Bildschirmfoto 2018 08 02 um 08.39.41Serie: Die anlaufenden Filme in deutschen Kinos vom 2. August 2018, Teil 1

Hanno Lustig

Köln (Weltexpresso) – Christian Vogel heißt der Mann, von dem man ohne Weiteres hätte sagen dürfen, daß er einen Vogel hat, als er seine einjährige Motorradtour rund um die Welt, also nicht einfach eine Weltreise, sondern die Umrundung der Welt plante. Da er diese aber tatsächlich durchgeführt hat und daraus – Buch, Regie, Kamera, Produktion und Hauptdarsteller – einen Film gemacht hat, ist er ein vorbildlicher Überlebensstratege, was man in diesem oft richtig komischen, unterhaltsamen und lehrreichen Film konstatiert.

Und gleich am Anfang erfahren wir den Pferdefuß. Da hat er lange, lange alles vorbereitet. Für den gelernten Journalisten – Installateur ist er auch, das war unterwegs dann wichtiger - , der 1981 in Marsberg geboren wurde und viele Studien, Praktika und Engagements beim Fernsehen und für Reiseredaktionen aufzuweisen hat, war die minutiöse Planung eine Voraussetzung der durchaus gefährlichen, auf jeden Fall abenteuerlichen Reise und auch, daß sein Fixpunkt, die Anlaufstelle aus der Fremde sein Elternhaus sein wird. Und was passiert unmittelbar vor dem Start? Er verliebt sich. Schlimmer: sie auch in ihn. Das ist wirklich wie aus dem Drehbuch und zeigt, daß die Reisegötter es gut mit dem 34jährigen Christian Vogel meinten, denn er fuhr trotzdem und wie es mit der Liebe so ist, je weiter weg, desto doller. Aber für den Film hat dies natürlich eine zusätzliche spannende Ebene ergeben, denn wie ist das, wenn man gerade erst jemanden liebgewonnen hat, der dann entschwunden ist. Wird die Liebe doller, verschwindet sie, läuft sie so dahin oder ins Aus?

Aber das sind zum Glück nur die durchaus anheimelnden Nebengeräusch im Film, der ein echter Unterwegsfilm ist und mit allen Mitteln schießt. Damit sind die unterschiedlichen Aufnahmen gemeint, die dann alle zusammen den Film ergeben, darunter eben auch Handyaufnahmen. Und wie man das hinbekommen hat, daß wir in Asien den Sohn über Skype mit der Mutter sprechen sehen und unvermittelt diese in ihrem Wohnzimmer erleben, wo sie dem Sohn Fragen stellt oder sonstwas, hat uns ganz schön beschäftigt. Die Welt wird in so einem Film, der ihre Weite und ihre so vielen nationalen Seiten und Landschaften zeigen soll – und dies auch tut – durch den Gebrauch der Technik dann auch wieder klein und eng. Das ist eine interessante Erfahrung, wenn man im Kinosessel sitzt und zusieht, wie dieser Unternehmungsgeist auf seinem Motorrad durch die Welt braust.

Am 19. Mai 2015 beginnt sein Aufbruch, der ihn erst einmal in die USA, nach Kanada und Russland führt. Auch China, die Mongolei, Pakistan, Indien und der Iran werden von ihm durchquert. Er wird am Schluß 333 Tage unterwegs gewesen sein und durch 22 Länder gefahren sein. Ja, gut, es gibt an die zweihundert Länder. Aber rund um die Welt heißt ja nicht, überall gewesen zu sein. Zudem ist an einigen Punkten die Reise eigentlich zu Ende. Es fehlt die Durchfahrerlaubnis, das Geld geht zu Ende, das Motorrad ist kaputt und schließlich das Krankenhaus. Alles spektakuläre Momente, die nicht im Drehbuch standen, aber das ist ja klar, daß das Drehbuch nur die Route bestimmt und der Fahrer so gut wie er konnte, diese vorbereitete. Der Film hat immer da seine spannenden Geschichten zu bieten, wenn es Probleme gab. Sei es mit dem Aufenthalt oder mit kaum reparierbaren Ausfällen seiner Maschine.

Und dann droht wirklich das aus. Der Alptraum wird wahr. In Indien hat er einen Unfall. Das ist schon sehr realistisch, was wir da sehen und wenn der Filmemacher am Schluß mit so positiven Gefühlen heimkommt, dann der vielen Menschen wegen, die ihm in seinen schwierigsten Momenten selbstlos und furchtlos halfen. Das ist vielleicht die wichtigste Botschaft des Films: nicht die sensationellen Landschaftsaufnahmen von unterwegs, das Wasser, die Berge, die Wüsten, die Städte, die Wälder, das Pittoreske von Land und Leuten, sondern die Menschlichkeit, die Hilfsbereitschaft einem Fremden gegenüber.

Bildschirmfoto 2018 08 01 um 17.35.00Weil wir das so interessant fanden, folgen im Anschluß noch Produktionsnotizen und ein Interview mit Christian Vogel. Aber wir wollen noch auf eine filmisch zündende Idee zu sprechen kommen, ohne die der Film in unseren Augen seine besondere Note verloren hätte. Das ist der Einbau von Graphik Novel Szenen in die Wirklichkeitsdarstellung. Erstens konnte er nicht immer, erst recht nicht bei den Unglücken unterwegs filmen und leistet diese Information dann durch die bewegten Zeichnungen. Zweitens geben diese dem rasenden Reporter eine Distanz, die gut tut. Und wir waren natürlich auch über die anderen Zeichnungen sehr froh: nämlich die Karten, die uns an seiner Route nicht nur mit Bildern und Worten teilnehmen lassen, sondern uns selbst immer die geographische Orientierung geben, wo der Kerl gerade steckt, der dann, obwohl er schon so nahe dem Heimathafen war, dann doch noch mal nach Portugal ans Ende der Welt fährt, denn das mußte sein.

Fotos:
© Verleih

Info:
DAS TEAM
Buch / Regie / Kamera / Produktion Christian Vogel
Produktion Simon Busch
Ausführender Produzent Christian Frank
Redaktion Oliver Schmid
Schnitt / Kamera Bernd Rischner
Schnitt Jörn Möllenkamp
Kamera Gunnar Henrich