f herrlmasSerie: Die anlaufenden Filme in deutschen Kinos vom 3. Mai 2018, Teil 3: Interview mit Samuel Finzi
N.N.

Berlin (Weltexpresso) - Wie wichtig war die Romanvorlage für Sie?

Die spielt überhaupt keine Rolle. Man arbeitet nicht anhand eines Romans, sondern anhand eines Drehbuchs. Letztes Jahr habe ich zwei Fernsehfilme nach anderen Romanen, gedreht und meine Filmfigur hatte nicht viel mit der Figur aus dem Buch zu tun. Der Roman ist nur wichtig, um sich die Atmosphäre vorstellen zu können.


In Ihrer Rolle des Bartos dienen Sie dem Ehepaar Müller-Todt. Wie denken Sie über dieses Knecht-Herr Verhältnis und würden Sie selbst einem guten Herrn abgeben?

Es ist ja kein gewöhnliches Knecht-Herr-Verhältnis, sondern ein Mittel zum Zweck. Ich würde keinen guten Herren abgeben. Ich bin es nicht gewohnt, Befehle zu erteilen und bedient zu werden.


Immer wieder liest man von ausbeuterischen Arbeitgebern, die ihre Angestellten schlecht behandeln bzw. schlecht vergüten. Die Debatte über die Work-Life-Balance ist im vollen Gange. Befinden wir uns innerhalb der Gesellschaft auch in einem Knecht-Herr Verhältnis?

Heiner Müller sagte Mal: "Die Sklaverei ist ein Naturgesetz, so alt wie die Menschheit." In der Gegenwart versklaven wir uns selbst zum Beispiel mit unserer allzeit bereiten Erreichbarkeit.


Welche Erkenntnisse über den Zustand unserer Gesellschaft haben Sie aus dieser Geschichte mitgenommen?

Die Geschichte in dem Film seziert das Verhältnis von "oben" und "unten". Und zeigt ein verschärftes Bild vom Zustand unserer Gesellschaft.


Was haben Sie besonders an der Zusammenarbeit mit Katja Riemann, Oliver Masucci und Lize Feryn geschätzt?

Das Ganze hat den Charakter eines Kammerspiels. Diese Geschichte dann so zu erzählen, funktioniert mit Partnerinnen und Partnern dieses Kalibers besonders gut. Wir haben es Oskar zu verdanken, dass er eine Konstellation aus so verschiedenen Menschen zusammengebracht hat.


Was speziell schätzen Sie am Regiestil und an den Filmen von Oskar Roehler?

Oskar schafft es, das Flirren unserer Gesellschaft in seinen Geschichten einzufangen und traut sich Mittel einzusetzen wie kaum ein anderer.


Foto:
© Verleih

Info:
Abdruck aus dem Presseheft

BESETZUNG

Evi Müller-Todt             KATJA RIEMANN
Claus Müller-Todt        OLIVER MASUCCI
Bartos                          SAMUEL FINZI
Lana                             LIZE FERYN
Mohammed Al Thani   YASIN EL HARROUK
Schwester Ottla           Margarita Broich
Karlotta                        Andrea Sawatzki
Patient                         Alexander Beyer
Domina                        Katy Karrenbauer
Tarek                            Aslan Aslan
Chefarzt                      Gottfried Vollmer
u.v.a.

STAB

Regie            OSKAR ROEHLER
Drehbuch     JAN BERGER
frei nach Motiven des Romans „Subs“ von Thor Kunkel