f Paris wartenSerie: Die anlaufenden Filme in deutschen Kinos vom 13. Juli, Teil 3

Margarete Frühling

München (Weltexpresso) - Der bekannte Hollywood-Produzent Michael Lockwood (Alec Baldwin) besucht zusammen mit seiner Frau Anne (Diane Lane) das Film-Festival in Cannes. Danach wollten die beiden eigentlich ein paar Tage Urlaub in Süd-Frankreich machen.

Doch stattdessen muss Lockwood dringend geschäftlich nach Budapest fliegen. Seine Frau soll mitkommen. Doch da sie Ohrenschmerzen hat, rät ihr der Pilot der Privatmaschine, lieber nicht mit zu fliegen.

Sie überlegt daraufhin mit dem Zug nach Paris zu fahren und sich dort in einigen Tagen wieder mit ihrem Ehemann zu treffen. Doch da bietet ihr Jacques Clement (Arnaud Viard) an, sie mit seinem Auto nach Paris mitzunehmen, da er sowieso dorthin fahren müsse. Clement ist ein französischer Kollege ihres Mannes, der die beiden zum Flugplatz begleitet hat.

Anne stimmt zu und findet sich plötzlich im altersschwachen Cabrio von Jacques wieder, das jede Stunde eine Pause braucht, damit das Kühlwasser aufgefüllt werden kann. Auch nimmt Jacques nicht die schnellste Route sondern beginnt Anne die Schönheiten in Süd-Frankreich zu zeigen. Er kennt entlang der Strecke das ein oder andere hervorragende Restaurant und Hotel, wo man unbedingt die Köstlichkeiten der Speisekarte und die hervorragenden Weine probieren sollte. Daneben besuchen sie auch noch in Lyon das Musée Lumière (Jacques kennt die Direktorin des renommierten Filmmuseums) und das Musée des Tissus, das Textilmuseum.

Während der ganzen Fahrt von Cannes über die Provence und Lyon bis nach Paris fotografiert Anne mit ihrer Digitalkamera. Dabei liebt sie es, vor allem interessante Ausschnitte der Gegenstände und Situationen festzuhalten. Sie hat schon vorher gerne fotografiert, allerdings hat sie ihre Bilder bisher noch nicht ihrem Mann gezeigt. Sie fühlt sich von Jacques Avancen geschmeichelt, bleibt aber auf Distanz und will eigentlich nur möglichst schnell nach Paris. Nach und nach entspannt sie sich und beginnt die Reise, die Landschaft und die kulinarischen Köstlichkeiten zu genießen. So wird aus dem geplanten Tagestrip eine denkwürdige zweitägige Reise quer durch Frankreich, bei der sich Anne und Jacques auch persönlich näher kommen und dabei auch einige Geheimnisse vom jeweils anderen erfahren...

Drehbuchautorin und Regisseurin von "Paris kann warten" ist Eleanor Coppola, die Ehefrau von Francis Ford Coppola und Mutter von Sofia Coppola. Der Film ist das Spielfilmdebüt der 80Jährigen, obwohl sie schon vorher Erfahrungen als Regisseurin von Dokumentarfilmen hatte.

Sie erzählt, dass sie die Geschichte einer Fahrt von Cannes nach Paris selbst erlebt habe, als sie 2009 nach den Filmfestspielen in Cannes ihren Mann wegen einer Kopfgrippe nicht mit dem Flugzeug nach Osteuropa begleiten konnte. Diese zweitägige Autofahrt habe ihr die Augen für die Schönheit der Landschaft, die interessante Architektur und die wunderbare französische Küche und die guten Weine auf dem Land geöffnet.

Das Zentrum von Coppolas Film ist ganz sicher gutes Essen, exquisite Weine, sonniges Wetter, eine wundervolle Landschaft und ein altes Cabriolet, das allerdings nach der Hälfe des Films seinen Geist aufgibt - Anne und Jacques fahren mit einem Leihwagen weiter. Daneben gibt es einen charmanten Franzosen, der einer schönen nicht mehr ganz jungen Amerikanerin den Hof macht. Der Film zelebriert auf hervorragende Weise das französische Savoir-vivre. Dadurch erhält man ein leichtfüßig inszeniertes Roadmovie.

Da Diane Lanes Anne Lockwood die Genüsse regelmäßig fotografiert, zeigt die Regisseurin im Film immer wieder auch die Landschaften, die Gebäude und die Speisen als Standfotos. Diane Lane als Anne und Arnaud Viard als Jacques überzeugen in den beiden Hauptrollen. Diane Lane schafft es glaubwürdig darzustellen, dass Anne während der gesamten Fahrt zwischen Unbehagen und Vergnügen, zwischen Widerstand und Fallenlassen pendelt. Am Ende die Fahrt wird die etwas steife Amerikanerin, die sich von ihrem Mann wegen seiner Arbeit vernachlässigt fühlt, verwandelt sein. Sie wird die Komplimente, die ihr Jacques wegen ihrer Fotografien macht nicht nur annehmen können, sondern sie will auch ihrem Ehemann später die gelungenen Bilder zeigen. Alec Baldwin überzeugt als der meist abwesende Ehemann Michael Lockwood in seiner kleinen Rolle. Da Michael aber häufig mit Anne telefoniert, merkt man ihm doch seine wachsende Eifersucht an.

Der Zuschauer braucht allerdings etwas Geduld während der kulinarischen Fahrt durch Frankreich. Da der Film bewusst entschleunigt gefilmt worden ist, widersetzt er sich den heutigen Sehgewohnheiten. Auch die Alltagsrealität findet hier eigentlich nicht statt. Dies verleiht dem Film - zusammen mit den tollen Landschafts- und Essensaufnahmen - etwas Märchenhaftes. Dabei bleibt das Ende der Geschichte, wie Anne sich letztlich entscheiden wird, der Fantasie des Zuschauers überlassen.

Insgesamt ist "Paris kann warten" ein ausgesprochen intimer Film. Er ist ein gelungenes Roadmovie und eine wunderbar leichte Sommerkomödie. Alles in allem ist der Film auch eine genussvolle Liebeserklärung an Frankreich, seine Landschaften und seine Ess- und Trinkgewohnheiten.

Foto: Alec Baldwin (Michael Lockwood), Diane Lane (Anne Lockwood) und Arnaud Viard (Jacques Clement) © Tobis Film GmbH

Info:
Paris kann warten (USA 2017)
Originaltitel: Paris Can Wait
Genre: Komödie, Roadmovie
Filmlänge: 92 Min.
Regie und Drehbuch: Eleanor Coppola
Darsteller: Diane Lane, Arnaud Viard, Alec Baldwin u.a.
Verleih: Tobis Film GmbH
FSK: ab 0 Jahren
Kinostart: 13.07.2017