f WahrheitSerie: Die anlaufenden Filme in deutschen Kinos vom 7. September 2017,   Teil 4

Margarete Ohly-Wüst

Frankfurt (Weltexpresso) - "Immer noch eine unbequeme Wahrheit - Unsere Zeit läuft" ist die Fortsetzung zum Film "Eine unbequeme Wahrheit" (2006), der 2007 mit dem Oscar als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet wurde. Al Gore selbst wurde im Dezember 2007 für seine Bemühungen um eine Bewusstmachung der Klimakrise der Friedensnobelpreis verliehen.

Eigentlich sind Sequels zu Dokumentarfilmen unüblich. Da sich allerdings das Problem des Klimaschutzes in den letzten Jahren noch verstärkt hat, ist es sicher sinnvoll, nicht nur immer wieder auf die Probleme und die negativen Veränderungen der letzten zehn Jahre hinzuweisen, sondern auch zu zeigen, welche Möglichkeiten man hat, gegen den Klimawandel vorzugehen.

Das Filmteam folgt deshalb Al Gore rund um die Welt. Dabei gibt Gore Seminare, in denen er Menschen zu Multiplikatoren zum Thema Klimaschutz ausbildet. Die Multiplikatoren sollen die Botschaft weiter verbreiten, dass etwas getan werden muss, um die CO2-Emissionen von Kohle, Öl und Gas zu reduzieren und zwar sowohl in den Industrieländern als auch in den sog. Entwicklungsländern.

In vielen Szenen des Films besucht Gore außerdem auch Regionen, bei denen man den Klimawandel erkennen kann. So zeigt er deutlich, dass das Eis in der Arktis schmilzt, nicht nur an Stellen, die noch vor 10 Jahren dauernd von Eis bedeckt waren und die jetzt eisfrei sind, sondern auch z.B. an einer Schweizer Station in Grönland, die vor Jahren noch direkt auf dem Eis stand und nun auf etwa 5 m hohen Stelzen steht, die früher in das Eis eingelassen waren. Er besucht durch den Temperaturanstieg verursachte Naturkatastrophen wie z.B. in Florida. Da dort Städte beinahe auf Meereshöhe gebaut sind, treten regelmäßig Überschwemmungen in den Straßen auf, die auch durch die Erhöhung des Grundwassers nicht nur vom Meer sondern auch aus den Gullis kommen. Weiter zeigt er, dass viele Stürme und Sturmfluten viel stärker sind als noch vor wenigen Jahren (an Beispielen aus Japan).

Durch die Klimaerwärmung wird die Luft auch leichter mit Feuchtigkeit gesättigt, dadurch wird vor allem in warmen Gebieten dem Boden das Wasser entzogen, das wiederum zu ausgedehnten Dürren führt.

Beispiele der Luftverschmutzung waren Peking und viele indische Städte. Der Hintergrund ist, dass dort vor allem mit Kohle geheizt und Strom erzeugt wird. Die Luftverschmutzung hat in Teilen Chinas dazu geführt, dass die Lebenserwartung der Bevölkerung durchschnittlich um 5 Jahre gesunken ist.

Al Gore zeigt aber auch positive Beispiele. Er besucht eine Stadt in Texas - mit einem republikanischen Bürgermeister - die seit kurzem von fossilen Brennstoffen unabhängig ist (hauptsächlich durch Windkraftanlagen). Er versucht zusammen mit einem Hersteller von Solarmodulen zu zeigen, dass die Installation dieser Module nicht teurer und dazu auch noch umweltverträglicher ist als herkömmliche Kohle- oder Kernkraftwerke. Dies ist vor allem in Ländern wie Indien wichtig, da dort vor allem Wert auf die Elektrifizierung des Landes gelegt werden soll.

Der Film macht dabei deutlich, dass Al Gores Bemühungen nicht immer von Erfolg gekrönt sind. Er zeigt aber auch Erfolgserlebnisse wie das Übereinkommen zum Klimawandel 2016 in Paris, die vermuten lassen, dass eine Klima- und Energiewende evtl. doch noch zu schaffen ist.

"Immer noch eine unbequeme Wahrheit - Unsere Zeit läuft" der Regisseure Bonni Cohen und Jon Shenk zeigt eigentlich nichts wesentlich anderes als der Vorgängerfilm von 2006.

Wieder begleiten die Filmemacher Gore bei seinen Reden und Besuchen vor Ort, befragen ihn während der Besichtigungen oder auch abseits davon. Dabei folgt die Kamera von Co-Regisseur Jon Shenk Al Gore auch hinter die Kulissen (sogar bis in sein Haus in Tennessee) und versucht alles in einen umweltpolitischen Kontext zu fassen. Dabei entstehen viele spannende und aufschlussreiche Szenen, die aber leider manchmal etwas zusammenhanglos hintereinander geschnitten sind.

Außerordentlich informativ sind dagegen die Bilder von Gores zähen Verhandlungen mit der indischen Regierung während der Klimakonferenz in Paris 2016 und wie es am Ende unter Gores Federführung gelingt, einen Deal zwischen der amerikanischen Solarindustrie und dem indischen Staat auszuhandeln.

Anschaulich zeigt die fesselnde Dokumentation auch, wie Gore stur seine Vision verfolgt und die Gefahren des Klimawandels mit Einfallsreichtum und Leidenschaft zu vermitteln und zu überwinden versucht. Dadurch ist eine mitreißende und emotionale Dokumentation entstanden.

Leider sieht es so aus, als müsste es demnächst einen weiteren Film geben. Denn am Ende wird deutlich, was sich inzwischen ja auch bestätigt hat, dass der neue amerikanische Präsident Donald Trump die ganze Klimadebatte für Unsinn hält. Inzwischen hat er nicht nur die Kohleindustrie deutlich unterstützt, sondern auch das Pariser Klimaabkommen aufgekündigt.

All dies zeigt, dass "Immer noch eine unbequeme Wahrheit - Unsere Zeit läuft" nicht nur ein spannender und sehenswerter Film ist, sondern er ist auch hoch aktuell. Das macht ihn absolut sehenswert.


Foto: Al Gore © Paramount Pictures Germany

Info:
Immer noch eine unbequeme Wahrheit - Unsere Zeit läuft (USA 2017)
Originaltitel: An Inconvenient Sequel: Truth to Power
Genre: Dokumentation
Filmlänge: 100 Min.
Regie: Bonni Cohen und Jon Shenk
Verleih: Paramount Pictures Germany
FSK: ab 6 Jahren
Kinostart: 07.09.2017