f nobel1Serie: Die anlaufenden Filme in deutschen Kinos vom 3. Januar 2019, Teil 6

N.N.

Los Angeles (Weltexpresso) –Björn Runge gilt als „Schauspielerregisseur“. Er hat die Fähigkeit, seine Schauspieler zu Höchstleistungen zu animieren. Dieser Ruf von Runge war es, der hier die großen Namen zu seinem Projekt lockte. Das spannende Drehbuch und Runges Erfolge am Theater spielten natürlich eine zusätzliche Rolle. Runge selbst interessierte sich besonders für die vielschichtigen Beziehungen innerhalb der Familie Castleman.

„Eine Mutter, ein Vater und ein Sohn sind in ein Spiel verstrickt, miteinander und gegeneinander. Das ist eine Situation, die ich aus meinen Theaterinszenierungen kenne. Was mich hier besonders gereizt hat, war die Öffentlichkeit, in der das Spiel ausgetragen wird: Die Figuren bewegen sich um eine Nobelpreisverleihung. Das sind zwei Geschichten, eine steckt in der anderen“, sagt Runge. „Dabei spielt der Sohn David im Film eine größere Rolle als in der Originalvorlage. Ich glaube, das ist der deutlichste Unterschied von Jane Andersons Skript zu Wolitzers Buch.“

Beim Gespräch über die Schauspieler grinst Runge: „Eigentlich hat Glenn Close mich für den Film verpflichtet. Erst nachdem sie und ich uns einig waren, durfte ich ihre Kollegen besetzen.“ Tatsächlich ist Glenn Close ein Fan sowohl des Regisseurs wie auch der Drehbuchautorin: „Natürlich habe ich den Roman gelesen und fand, dass er eine Verfilmung verdient“, sagt sie. „Aber als ich erfuhr, dass Jane Anderson das Buch adaptiert, wurde es richtig verführerisch, denn ich bewundere Jane seit Jahren.“

Über Runge sagt Glenn Close: „Ich schätze es, wie er arbeitet. Runge hat Erfahrungen beim Film und beim Theater gemacht, dadurch versteht er besser, wie Schauspieler funktionieren. Er gibt ihnen Zeit, besonders, wenn sie eine schwierige Szene vor sich haben. Er macht beim Drehen keinen Druck, im Gegenteil, man fühlt sich behütet - fast wie in einer kleinen Theatertruppe.“

Für Runge wiederum war es interessant, mit Glenn Close zu arbeiten. Er bewunderte ihren Instinkt für die Figuren, die sie darstellt. „Sie ist ausgezeichnet vor der Kamera. Sie weiß genau, was das Drehbuch von ihr will. Ich habe noch nie erlebt, dass jemand sich so komplett in eine andere Person verwandelt. Sie weckt im Publikum immer die richtigen Emotionen.“

Für die männliche Hauptrolle brauchte die Produktion einen Schauspieler, der den selbstverliebten Joe Castleman glaubhaft verkörpert. Trotzdem musste er genug Dominanz besitzen, um mit seiner Frau die Auflösung der Ehe durchfechten zu können. Die Wahl fiel auf den berühmten Briten Jonathan Pryce. „Ich fand das Script gut, aber reizvoller war für mich die Aussicht, dass Björn Runge Regie führt“, sagt Pryce über den Film. „Ich mag seine Arbeiten, besonders, wenn er Beziehungen seziert. Ich wusste, dass der Film durch Runge diesen tollen skandinavischen Blickwinkel bekäme.“

Jonathan Pryce legte seine Rolle so lebensnah wie möglich an. Sogar Runge war beeindruckt: „In einer Szene wacht Pryce auf, und man kann seinen Augen ansehen, dass er gerade einen bösen Traum hatte. Das habe ich nicht verlangt, das hat Pryce erfunden, aber es passte wunderbar. Es war sowieso toll, mit Glenn und Jonathan zu arbeiten. Sie sind das ideale Paar. Eigentlich sollten sie immer zusammenspielen.“

„Sie beginnen mit kleinen Details“, fährt Runge fort, die Arbeit seiner Hauptdarsteller zu beschreiben. „Sobald sie die Äußerlichkeiten geklärt haben, gehen sie in die Tiefe. Sie widmen sich ihren Gefühlen, sie werden zu zwei Wesen, die mit ihrem Schicksal ringen. Und genau darum geht es in meinem Film.“

Jonathan Pryce bestätigt, dass er mit Glenn Close ungewöhnlich gut zusammenarbeitete: „Ich hielt sie schon immer für eine tolle Schauspielerin. Außerdem sind wir gleich alt, also haben wir ähnliche Erfahrungen im Beruf und im Leben. Wir müssen uns gegenseitig nicht viel erklären, so etwas schätze ich sehr. Wir verstehen, was unsere Rollen brauchen, wir wissen, was ein Film braucht. Es ist wirklich angenehm, mit jemandem zu spielen, der seinen Job versteht und ihn liebt.“

„Es war wunderbar mit Jonathan“, fügt Glenn Close hinzu. „Ich kann mich noch an BRAZIL (Terry Gilliam, 1985) erinnern, das liegt schon endlose Jahre zurück, aber ich habe seinen Auftritt in diesem Film nie vergessen. Jonathan ist einer der großen Männer seiner Generation. Ich fand es nicht bloß aufregend, mit ihm zu drehen, sondern ich war geehrt.“

Natürlich ist das Geschehen zwischen Joan und Joe Castleman der Kern des Films, trotzdem gab es auch Nebenrollen, die besetzt werden mussten. „Ich habe zuerst nach jemandem für die Rolle von David gesucht, er ist der Sohn der Castlemans. Ich wollte einen Schauspieler, der fragil und verletzlich 
wirkt, aber auch eine gewisse Härte an den Tag legen kann“, berichtet Runge. „Mir war wichtig, dass ich jemanden fand, der eine große Bandbreite an Emotionen bietet. Max Irons war dafür die ideale Besetzung, er hat eine brutale und eine poetische Seite.“

Max Irons genoss die Zusammenarbeit mit Runge: „Er ist so präzise in seinen Anweisungen und so entspannt beim Dreh. Er redet, dass jeder ihn verstehen kann. Wir wurden jeden Tag früher als vorgesehen fertig, das gibt es normalerweise gar nicht. Er dreht ökonomisch und inszeniert nüchtern, ohne dabei sein Herz zu vergessen. Er besitzt diese emotionale Intelligenz, ohne die ein Film wie DIE FRAU DES NOBELPREISTRÄGERS - THE WIFE nicht entstehen könnte.“

Der amerikanische Schauspieler Christian Slater gibt den verbissenen Reporter Nathaniel Bone, dem der Erfolg von Joe Castleman verdächtig vorkommt. Er ahnt, dass hinter der Fassade des berühmten Autors etwas steckt, was sich herauszufinden lohnt. „Ich bin inzwischen seit 40 Jahren im Geschäft“, grinst Glenn Close. „Je länger ich dabei bin, umso klarer wird mir, dass es darum geht, ein bisschen verspielt zu sein. Ein Schauspieler muss sich einer Szene ausliefern und dann sehen, wo sie ihn hinbringt. Man muss unterschiedlichste Varianten ausprobieren, damit der Schneideraum abwechslungsreiches Material hat. Christian und ich drehten eine Szene in einer Bar, in der er mich ausfragen will. Ich kannte Christian vorher nicht, aber wir hatten ziemlich viel Spaß dabei. Wir haben uns nicht abgesprochen, sondern haben verschiedene Versionen dieses Interviews durchprobiert – wir haben miteinander gespielt.“

„Es war ein bisschen wie Schach, bloß mit Worten“, fügt Christian Slater hinzu. „Eine Art Katz- und Maus-Spiel, bei dem ich sie dazu bringen will, mir die Wahrheit zu sagen und sie mich geschickt abblitzen lässt. Es ging sehr lustig hin und her.“

Da der Film auch die frühen Phasen der Castleman-Ehe zeigt, brauchte man zwei Schauspieler für die Rollen der Castlemans in ihrer Jugend. Sie sollten dem Publikum ein anderes Bild des Paares vermitteln: die Hoffnungen und Wünsche von Joan und Joe am Anfang ihrer Beziehung, die Dynamik, die ursprünglich zwischen ihnen herrschte. Dafür engagierte die Produktion Annie Starke und Harry Lloyd.

„Ich bin aus mehreren Gründen bei DIE FRAU DES NOBELPREISTRÄGERS - THE WIFE eingestiegen“, sagt Annie Starke. „Natürlich liebe ich Björn Runge und seine Filme, aber ich bin auch schon lange ein großer Fan von Jane Anderson. Da wollte ich das Angebot nutzen, in einem Film mitzuspielen, den sie geschrieben hat. Es ist ein tolles Script, in dem man ein paar Wahrheiten über Beziehungen erfährt, während man einer komplizierten Ehe zusieht.“

Harry Lloyd fand es interessant, einen jungen Joe Castleman zu spielen, der 1958 noch unschuldiger war als 1992. „Der Charakter des alten Joe Castleman ist kein völlig anderer als der des jungen, aber wir unterhielten uns oft über die Veränderungen, die im Lauf der Jahre eingetreten sind. Der entscheidende Anstoß für mich kam von Runge, denn er sagte irgendwann, dass der alte Castleman sich im Grunde kindischer benähme als der junge.“

„DIE FRAU DES NOBELPREISTRÄGERS - THE WIFE schaut aus einer sehr ungewöhnlichen Perspektive auf eine Verbindung zweier Menschen, die für sich allein schon schwierig sind“, erläutert Starke. „Aber ihre Liebe ist groß genug, dass sie trotz aller Schwierigkeiten ihr ganzes Leben bestimmt.“

Foto:
© Verleih

Info:
BESETZUNG
Joan Castleman             Glenn Close
Joe Castleman               Jonathan Pryce
David Castleman            Max Irons
Susannah Castleman     Alix Wilton Regan
Nathaniel Bone               Christian Slater
Joan Castleman jung      Annie Starke
Joe Castleman jung        Harry Lloyd
Elaine Mozell                   Elizabeth McGovern
Linnea                             Karin Franz Körlof
 
Abdruck aus dem Presseheft