f nilhilton1Serie: Die anlaufenden Filme in deutschen Kinos vom 5. Oktober 2017, Teil

Filmheft

Berlin (Weltexpresso) - Gerne bringen wir auf Anfragen weitere Interviews zum Film DIE NILE HILTON AFFÄRE. Natürlich ist es ungewöhnlich, daß ein solcher Film deutsche Produzenten hat, nämlich Marcel Lenz & Guido Schwab (Ostlicht Filmproduktion). Ungewöhnlich auch die Zusammenarbeit mit Schweden und Dänemark, die durch den im Libanon geborenen naturalisierten Schweden Fares Fares (im Bild) als Darsteller des ägyptischen Polizisten weiter internationalisiert ist. 

Wie sind Sie auf dieses Filmprojekt aufmerksam geworden?


Marcel Lenz (ML): Im Jahr 2010 habe ich am EAVE Producers Workshop teilgenommen und Monica Hellström und Signe Byrge Sørensen von Final Cut For Real in Dänemark kennengelernt. Im Jahr 2013 hat uns dann Charlotte Most, eine schwedische Produzentin, die wir ebenfalls aus dem EAVE Programm kannten, mit Kristina Aberg von ATMO in Stockholm wegen des Filmes von Tarik Saleh bekannt gemacht. Sie dachte wohl, dass wir den Film wohl am besten miteinander finanzieren könnten. Charlotte war also die Kupplerin für die Ko-Produktionsgemeinschaft.


Waren Sie gleich überzeugt? Wenn ja, was hat sie an DIE NILE HILTON AFFÄRE am meisten fasziniert?

Guido Schwab (GS): Ja, das waren wir! Das Drehbuch war mutig und hatte ein klare Haltung und Aussage. Zudem war die Geschichte spannend erzählt und mit Blick auf Tariks vorherige Filme war eine starke Visualisierung zu erwarten.


Waren Sie schon von Beginn an beteiligt oder sind Sie erst später zu dem Projekt gekommen?

GS: Es gab bereits eine zweite Drehbuchfassung, als wir in das Projekt eingestiegen sind. Ab diesemMoment haben wir dann die Weiterentwicklung als Koproduzenten begleitet. Das war eine sehr gute Erfahrung, weil Tarik ein sehr offener Autor und Regisseur ist, der unser Feedback, wie sicher auch das der anderen Beteiligten, immer sehr genau betrachtet und diskutiert hat.


Gab es während der Dreharbeiten ein Ereignis, dass Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

ML:
Da gab es mehrere. Das nachhaltigste war sicher aber noch vor Drehbeginn. Wenige Wochen vor Drehstart in Kairo, wo der Dreh ja komplett stattfinden sollte und auch vorbereitet wurde, mussten wir mit der Produktion das Land verlassen. Dem Film wurde kurzerhand die Drehgenehmigung verweigert. Das war ein extrem heikler Moment, da schon viele Teammitglieder in Kairo ihre Arbeit aufgenommen hatten und wir nicht sicher sein konnten, wie die Geschichte endet, da es doch sehr eindeutige Anzeichen für eine von langfristige Überwachung durch die Sicherheitskräfte gab. Es gab übrigens bis zur Fertigstellung immer wieder Versuche den Film in irgendeiner Form „zu beschädigen“.


Gab es während der Produktion und gibt es bei der Herausbringung des Films kommunikative Hürden zu überwinden?

ML: Sprachliche Barrieren gibt es bei internationalen Koproduktionen ja immer zu überwinden. Meistens hilft dabei die englische Sprache als kleinster gemeinsamer Nenner. Am Ende wurde der Film ja hauptsächlich in Marokko gedreht. Bei der Synchronisation des Filmes gab es noch viel in Bezug auf Sprache zu entscheiden. Was wird wirklich synchronisiert, was untertitelt und was lassen wir für sich selbst sprechen.


Was ist das Besondere, dass DIE NILE HILTON AFFÄRE auszeichnet?

GS:
Die Verbindung von wahren Begebenheiten und historischem Geschehen in der Fiktion ist sicher eine Besonderheit, zumindest hat uns dieser Aspekt an dem Projekt sehr gereizt. Tarik Saleh gelingt es die Facetten des arabischen Frühlings durch die Auswahl seiner Figuren und Schauplätze beiläufig und nachvollziehbar abzubilden und vor diesem Hintergrund einen spannenden Polit-Thriller zu inszenieren. Die Dramaturgie und die Vision von der Umsetzung des Genres fanden wir ebenfalls außergewöhnlich! Der dazu gehörende Mut von Tarik ist sicher auch nicht alltäglich.


Wie haben Sie die Festival-Premiere in Sundance erlebt?

ML:
Mir werden, mal abgesehen vom Film selbst, zwei Dinge mit diesem Festival-Auftritt in Erinnerung bleiben: massive Massen an Schnee und die Amtseinführung von Donald Trump, die einen Tag nach unserer Ankunft stattgefunden hat. GS: Einer der Höhepunkte war der Women’s March als Zeichen des Widerstands zur Amtseinführung von Donald Trump, dem sich hier auch viele Filmschaffende angeschlossen haben. Wir waren schon wieder in Deutschland als uns die Nachricht erreichte, dass wir den Hauptpreis im Internationalen Wettbewerb erhalten haben. Das war natürlich ein großartiger Abschluss der Weltpremiere, der beste, den wir uns wünschen konnten!

Foto:  Höherer Polizist in Kairo: Fares Fares © Verleih

Info:

Dies ist keine ägyptische Produktion. Die Ereignisse spielen nur dort. Es ist eine schwedische-deutsch-dänische Koproduktion. Nachdem in Kairo alles für die Dreharbeiten vorbereitet war, wurden diese kurzfristig verboten und es ging in Nordafrika, in Casablanca, weiter. Der Film basiert auf einer wahren Geschichte, als in Dubai eine Popsängerin ermordet wurde und sich ein politisch-gesellschaftlich-kriminelles Geflecht ergab.

Darsteller:

NOREDIN                  Fares Fares
SALWA                      Mari Malek
KAMAL MOSTAFA    Yaser Maher
HATEM SHAFIQ        Ahmed Seleem
GREEN EYED MAN  Slimane Dazi
GINA                         Hania Amar
NAGY                        Hichem Yacoubi
MOMO                      Mohamed Yousry
CLINTON                  Ger Duany