fm aa feliAfrika Alive – vom 1.  bis 7. Februar im Filmforum Frankfurt Höchst, TEIL 3

Helga Faber

Frankfurt am Main (Weltexpresso) - Oft kann man afrikanisches Kino hier zulande nicht erleben. Außer solchen Festivals finden Filme nur schwer Eingang in unsere Kinos. Darum war es sehr auffällig, daß auf der Berlinale 2017 mit dem Film Félicité Afrika vertreten war - allerdings in einer Kooperation mit Frankreich, was auch in anderen Fällen Hilfestellung anbietet, was noch mit den ehemaligen französichen Kolonien in Afrika zu tun hat, so daß sowohl die Sprache wie auch die personellen Zusammenhänge vertraut sind.

Der Hauptteil des filmischen Teils des Festivals dient dem neuen afrikanischen Kino


L ́orage africain – Un continent sous influence – Das afrikanische Gewitter – Ein Kontinent unter Einfluss
Sylvestre Amoussou, Benin 2017, 89 min.
Do 1.2 um 20.30 Uhr Zu Gast: Sylvestre Amoussou

Um den Ausverkauf seines Landes und seiner Bodenschätze an internationale Konzerne zu stoppen nationalisiert der Präsident des fiktiven afrikanischen Landes Tangara die ausländischen Unternehmen, die jahrzehntelang den Kontinent ausgebeutet haben. Die Bevölkerung stimmt den Maßnahmen zunächst euphorisch zu. Eine neue Zeit soll beginnen, in der die Ressourcen des Landes endlich denen gehören, die dort leben. Doch die Umsetzung gestaltet sich schwieriger als gedacht. Die Konzernherren und -Damen sind beunruhigt und wollen ihre Pfründe nicht verlieren. So wird die dubiose Madame Afrique, mit besten Beziehungen nach Afrika im Dienst der westlichen Staaten und Konzerne, engagiert. Sie beginnt das Land zu destabilisieren, mit Intrigen und Söldnern.

Silvestre Amoussou, der mit seinem satirischen Film AFRIQUE PARADIS ein großes Publikum in Afrika und Europa begeisterte, hat mit L ́ORAGE AFRICAIN ein Lehrstück geschaffen, das spannungsreich und satirisch überspitzt inszeniert ist und auf dem letzten FESPACO Festival in Burkina Faso mit dem zweiten Preis ausgezeichnet wurde.


Félicité
Alain Gomis, FR/ DR Kongo 2017, 124 min Do 1.2 um 18. Uhr / Mo 5.2 um 18.30 Uhr

Félicité ist eine stolze, unabhängige Frau, die als Sängerin in einer Bar in Kinshasa arbeitet. Wenn sie auf die Bühne geht, scheint sie die Welt und den Alltag um sich herum zu vergessen. Auch die Gäste lassen sich vom Rhythmus der melancholischen und kraftvollen Melodien anstecken. Als Félicités Sohn nach einem schweren Unfall im Krankenhaus liegt, versucht sie verzweifelt, das Geld für eine Operation aufzutreiben. Ein atemloser Streifzug durch ärmliche Straßen und durch wohlhabendere Bezirke der kongolesischen Hauptstadt beginnt. Tabu, einer der Stammgäste der Bar, der in jeder Hinsicht gern über die Stränge schlägt, will Félicité helfen. Nur widerwillig nimmt sie das Angebot an. Nach seiner Rückkehr aus dem Krankenhaus findet Félicités Sohn nicht in sein altes Leben zurück, doch ausgerechnet der Schwerenöter Tabu lockt ihn aus der Reserve.... Félicités karge Wohnung mit dem permanent kaputten Kühlschrank wird zum utopischen Ort in einem Land, das für die meisten seiner Einwohner keine Hoffnung bereithält.


Maman Colonelle
Dieudo Hamadi, DR Kongo/ FR 2017, 72 min. Fr 2.2 um 18.30 Uhr

Colonel Honorine Munyole ist 44 Jahre alt, verwitwet und Mutter von sieben kleinen Kindern – vier eigene, drei adoptierte. Sie trägt ihre Uniform, ihr Barett und ihre schwarze Handtasche wie einen Schutz, den sie für ihre alltägliche Arbeit dringend benötigt. Mehr oder minder allein leitet sie eine kleine Polizei-Einheit, die sich dem Schutz vergewaltigter Frauen und misshandelter Kinder in den von Kriegen geplagten Regionen des Kongos widmet. Zu Beginn des Films wird sie von Bukavu nach Kisangani versetzt, bei ihrer Ankunft findet sie ihr zukünftiges Zuhause und ihr Büro in einem desolaten

Zustand vor. Während sie solche pragmatischen Widrigkeiten beherzt aus dem Weg zu schaffen weiß, haben die Traumata und sozialen Deformationen der Menschen um sie herum alptraumartige Dimensionen angenommen.


Investigating Paradise
Merzak Allouache, FR/ Algerien 2017, 123 min. Fr 2.2 um 20.30 Uhr

In Merzak Allouaches dokumentarischen Spielfilm folgen wir einer investigativen Journalistin, die mit ihrem Kollegen der Frage des islamischen Paradises nachgeht. In realen Interviews in Algier und auf dem Land schildern Männer und Frauen ihre Vorstellung vom Paradies und dem Aspekt der 72 Jungfrauen, die die gläubigen Männer im Paradies erwarten. Erwartungsgemäß sind die Antworten der Männer sehr verschieden von den Antworten der Frauen Ergänzt werden die Interviews durch Gespräche mit algerischen Feministinnen. Aber die Fertigstellung des Films ist gefährdet, immer wieder stößt das Team auf Wiederständer, welche Szenen sollen in den Film integriert werden, welche nicht. Schließlich ist es fraglich ob der Film im Film überhaupt zustande kommt... Merzak Allouache hat in seinem spannenden Film die gegenwärtige Situation vieler Frauen in Algerien gespiegelt, eben auch oder gerade durch die Aussagen der Männer. Dieses Prinzip lag auch seinem berühmten Film OMAR GATLATO aus dem Jahre 1977 zugrunde. Ein Film der von der Dominanz der Männer und der Abwesenheit der Frauen erzählt. Der Regisseur war 1997 zu Gast bei Africa Alive.


Aala kaf ifrit - La belle et la meute – Die Schöne und die Meute Kaouter Ben Hania,
Tunesien/ FR / Schweden 2017, 100 min.
Sa 3.2 um 20.30 Uhr

Mariam studiert in Tunis und geht abends auf eine Party mit ihrer Freundin. Dort lernt sie Youssef kennen, mit dem sie das Fest später verlässt. Kurz darauf rennt Mariam durch die Straßen. Sie wurde Opfer einer Vergewaltigung durch drei Polizisten. Es ist der Beginn eines Alptraums, der eine ganze Nacht dauern wird. Sie wird von Krankenstation zu Krankenstation geschickt, versucht Anzeige zu erstatten und ihr Recht gegenüber der Polizei einzufordern. Dabei wird sie immer wieder mit den repressiven patriarchalen Stukturen konfrontiert. Aber auch wenn es sie an den Rand der Verzweiflung treibt, ist sie nicht bereit aufzugeben. Ben Hania macht in ihrem atmosphärisch ungeheuer dichten und spannenden Spielfilm, der streckenweise oft dokumentarisch wirkt, auch Hoffnung. Sie zeigt, dass es möglich ist, um seine Rechte zu kämpfen und sich gegen die Willkür zu wehren.


FORTSETZUNG FOLGT

Weltexpresso hatte zur Aufführung von  Félicité im Wettbewerb der Berlinale 2017 folgende Kritik veröffentlicht 
https://weltexpresso.de/index.php/kino/9085-felicite

Foto:
Félicité © filmforum hoechst

Info:
Filmforum Höchst
Emmerich-Josef-Str. 46a, 65929 Frankfurt a.M.
Vorstellungsbeginn
Hauptprogramm täglich 18.30 Uhr und 20.30 Uhr Kinderprogramm Fr 14.30 Uhr und So 15 Uhr
Eintritt 7 € (Frankfurt Pass 3,50 €) Kartenreservierung unter Telefon 069 212-45714
Gefördert wird Africa Alive von der HessenFilm und Medien GmbH. Africa Alive ist Mitglied des Hessischen Filmfestivalverbundes.
Weitere Informationen und das Gesamtprogramm findet sich unter: www.africa-alive-festival.de