Universität, Stadt und Ortsbeirat präsentieren gemeinsam neue Ortsschilder in Frankfurt

 

Roman Herzig

 

Frankfurt am Main (Weltexpresso) - Mit dem Norbert-Wollheim-Platz, dem Theodor-W.-Adorno-Platz und der Max-Horkheimer-Straße hat der Campus Westend drei neue Ortsbezeichnungen erhalten. Leider fehlt ein Fritz-Bauer-Platz, zudem auch der, der eine Frau würdigt.

 

Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff enthüllte im Rahmen einer Feierstunde gemeinsam mit Frankfurts Bürgermeister Olaf Cunitz, dem Ortsvorsteher des Ortsbeirates 2, Axel Kaufmann, und der AStA-Vorsitzenden Myrella Dorn die neuen Ortsschilder. Ebenfalls eine Ansprache hielt Trude Simonsohn, Überlebende des Konzentrationslagers Theresienstadt und des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau.

 

Mit den nun vollzogenen Umbenennungen auf dem Campus Westend wird der bewegten Geschichte der Universität und des Campus gedacht. Damit wird nicht nur an herausragende wissenschaftliche Leistungen, sondern auch an jüdische Schicksale, die für Vertreibung und Verfolgung stehen, dauerhaft erinnert“, sagte Birgitta Wolff bei der Enthüllung der Namensschilder. Wolff freute sich über den zwischen Universität, Stadt, Ortsbeirat und der Öffentlichkeit hergestellten Konsens: „Schön, dass man letztlich einvernehmlich diese Lösung mit den Namen von Wollheim, Adorno und Horkheimer gefunden hat.“

 

Der Norbert-Wollheim-Platz, vormals Grüneburgplatz, trägt nun den Namen des jüdischen Zwangsarbeiters Norbert Wollheim, der nach dem Krieg in einem Musterprozess erfolgreich den IG-Farben-Konzern verklagte; der Theodor-W.-Adorno-Platz (bisher als „Campusplatz“ tituliert) und die Max-Horkheimer-Straße (vormals Lübecker Straße) erinnern an die beiden wohl wichtigsten Vertreter der Frankfurter Schule, die als jüdische Intellektuelle in der NS-Zeit in die USA emigrierten und nach dem Zweiten Weltkrieg nach Frankfurt an die Goethe-Universität zurückkehrten. Das Problem ist dabei, daß niemand ernsthaft Norbert Wollheim die Verdienste um seinen Widerstand, der anderen zugute kam, abstreitet. Dennoch hätte der um die Ecke lebende und in Frankfurt als Hessischer Generalstaatsanwalt wirkende Fritz Bauer nähergelegen, zumal das Fritz Bauer Institut der Universität Frankfurt angehört. Aber, so heißt es, daß Institut hat trotz Vorschlag der Benennung mit seinem Namensgeber nicht zugestimmt.

 

Weitere Namensänderungen sind auf dem Campus Westend geplant: In seiner Sitzung am 28. Januar hatte der Senat der Goethe-Universität Frankfurt vier Benennungen von Wegen, Straßen und Plätzen beschlossen. Diese wurden bereits dem Ortsbeirat 2 vorgelegt, der darüber noch entscheiden muss. Das sind wir ja gespannt darauf, ob Fritz Bauer hier noch Platz findet und wie es mit der Benennung von Frauen ist. Uns fallen welche ein.