Serie: Deutscher Buchpreis 2011, Teil 5

 

von Felicitas Schubert

 

Frankfurt am Main (Weltexpresso) - Klaus Modick hat „Sunset“ im Eichborn Verlag herausgebracht und man ist froh darum, daß der noch im Februar 2011 erschienen ist und so eingeschlagen hat, daß er nun schon in der fünften Auflage herauskommt. Dem Eichborn Verlag also alles Gute. „Sunset“ ist ein sozusagen süffiger Roman, der gekonnt Reflexionen und Erinnerungen des im Dritten Reich in die USA emigrierten deutschen Schriftstellers Lion Feuchtwanger in Romanform bringt und dabei die Gegenwart des kalifornischen Exils 1956 hineinflicht, wo Brecht stirbt und mit ihm eine ganze Welt.

Astrid Rosenfelds Roman „Adams Erbe“ ist im Verlag Diogenes erschienen. Geboren 1977 in Köln, lebt und arbeitet – vorwiegend in der Filmbranche - sie heute in Berlin und legt mit „Adams Erbe“ ihren ersten Roman vor. Eigentlich ist Edwards Erbe, er ist die tragende Figur,  seine Ähnlichkeit mit seinem Onkel Adam. Der Roman verknüpft nun beider Leben und die Zeiten derart miteinander, daß kein Nacheinander, sondern eine vielstimmige Aussage zu den schwarzen Jahren der Deutschen und Juden herauskommt. Herrliche Figurendarstellung, gerade wegen ihrer leicht stereotypen Art.

 

Eugen Ruge ist 1954 im Ural geboren. „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ ist im September 2011  im Rowohlt Verlag erschienen. Sein generationsübergreifender Roman um eine Familie vom Ost-Anfang bis zur West-Wende greift typische deutsche Familienschicksale auf, hat also einen wirklich geschichtlichen Hintergrund, ist aber auch sprachlich Dichtung, auf die wir noch ausführlich eingehen werden.

 

Marlene Streeruwitz veröffentlicht „Die Schmerzmacherin“ wie ihre anderen Werke im S.Fischer Verlag in Frankfurt, dieses im September 2011. Die in Baden bei Wien geborene Österreicherin schreibt auch Theaterstücke, inszeniert und verfasst Hörspiele. Sie hat viele Preise erhalten, darunter den Droste-Preis und den Peter-Rosegger-Literaturpreis. Immer sind es Frauen, die schicksalhaft geprüft werden, aber nie sind es solche mit einem herkömmlichen Lebens- und Leidensweg. Amy Schreiber hat viel vor und will beruflich in der internationalen und expandierenden Sicherheitsindustrie ihren Mann stehen. Das Leben will anderes von ihr, sie aber versucht widerständig sich mit dem angeblichen Schicksal und den realen Schicksalsschlägen nicht zu arrangieren, sondern herauszubekommen, wie sie ihr von anderen zugedacht werden.

 

Antje Rávic Strubel hat „Sturz der Tage in die Nacht“ ebenfalls im S. Fischer Verlag - im August 2011  -  herausgegeben. Sie wurde 1974 in Potsdam geboren, lebt in Berlin und hat seit 2001 viele und regelmäßig Romane veröffentlicht, die öfter prämiert wurden, zuletzt erhielt sie den Rheingau-Literatur- und den Hermann-Hesse-Preis. Erik ist ein junger Mann, der auf einer Vogelsschutzinsel im Schwedischen einer Ornithologin begegnet und dadurch, nämlich die Liebe in einen Strudel von Selbsterfahrung und Erfahrung eines als Stasilegende erdachten Lebens gerät, der sein Widersacher ist.

 

Es ist immer schwierig zu einer Auswahl selbst etwas zu sagen, wenn man den Gehalt des Möglichen nicht kennt. Zwar kennt man den Umfang der 198 von den Verlagen eingereichten und von der Jury angeforderten Bücher, aber weiß nicht genau, um welche es sich bei der doch sehr viel umfangreicheren Produktion deutschsprachiger Bücher handelt. Die Verlage halten sich sehr bedeckt mit Angaben, welche beiden Romane sie zum Deutschen Buchpreis eingeschickt hatten. Auffällig, daß der erfolgreiche Hanser Verlag mit seinem erfolgreichen Leiter Michael Krüger erneut drei Romane unter den ersten Zwanzig hat. Aber auch die anderen großen Verlage wie Rowohlt, Suhrkamp und Fischer sind diesmal prominent vertreten wie auch Kiepenheuer & Witsch oder DuMont.

 

Dennoch fällt diese Zwanzigerliste wie kaum zuvor dadurch auf, daß sie viele Unbekanntere und vor allem kleinere Verlage zum Zug kommen läßt. Wie jeder weiß, ist dort die Autorenpflege besonders intensiv. Es fällt auch auf, daß inzwischen die in der DDR groß gewordenen oder ihr entstammenden Autoren ausgewählt werden, wobei es in diesem Jahr sehr viele biographisch anmutende Entwicklungsromane gibt, die das gesellschaftliche Umfeld im Privaten widerspiegeln. Die ist inhaltlich auffällig. Schweizer und Österreicher sind dabei, sowohl was die Autoren wie auch die Verlage angeht. Mehr nach dem 15. September, wenn die Kurze Liste der sechs Finalisten bekanntgegeben wird. Fortsetzung folgt.

 

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