f Itzak7Serie: Die anlaufenden Filme in deutschen Kinos vom 9. August 2018, Teil 4

Kirsten Liese

Berlin (Weltexpresso) - Als einen „Nachbau der Seele“ hat Itzhak Perlman seine Geige in jungen Jahren beschrieben. Seine innigliche Wiedergabe von Bachs zweiter Solo-Partita, die sich diesem Fernsehinterview von 1974 anschließt, wirkt wie ein Beleg dafür.

Das aber sind auch schon die stärksten Impressionen eines überwiegend anspruchslosen Musikerporträts, dem das fehlt, was Perlman damals von einem herausragenden Interpreten einforderte: ein Konzept.

Alison Chernick gibt zwar ein paar Einblicke in die Biografie des 72-Jährigen, der als Kind an Polio erkrankte, fortan auf Gehhilfen angewiesen war und sich heute in seinem Elektromobil durch die Straßen von New York bewegt. Und man lernt den berühmten Solisten als einen sympathischen, humorvollen Menschen kennen. Doch bleibt das aus Alltagsszenen, Proben, Archivbildern und Konzertmitschnitten recht beliebig kreierte Mosaik an der Oberfläche. Im Kreis von Familie, Freunden und Kollegen witzelt der berühmte Solist über Belangloses, seinen Schülern gegenüber stellt er Behauptungen auf, die man ihm nicht so recht glaubt, beispielsweise nicht zu wissen, warum einige Interpreten zutiefst anrühren und andere weniger.

Chernicks Porträt ist von großer Ehrfurcht vor ihrem Protagonisten getragen. Kritische Betrachtungen zu irritierenden Details - beispielsweise Perlmans gelegentliche Ausflüge in die Rockmusik - gibt es folglich nicht. Was wohl langjährige Künstlerfreunde wie Daniel Barenboim, Pinchas Zuckerman oder Zubin Mehta darüber denken? Seltsamerweise kommt im Film keiner von ihnen zu Wort.

Wenn sich zu den denkbar zärtlichsten Klängen eines Schubertrios in der Bildmontage Aufnahmen von einem Baseballspiel im Fernsehen verirren, ist das bei alledem ein Ausdruck eines mangelnden künstlerischen Gespürs.

In einem der wenigen berührenden Momente kommt die Frage auf, warum in Zeiten des Holocausts so viele Juden Geige spielten: „Mit diesem Instrument kann man am einfachsten flüchten“, zitiert ein Geigenbauer den legendären Isaac Stern, „wenn sie die Musik hörten, waren sie in Gedanken nicht mehr in den Lagern“.

Foto:
©

Info:
Ein Film von Alison Chernick, USA 2018, 83 Min.