Folgezeit erhielt ich von ihm E-Mails, in denen er einerseits einige meiner Beiträge fast überschwänglich lobte und andererseits meine Position gegenüber den Neu-Rechten und deren Publikationen (vor allem die Wochenzeitung „Junge Freiheit“ und die Zweimonatsschrift „Sezession“) heftig kritisierte.

Doch seine E-Mail vom 9. Dezember 2020 war der endgültige Anlass, sich mit Bernd Hacke auch öffentlich auseinanderzusetzen, was zu diesem Beitrag führte. Denn er schrieb mir:

“Ihre letzten Schreiben treiben mich wieder einmal an den Rand der Verzweiflung und lassen in mir die Frage aufkeimen: Was wohl Rudolf Höß dazu sagen würde?

Eine andere Frage: Haben Sie sich nie gefragt, warum immer nur Sie (und jenes ominöse – ominös wie die 6 Millionen, von denen Rolf Peter Sieferle spricht! – andere weltexpresso-Mitglied, dessen Namen mir zu nennen Sie sich beharrlich weigern) Drohbriefe von Rechten oder auch nur vermeintlich Rechten bekommen, ich hingegen aber noch nie?

Wohl aber habe ich für einige meiner Artikel explizites Lob von Leuten erhalten, die man gemeinhin dem rechten Spektrum zurechnet – Martin Sellner und Martin Lichtmesz sind da nur die prominentesten Namen!”

Zur Klarstellung: Rudolf Höß war Kommandant von Auschwitz. Der Historiker Rolf Peter Sieferle verfasste die Textsammlung „Finis Germania“, erschienen im rechtsgerichteten Antaios Verlag, in der das Dritte Reich kultisch verehrt wird („Auschwitz ist zum letzten Mythos einer durch und durch rationalisierten Welt geworden“). Zu Martin Sellner und Martin Lichtmesz habe ich mich bereits oben geäußert. WELTEXPRESSO verfügt nach meiner Kenntnis nicht über Mitglieder, sondern ausschließlich über Redakteure, Beiträger und – nicht zuletzt und vor allem – Leser. Und es ist nicht meine Sache, die Namen anderer, die im Fadenkreuz faschistischer Organisationen stehen, öffentlich zu machen.
Doch die Frage, warum er keine Droh- und Hassbriefe erhielte, kann ich beantworten. Hacke wird nicht bedroht, weil er mutmaßlich nie gegen nationalistische Brandstifter protestiert hat. Möglicherweise sympathisiert er sogar mit ihnen.
Immerhin hatte er in einer E-Mail vom 4. Dezember, die augenscheinlich an mehrere Adressaten gerichtet war, erklärt:

„Hallo, liebe Mit-Coronaleugner, Mit-Querdenker, Mit-Verschwörungstheoretiker! Ja, ich bin der Bernd Hacke aus G., und ich fühle mich wie Adolf Hitler!“

Das war keine Satire, das war ein Bekenntnis, das provozieren sollte.

Bernd Hacke konstruiert Zusammenhänge, die es real nicht gibt und bedient sich einer einfachen, aber sehr wirkungsvollen Manipulationstechnik, um breiteste Aufmerksamkeit zu erzielen. Er leitet E-Mails, die an ihn persönlich und häufig mit dem Vermerk „vertraulich“ gesandt werden, als so genannte „Blind Copys“ an seinen eigenen Verteiler weiter. In diesem Adressatenpool befinden sich auch Personen, die niemals direkten Kontakt zu ihm hatten. Bis heute ist nicht geklärt, wie er an diese Namen und Adressen gelangen konnte. Ein typisches Beispiel ist Jenny Sauer (Name geändert). So schrieb er mir am 22. November 2020:

„Was macht eigentlich Ihre Mitarbeiterin, die mich im letzten Jahr der Ermordung Walter Lübckes bezichtigte oder mir zumindest eine geistige Nähe zum “NSU 2.0” unterstellte?“ Dem ging am 14. Oktober eine weitere haltlose Anschuldigung voraus: „Ich bin also in Ihren und wohl auch in Frau Sauers Augen ein Verschwörungsverteiler aus einem dubiosen, wenn nicht gar: dubiösen Milieu???“
Bleibt nachzutragen, dass Frau Sauer weder meine Mitarbeiterin noch Vorstandsmitglied der Literaturinitiative Pro Lesen e.V. war oder ist. Er hat ihre Adresse irgendwo abgegriffen und baut sie in sein paranoides Weltbild ein.

Ähnlich am 4. Oktober 2020: „Und nochmals: Ich habe Walter Lübcke nicht ermordet! Wer so etwas behauptet, ist geisteskrank!!!“

Er stellt sich als Opfer dar und scheut sich nicht davor zurück, sich selbst schlimmster Vergehen zu bezichtigen, um sich anschließend empört von seinen eigenen Behauptungen zu distanzieren, indem er anderen vorwirft, diese erhoben zu haben.

Ein weiteres und sehr typisches Beispiel ist die wiederholt geäußerte falsche Unterstellung, ich stünde mit dem mir unbekannten Schriftsteller H. in beruflichem und privatem Kontakt. Am 11. Dezember 2020 wetterte er in einer E-Mail: „Sie haben jetzt knapp drei Jahre gebraucht, um einzuräumen, dass Ihr Saufkumpan H. in seinem Artikel offenkundigen Blödsinn verzapft hat, sind jedoch zu feige, dieses Faktum ihm und der WELTEXPRESSO-Redaktion gegenüber anzusprechen?“
Bereits vier Wochen zuvor, am 13. November, hatte er mir gemailt: „Wenden Sie sich doch lieber an H. oder an den dreckigen Lügner und Geschichtsfälscher K. [Anmerkung von mir: einen WELTEXPRESSO-Beiträger] – ich habe Ihnen das FAZ-Dossier zukommen lassen, aber Sie waren offenkundig zu feige, Ihren falschen Propheten damit zu konfrontieren.“
Und am 29. November ergänzte er: „Ich bin fassungslos über das, was Sie mir hier schreiben! Im Augenblick nur zum Wichtigsten - zu Bertrand Russell: Sie haben diesen Unfug mit der fünfjährigen Haftstrafe nie behauptet, wohl aber unser allerliebster Rollstuhlfahrer der Herzen: H.! [...] Aufgrund meiner Kritik an diesem Artikel wollten Sie mich doch im Sommer 2019 anzeigen bzw. mich mit dem Lübckemord in Verbindung bringen.“
Da hatte er anscheinend selbst den Faden verloren. Statt Jenny Sauer soll ich ihn der Beihilfe zum Mord beschuldigt haben. Gut möglich, dass ihm noch weitere Verdächtige einfallen werden.

Diese (zumindest von meiner Seite) vertrauliche Korrespondenz machte er innerhalb seines Verteilers öffentlich. Daraufhin hatten sich neben mir auch andere Mail-Empfänger bei ihm gemeldet und ihm die Weitergabe jedweder Post untersagt. Ebenso wurde er aufgefordert, künftig keine E-Mails mehr an diese Personen zu senden. Seine Reaktion darauf war wieder typisch. In einer E-Mail vom 31. Dezember schrieb er: „Habe gerade einen Hinweis auf eine erneute Weiterleitung meiner letzten Mails erhalten! Werde das ab jetzt juristisch verfolgen!
Unterhalte zum Glück seit einiger Zeit Verbindungen zu einem scharfen AfD-Anwalt; da wird es einiges zu tun geben, wenn wir nun endlich die Übeltäter zu ermitteln und mit der ganzen Härte dieses unseres nicht zuletzt durch mein Idol Fritz Bauer mitgestalteten Rechtsstaates zu bestrafen vermöchten!“

Dass die AfD in irgendeiner Weise mit von der Partie sein könnte, hatte ich bereits vermutet. Das Bundesamt für Verfassungsschutz erwägt, wie unlängst gemeldet wurde, die Überwachung der gesamten Partei, nicht nur des so genannten und nominell aufgelösten „Flügels“ sowie der Jugendorganisation „Junge Alternative“. Bernd Hacke und die AfD – da scheint zusammenzuwachsen, was zusammen gehört.

Am 6. Januar 2021 wurde er in einer E-Mail erneut persönlich: „Ich betone nochmals, dass ich nichts Vertrauliches weitergeleitet bzw. meinetwegen auch „wissentlich weitergeleitet“ habe, aber ich werde darüber nachdenken, ausgewählte Ihrer Mails an alle Leute weiterzuleiten, welche Sie, lieber Herr Mertens, als Waschlappen, Wichtigtuer und vor allem als Heuchler gegenüber Ihren Freunden H. und K. zum Beispiel bloßzustellen geneigt sind, wenn hier weitere Verunglimpfungen meiner Person erfolgen oder Sie mir meine Fragen zu beantworten weiterhin verabsäumen sollten.“

Nein! Seine Fragen, genauer formuliert: seine Provokationen, werde ich nicht beantworten. Ich werde lediglich schreiben, was der Fall ist. So wie in diesem Artikel.

Foto:
Kollage „Der bekannte unbekannte Verleumder“
© MRG

Info:
Nachricht aus der Redaktion:

Auf diesen Artikel, der erstmals am 22.1. 2020 veröffentlicht wurde, bekam der Autor den Brief einer Kollegin, die schon in WELTEXPRESSO veröffentlicht hatte, und etwas Typisches zum Gehilfen, Bernd Hacke, beitragen konnte:

Lieber Herr Mertens,
Ihren Artikel über den Gehilfen - Bernd Hacke - las ich mit großem Interesse. Vielleicht interessiert es Sie, dass besagter Herr in der von Ihnen dargestellten Weise bereits in die Literatur eingegangen ist - und zwar als "Schwarzer Riese" in einer Erzählung von Mercy Okojie, einer Lehrerin, die aus Nigeria stammt. Ich habe das Buch in "africa live" rezensiert, das auch ein sehr bezeichnendes Porträt des Gehilfen enthält. Hier der link zu meiner Rezension:
https://www.africa-live.de/buch-tipp-bevormundung-und-ethnische-vorurteile-erfahrungen-einer-nigerianischen-lehrerin-in-deutschland-mercy-okojies-mitreissende-satiren/#more-5838
Viele Grüße
Ester Awonoor

Das hat uns natürlich sehr interessiert, weshalb wir sie baten, uns Ihre Rezension zur Verfügung zu stellen, die Sie im Vorartikel lesen können. 


Aber hier schon die Einschätzung durch einen Auszug  Ester Awonoors Rezension von "Mercy Okojie: Die Boa und ich"

"Neben der Boa lernt der Leser auch noch andere Zeitgenossen kennen, die man als Beispiele missglückten Lebens bezeichnen könnte und denen man heutzutage immer öfter begegnet. Da wäre etwa der „Schwarze Riese“, der mit der Autorin befreundet gewesen war und ihre Texte lektoriert hatte. Obwohl schon Mitte vierzig, wohnt der Lektor noch immer im Hotel Mama und schreibt seit zwanzig Jahren an seiner Doktorarbeit. Nicht allein weil er sein Thema verfehlt hat, sondern auch aus Angst vor den „weitreichenden Lebensentscheidungen“ nach der Promotion scheitert er an der Fertigstellung. Als die Autorin ihren Lektor einmal zu einem afrikanischen Gottesdienst einlädt und er sich „mit Händen und Füßen sträubte – als käme eine schmerzhafte Beschneidungszeremonie auf ihn zu“, wird ihr klar, dass er eine tiefsitzende „Phobie vor Afrikanern“ hat. Und es ist für sie nicht verwunderlich, dass der „Schwarze Riese“ aus seiner Einsamkeit ausbricht und mit den Neuen Rechten sympathisiert, um mit ihren Kreisen schließlich Kontakt aufzunehmen. John Bridge, der kongeniale Illustrator des Buches, hat von dem Lektor ein eindrucksvolles Porträt beigesteuert: ein vergreistes, stark übergewichtiges Kleinkind, dessen sinnentleerter Blick durch eine schief sitzende Brille, ein Kassengestell des letzten Jahrhunderts, sich in den Betrachter verbohrt, ohne ihn jedoch erreichen zu können."

Hier die bibliografischen Daten:
Mercy Okojie: Die Boa und ich – Schulsatiren aus dem Neuen Deutschland
Verlag Traugott Bautz GmbH; Nordhausen
60 Seiten, Ladenpreis 8 Euro
Erschienen im April 2020
ISBN 978-3-95948-458-9

Über alle weiteren Begebenheiten, denn es gab viel Resonanz, gehen wir ein andermal ein.