b bucherDUMONT-KALENDER 2018, Teil 2/2

Helmut Marrat

Deutschland (Weltexpresso) - Sehr gut gefällt mir auch der Kalender, der besonders ausgefallene Buchläden zeigt. Sein Titel ist englisch und lautet: "Around the world in 100 bookshops"; Torsten Woywod ist sein Fotograf. Hier sieht man ein ehmaliges prächtiges Theater umfunktioniert zu einem Buchgeschäft. (Ich sah einmal in Los Angeles ein ähnlich prächtiges Theater, nur noch genutzt als Supermarkt für Billigkleidung.)

bgraserAber besser so, als wenn das Theater abgerissen würde. So bleibt es erhalten und kann jederzeit in seine ursprüngliche Funktion zurückverwandelt werden. - Diese Kalender zeigt daneben natürlich noch ganz andere frappierende Buchgeschäfte: Teils blickt man durch eine Art Bullauge, aus Büchern geformt, teils warten ganz andere Überraschungen auf den Betrachter. Und Überraschungen sind es in allen Fällen! -

"Gräser im Garten" gehört immer zu meinen Lieblingskalendern. Es ist ein schlanker hochformatiger Kalender, ganz als sei er seinem Thema nachgebildet worden. Und er zeigt Ausschnitte aus der Natur, Ausschnitte aus Gärten. Diese Ausschnitte sind so gut gewählt, dass man den restlichen Garten drumherum in der Phantasie selbst nachbildet. Pars pro toto – nennt man das in der Kunst. Und kunstvoll sind diese Fotografien auch. (Ja, ich weiß, man müsste dieses Wort nun auch griechisch jeweils mit 'ph' schreiben, wenn man es schon bei 'Phantasie' vorgemacht hat. Ich weiß. Aber die Worte lösen sich selbst ab von ihrer Herkunft, stehen für sich selbst. Und Phantasie klingt doch vielleicht – oder sieht jedenfalls doch vielleicht phantasievoller aus als Fantasie ...!) 

b toscanaWas mich auch angesprochen hat, war der Titel: "Meine Toscana". Die Toskana gehört ja zu den am meisten favorisierten Landschaften Italiens. Vielleicht ist nur der Wein daran Schuld? Oder die Toskana-Hauptstand Florenz? Sie erscheint jedenfalls auf dem Titelfoto, ein abendlicher Blick über den Arno, die Brücken, im Zentrum natürlich der Ponte Vecchio, diese noch mittalalterlich mit Geschäften und Häusern bebaute Brücke, wie es vor mehreren hundert Jahren noch viele in europäischen Städten gab, zum Beispiel auch in Paris. Und dann zeigt dieser Kalender natürlich die Herrlichkeiten der toskanischen Landschaften, die grünen Hügel, die Pinien, die Küste, die Kirchtürme, das Leben! 

Zu der selben Serie gehört "Mein Kroatien". Das Titelbild zeigt die Festung, den Hafen, den Dom und einen Teil der Altstadt von Dubovnik. - Aber auch andere Herrlichkeiten Kroatiens fehlen nicht: Die vielen Venedig nachgebildeten Hafenstädte Istriens wie Rovinij oderb kroatien Poric. Der Diokletianspalast in Split. Die rauen Küstenlandschaften und traumhaften Strände. Den Karst. Die Plittwitzer Höhlen. (Gegenden, in denen während der 1960er Jahre die Karl-May-Filme gedreht wurden). Und die ganze Faszinationskraft des üppig-kargen Kroatiens ...! 

Es fällt nicht leicht, sich an diesen Kalendern satt zu sehen. Aber man hat sie ja auch ein ganzes Jahr! 30 Tage für ein Foto. Und hier ist es immer auch ein Können in der Auswahl: Denn ein Foto muss auch 30 Tage lang interessieren. Das ist so leicht nicht. Und der Kalender muss ja auch insgesamt überzeugen. Das ist wie ein Film: Man blättert von vorne nach hinten durch – und die Abfolge muss stimmen. Das muss zusammenpassen, sich aufbauen, steigern, Höhepunkte liefern und sich am Ende runden wie das Jahr.

Es spricht für das DuMont-Team, dass dieser Ablauf bei all diesen hier ausgewählten Kalender überzeugt. Und natürlich: Es ist nur eine Auswahl! Wenn auch, wie wir natürlich finden, eine besonders reizvolle. Aber es gibt kaum ein Thema, das vom DuMont-Kalenderverlag nicht bedient wird. Fußball, Technik, Alt-Köln, Rätsel, Blumen, Gärten, Kunst und Sterne ... Die Auswahl ist immer wieder beeindruckend. Und so genießt man seine eigene Auswahl natürlich und freut sich gleichzeitig auf die Auswahl für 2019, die ja jetzt schon gerade wieder gesichtet und durchgeführt wird. Seien wir auch weiterhin gespannt ...

Aber eine wichtige Frage ist ja noch offen! Vom Anfang her ... Also: Das Wort 'Kalender' entstammt dem Lateinischen Calendarium (Schuldbuch). Das war ein Verzeichnis der 'Kalendae', der jeweils ersten, auszurufenden Tage der antiken Monate (calare = ausrufen). An diesen besonderen Tagen wurden Kredite ausgezahlt, wurden Zinsen für laufende Kredite fällig oder mussten diese Kredite zurückbezahlt werden. Das Wort Kalender hängt also ganz direkt mit Geld und Schulden zusammen. Es ist die auf Monate aufgeteilte Ernährungsfrage jedes Einzelnen, jedes Unternehmens, jedes Landes. Als einen negativen Begriff kann man 'Kalender' daher aber nicht bezeichnen, denn er geht ja auch auf etliche positive Aspekte zurück. 'Kalender' ist also, ganz generell gesagt, ein Begriff, der mit der Versorgung zusammenhängt. Monatlich wird ja auch ein Lohn, Gehalt, eine Pension oder eine Rente gezahlt. Jeden Monat beginnt die Rechnung um Einkommen und Auskommen neu, werden die Konten neu bilanziert. Die Bilanz der optischen Konten bei DuMont ist jedes Jahr, darauf kann man sich verlassen, was viel wert ist in einer Welt der dauerhaften Veränderungen, jedenfalls: positiv!

Fotos:
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