Das gesamte Diasporajudentum sagt seine Teilnahme an einer Antisemitismus-Konferenz in Jerusalem ab
Redaktion tachles
Jerusalem (Weltexpresso) - Der Grund: Die europäischen Rechtsextremen sind mit dabei.
Wenn gestern in Jerusalem die Antisemitismus Konferenz der israelischen Regierung began, dann wird Diaspora-Minister Amichai Chikli vor allem mit Rechtsextremisten und Rechtspopulisten zusammensitzen. Denn die Juden, die eingeladen waren, die bleiben weg. Ob Bernard Henri Levy oder der britische Oberrabbiner Sir Ephraim Mirvis oder alle großen jüdischen Diaspora-Organisationen, sie alle sind stinkwütend auf Chikli und die israelische Regierung über den Schmusekurs mit Parteien, die Antisemitismus und Faschismus in ihrer DNA haben.
So werden also Jordan Bardella vom Rassemblement National da sein, Vertreter der Schwedendemokraten und der spanischen Vox-Partei, und natürlich auch eine Vertreterin der ungarischen Fidesz-Partei von Viktor Orbán.
Arie Muzicant, der Wiener Präsident des European Jewish Congress, beschimpfte die israelische Regierung, sie würden die Diaspora Gemeinden in den Rücken stechen. Die europäischen Juden kämpfen einen immer verzweifelteren Kampf zwischen linken und rechten Antisemitismus eingepfercht zu sein, sie kämpfen dafür, dass Rechtspopulisten aus dem liberalen Konsens ausgegrenzt werden und dann kommt die rechtspopulistische israelische Regierung und verbrüdert sich mit Judenfeinden, die die Konferenz gerne für sich nutzen wollen, um sich reinzuwaschen und zu zeigen, dass man doch gar nicht antisemitisch sein könne.
Das haben natürlich auch nichtjüdische Gäste erkannt und so sagten auch Felix Klein, der Antisemitismus-Beauftrage der deutschen Bundesregierung, ebenso ab wie Volker Beck, der Präsident der deutsch-israelischen Gesellschaft. Der britisch-jüdische Antisemitismus-Experte David Hirsh, der seine Teilnahme ebenfalls zurückzog, erklärte deutlich, was da geschieht: «Israel könnte den Ratschlägen der örtlichen jüdischen Gemeinden aufmerksamer zuhören, und es sollte der populistischen Rechten, die faschistischen Antisemitismus in ihrem Erbe und in ihrer Anhängerschaftz hat, kein offizielles Gütesiegel ausstellen». Doch wen in Jerusalem interessiert noch die Meinung der Diasporajuden? Hier beginnt evident zu werden, was sich schon lange ankündigte: Eine allmähliche Trennung israelischer und jüdisch-diasporischer Interessen. Die Spaltung könnte dem gesamten Judentum noch sehr weh tun.
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Nachdruck des Artikels mit freundlicher Genehmigung aus dem Wochenmagazin TACHLES vom 27. März 2025