Bildschirmfoto 2024 04 16 um 23.49.55In einem bahnbrechenden Urteil erklärt ein argentinisches Gericht den Iran und die Hizbollah für den Bombenanschlag auf ein jüdisches Zentrum 1994 für verantwortlic

Redaktion tachles

Buenos Aires (Weltexpresso) - Ein argentinisches Gericht hat entschieden, dass der Iran und die Hizbollah hinter dem Bombenanschlag auf das jüdische AMIA-Gemeindezentrum in Buenos Aires im Jahr 1994 stecken. Dies ist ein Meilenstein in der Abrechnung mit dem antisemitischen Anschlag, der die Tür für internationale rechtliche Schritte öffnen könnte.

In einem fast 800-seitigen Urteil erklärte das höchste Strafgericht des Landes am Donnerstag, dass der Iran den Bombenanschlag auf die AMIA im Jahr 1994, bei dem 85 Menschen getötet wurden, geleitet hat, und bezeichnete den Anschlag als «Verbrechen gegen die Menschlichkeit» und den Iran als «terroristischen Staat». Der Bombenanschlag war seinerzeit der tödlichste Einzelanschlag auf Juden seit dem Holocaust. Zwei Jahre zuvor waren bei einem Bombenanschlag auf die israelische Botschaft in Buenos Aires 29 Menschen getötet worden.

Die Kontroverse über den Bombenanschlag und die Frage, wer dafür verantwortlich ist, hat die argentinische Politik und das argentinische Rechtssystem jahrzehntelang erschüttert.
Im Jahr 2015 wurde Alberto Nisman, ein jüdischer Staatsanwalt, tot in seiner Wohnung aufgefunden, kurz bevor er Beweise dafür vorlegen wollte, dass die damalige Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner die Rolle des Iran bei dem Anschlag vertuscht hatte. Kirchner hatte 2013 eine Vereinbarung mit Iran unterzeichnet, die es Iran und Argentinien ermöglichte, den Anschlag gemeinsam zu untersuchen.

Ein offizieller Bericht stellte 2017 fest, dass Nisman ermordet wurde. Kirchner war später von 2019 bis 2023 Vizepräsidentin Argentiniens und wurde kurz vor ihrem Ausscheiden aus dem Amt wegen Korruption verurteilt.

Foto:
Eine Erinnerungsmauer mit Namen von Opfern des Terrorangriffs von 1994
©tachles


Info:
Nachdruck des Artikels mit freundlicher Genehmigung aus dem Wochenmagazin TACHLES vom 16. April 2024