Serie: Eine Nacht im Museum: Die Oscarverleihung im Deutschen Filmmuseum Frankfurt , Teil 2/3

 

Claudia Schulmerich

 

Frankfurt am Main (Weltexpresso) – Aufmerksam verfolgen diejenigen, die es auf die schönen roten Plätze im Filmmuseum rechtzeitig geschafft hatten, das OSCAR ORAKEL, in das sich Michael Kinzer, auch Kurator der Oscarausstellung in den oberen Stockwerken, verwandelt hat. Seine Aufgabe ist nicht, selbst die Oscars zu verteilen, sondern sich in die 5856 abstimmenden Academymitglieder zu versetzen und deren Kriterien zu Grundlage seiner Vorhersagen zu machen.

 

Da gibt es grundsätzliche Aussagen wie: Musicals haben es schwer oder wer nicht in mehreren Kategorien nominiert ist, kann den Filmoscar nicht bekommen etc. oder die auf den Einzelfall bezogenen, die gleich eine Rolle spielen. Nein, nicht alle 24 Oscars, von denen schon vier im vorherigen Artikel verteilt wurden, können mit allen Nominierungen hier eine Rolle spielen. Bei der Vorstellung von Michael Kinzer in dieser Oscarnacht geht es aber genau darum, nämlich alle Nominierungen inhaltlich darzustellen und dann das ORAKEL sprechen zu lassen, das allerdings in Person des Michael Kinzer dafür auch Argumente anführte, während das aus Delphi aus göttlichen Dämpfen aus dem Erdinneren spricht. Noch dazu unter dem Frauenrock der Pythia.

 

Bei dem Besten Fremdsprachiger Film sind KON-TIKI aus Norwegen, NO aus Chile, REBELLE aus Kanada, die KÖNIGIN UND IHR LEIBARZT aus Dänemark und LIEBE aus Österreich (eigentlich auch Deutschland und Frankreich) in Konkurrenz. Auch Kinzer hält LIEBE für den aussichtsreichsten Kandidaten und begründet das mit den bisherigen Preisen für diesen Film vom Österreicher Michael Haneke mit seinen Schauspielerstars Emmanuelle Riva und Jean-Louis Trintignant sowie mit dem damaligen Nicht-Oscar für DAS WEISSE BAND, der 2010 nur nominiert war. Zutreffend, was Kinzer so zu dem Gefühlshaushalt der Entscheider mitteilt, der dann den öfter willkürlich erscheinenden Preisvergaben eine Basis gibt, genauso wie er die andere Ebene, Statistiken anführt, die manchmal für eine Oscarvergabe, meistens dagegen sprechen.

 

Nun aber auf die Schnelle. Für Visuelle Effekte erwartet man nach diesen Kriterien LIFE OF PI. Auch damit wird das Orakel richtig liegen. Für Bestes Make Up und Frisuren sind nur drei Filme nominiert: Les Misérables , The Hobbit und Hitchcock. Witzig die Begründungen, warum es das merkwürdige Musical werden wird, das erneut Stunden später tatsächlich den entsprechenden Oscar erhält. Als Bestes Kostümbild konkurrieren Anna Karenina, Lincoln, Les Misérables und zwei Schneewittchenfilme. Unser Orakel erwartet Anna Karenina und auch dies wird zutreffen, wobei dieser Film einer der großen Verlierer der 85.Oscar Verleihung sein wird, da er nur selten nominiert wurde, noch nicht einmal für den Besten Film oder die Beste Hauptdarstellerin noch die Regie.

 

Für das Bester Szenenbild sind Anna Karenina, Life of Pi, Les Misérables, The Hobbit und Lincoln nominiert. Das Orakel spricht sich für ANNA KARENINA aus. Den Oscar erhält aber LINCOLN, der ansonsten bei den 12 Nominierungen sich mit zwei Oscars zufrieden geben muß. Die Beste Kameraführung können Anna Karenina, Lincoln, Django Unchained. Life of Pi oder Skyfall erringen. Orakelt wird LIFE OF PI, grundsätzlich und zusätzlich der 3D Effekte wegen. Und so geschieht es auch. Dieser Film, der unser Favorit war, erhält bisher mehr Oscars als alle anderen. Für den Besten Song wurde schon auf allen Kanälen Skyfall aus dem gleichnamigen Film als Topfavorit gehandelt. Auch unser Orakel schließt sich an und Adele erhält auch den Oscar.

 

Beste Filmmusik hat als Vorgeschlagene Anna Karenina, Argo, Life of Pi, Skyfall und Lincoln. Orakelt wird LIFE OF PI und dieser Film erhält auch diesen Oscar. Den Oscar für den Besten Tonschnitt erwartet Michael Kinzer für LIFE OF PI. Dieser Oscar geht aber gleich an zwei andere Filme: an SKYFALL und ZERO DARK THIRTY. Ha, da schaltet sich Michael Kinzer in die Übertragung ein. Denn das ist seit annodazumal nicht vorgekommen, daß zwei Filme mit dem Oscar in dieser Disziplin ausgezeichnet wurden. Damit ist SKYFALL bisher schon zweimal ausgezeichnet, der Film ZERO DARK THIRTY ist wenigstens hier ausgezeichnet, denn er gehört zu den großen Verlierern der diesmaligen Oscarverleihung und wurde noch nicht mal bei Beste Regie nominiert. Inzwischen ist man schon gewohnt, daß immer dieselben Filme unter den unterschiedlichen Oscars nominiert sind. Das hat System.

 

Auch bei BESTER TON sind es mit ARGO, LES MISÉRABLES, LIFE OF PI, LINCOLN und SKYFALL die normalen Verdächtigten. Das Orakel setzt auf LES MISÉRABLES und liegt mit diesem Oscar erneut richtig. Bei Bester Schnitt setzt unser Orakel auf ARGO, weil dort per Schnitt Spannung erzeugt wird und auch dieses Orakelspruch wird dann zutreffen. Schon jetzt eine sehr gottähnliche Vorhersage, muß man im Nachhinein sagen. Es fehlen noch das Beste Original Drehbuch, bei dem Kinzer auf DJANGO UNCHAINED setzt, was genauso kommen wird wie sein Vorschlag auf die Beste Drehbuch-Adaption : ARGO..

 

Jetzt geht es um die Beste Nebendarstellerin für die Amy Adams , Sally Field, Anne Hathaway, Helen Hunt und Jacki Weaver nominiert sind. Kinzer orakelt - wie fast alle – Anne Hathaway, die auch tatsächlich diesen Oscar erhält. Der Beste Nebendarsteller wird unter Alan Arkin, Robert de Niro, Philip Seymour Hoffman, Tommy Lee Jones und Christoph Waltz ausgewählt. Sein Favorit ist Tommy Lee Jones, der männliche Part im Hintergrund von LINCOLN. Zwar würde Christoph Waltz gut gehandelt, er sei aber sicher, daß der als österreichischer Ausländer nicht gleich schon wieder nach INGLOURIOUS BASTARDS v0n 2010 den Oscar erhalte, zumal die Rolle des Dr. Schultz aus Düsseldorf in DJANGO der seiner damaligen Rolle bei Tarantino ähnlich sei.

 

Damit lag das Orakel zum ersten Mal gleich doppelt falsch. Daß Christoph Waltz das zweite Mal den Oscar für den Besten Nebendarsteller erhält, wird zusammen mit dem Preis für Haneke für LIEBE und dem Besten Film zu den wichtigsten Meldungen aus Hollywood gehören. Wir aber finden diese Ähnlichkeit der Rollen nicht zutreffend. Richtig ist, daß Christoph Waltz auf besondere Weise verführerische Gestalten verkörpern kann, bzw. deren verführerisches Potential zeigen kann, aber zwischen dem SS-Nazi und dem US-Kopfgeldjäger, der für jeden Schuß staatliches Geld erhält, liegt doch wirklich ein ganzer Ozean.

 

Wie sehr aber die Preise inhaltlich zusammengehören, unterstrich in seiner Dankesrede für das Beste Original Drehbuch der gloriose Quentin Tarantino, der die Worte des Christoph Waltz aufnahm, der sich schon für seine oscarprämierte Rolle des Deutschen aus Düsseldorf bedankt hatte, die übrigens in der Hollywoodfolge der erste Oscar war, und seine Methode kennzeichnete, mit der er die Rollen seiner Idealbesetzung auf den Leib schreibt. Auch wenn uns als Bester Film, der in der Preisverleihung als Höhepunkt immer am Schluß kommt, LIFE OF PI gilt, so hätten wir DJANGO UNCHAINED ebenfalls den Oscar gegönnt, denn von allen Filmen ist er der witzigste, der intellektuell anspruchsvollste in seiner Mischung aus Geschichte und Geschichtenerzählen. Fortsetzung folgt.

 

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