Nicht immer die allerneuesten, aber richtig gute Bücher verschiedener Genres und Themen, Teil 23/30

 

Elisabeth Römer

 

Frankfurt am Main (Weltexpresso) Wir hatten uns in der „Illustrierten Geschichte der Kriminalliteratur“ so richtig festgelesen, weil wir uns viele der alten angegebenen Quellen anschauten. Es ist nämlich nicht einfach, die allgemeine Meinung, der Kriminalroman sei eine Erfindung des 19. Jahrhunderts fallen zu lassen. Aber das ist nötig, das sehen wir ein. Warum sollten alle anderen Literaturgenres, der Liebesroman, das Sachbuch, die Lyrik, die Geschichtserzählung schon dagewesen sein und der Krimi nicht. Schließlich morden die Leute einander, seit es sei gibt.

 

 

Die Große Enzyklopädie der Serienmörder

 

Dies umfangreiche ist eine Übersetzung aus dem Amerikanischen, wurde aber durch viele weiteren Fälle, insbesondere aus Europa ergänzt. Das zweispaltige Werk ist wirklich ein Lexikon, da in alphabetischer Reihenfolge diese Spezie der Serienmörder benannt werden. Sinnvollerweise wird allerdings da, wo eine Stadt als Mordort bekannter ist als die Täter oder diese nie gefaßt oder zumindest teilunschuldig waren, der Ort genannt. Beim Durchblättern dieses ABCs fallen dann Sonderfälle wie FRAUEN ALS SERIENMÖDER oder JUGENDLICHE SERIENMÖRDER, am meisten aber MYTHISCHE MORDFÄLLE auf.

 

Mythische Mordfälle sind einerseits solche, wo nachweislich oder per Vermutung Literaten ihre Serienmörder erfunden haben. „Einer der frühesten und bestimmt am öftesten übertrieben dargestellten Fälle ist der von JACK THE RIPPER“. Von fünf nachweislichen Leichen sei auf 20 aufgestockt worden, da sich dieses Thema in den Zeitungen und Büchern gut verkauft hätte. Wir haben mit großer Spannung vor Jahren WER WAR JACK THE RIPPER? PORTRÄT EINES KILLERS von Patricia Cornwell aus dem Verlag Hoffmann und Campe gelesen, die dem uns gut bekannten deutschstämmigen und in England reüssierten Maler Walter Sickert die Morde in die Schuhe schiebt und dies genetisch mit der Spucke unter der Briefmarke der frechen Briefe des Mörders an die Polizei beweisen will.

 

Aber es war ja ein echter Mordfall, bei Jack the Ripper bezieht sich das „Mystische“ dann eher auf die Aufblähung der Anzahl der Opfer und auch des Motivs des Mörders, von denen nicht wenige auf eine Frau kamen, da den Toten die inneren Organe der Fortpflanzung entfernt worden waren, es aber keine Sexualdelikte waren. Von den allerallermeisten Serientätern, die das Buch auflistet, hatten wir noch nie gehört und wie es immer ist, will man ein Buch besser beurteilen können, liest man da nach, was man kennt: und das sind die deutschen Fälle. Noch in Erinnerung Jürgen Bartsch. Er hatte drei männliche Jugendliche in eine Höhle verschleppt und extrem grausam getötet. Beim Durchlesen der 6 Spalten stolpert man: „Später behauptete er sogar, dort von einem geistlichen Erzieher sexuell mißbraucht worden zu sein“ S. 25 Dort, das ist ein katholisches Internat, in das er mit 10 Jahren kam. Einmal ganz abgesehen davon, daß ein Mißbrauch keine Mordentschuldigung ist, würde man heute aber den Sachverhalt sicher anders formulieren, zumindest ein 'sogar' unterlassen.

 

Jürgen Bartsch wurde übrigens bei voller Zurechnungsfähigkeit zu fünfmal lebenslänglich verurteilt und man schüttelt sich, wenn man die grausamen Details liest, denn in Erinnerung blieb einem nur das harmlose Kindergesicht. Er selbst hat nicht nur gestanden, sondern sich in aller Ausführlichkeit mit seinen Exzessen noch gebrüstet. Fritz Haarmann, der wohl bekannteste deutsche Serienmörder, hat es eigenen Angaben nach auf „dreißig oder vierzig, ich erinnere mich nicht genau“ gebracht, die Rede ist von Opfern, von denen er für 24 Mordfälle verurteilt wurde. In diesen Beiträgen sind die sozialen Verhältnisse der Mörder sehr detailliert dargestellt, was wichtig ist, auch wenn aus schlimmen Verhältnissen und düsterer Kindheit nicht zwangsläufig einer zum Mörder wird.

 

Diese zwei Fälle sind angesichts der großen Vielfalt viel zu wenig. Aber es geht jetzt nur darum, daß Terrain zu sondieren, damit Sie Bescheid wissen. Es ist zwar harte Kost, in dieser Enzyklopädie zu lesen, aber sehr lehrreich.

 

Habe die Ehre! Eine Mafia-Komödie

 

Zum Erholen von der Wirklichkeit, noch schnell diesen Roman vom Sizilianer Ottavio Cappellani aus dem Rowohlt Verlag hinterherschicken. Der Ausgangspunkt ist hinreißend. Ein Avantgarderegisseur macht sich an, für Siziliens Freilichtbühnen mit Laiendarstellern ROMEO UND JULIA zu inszenieren, wobei den Romeo ein Sechzigjähriger spielt. Das mag nicht jeder, daß aber bei jeder Aufführung beim über die Dörfer Ziehen ein Schuß fällt und jedesmal der jeweilige Kulturreferent der jeweiligen Gemeinde tot umfällt, das macht die Angelegenheit gefährlich. Als Groteske kommt dieser Roman daher, der komisch eine böse Wirklichkeit aufarbeitet.

 

 

Info:

 

Michael Newton, Die Große Enzyklopädie der Serienmörder , 5. aktualisierte und erweiterte Auflage, Verlag V.F. Sammler im Leopold Stocker Verlag 2009

 

Ottavio Cappellani, Habe die Ehre! Eine Mafia-Komödie, Rowohlt Verlag2009