Captain MarvelSerie: Die anlaufenden Filme in deutschen Kinos vom 7. März 2019, Teil 13

Margarete Frühling

München (Weltexpresso) - Vers (Brie Larson) ist eine genetisch verbesserte Kree-Soldatin, die von ihrem Mentor Yon-Rogg (Jude Law) trainiert wird. Allerdings hat sie immer wieder Alpträume, die ein ganz anderes Leben zeigen. Sie hat allerdings alle Erinnerungen an ihr früheres Leben und ihren echten Namen verloren.

Die Kree befinden sich seit vielen Jahren im Krieg mit den reptilienartigen Skrulls, einer Rasse von Gestaltwandlern. Jetzt darf Vers zum ersten Mal an einer Rettungsmission der Kree-Eliteeinheit Starforce, angeführt von ihrem Mentor Yon-Rogg, teilnehmen.

Als dieser Einsatz schief läuft, gerät Vers in die Gefangenschaft der Skrulls. Deren Anführer Talos (Ben Mendelsohn) versucht Vers verlorene Erinnerungen zu extrahieren, bei dem er nach etwas bestimmten sucht. Durch ihre Superkräfte und ihre Kampfkünste kann sie dem Raumschiff der Aliens entkommen und landet eher zufällig in einer Videothek auf der Erde im Jahr 1995. Die überlebenden Skrulls folgen ihr, können durch ihre Verwandlungskünste jede menschliche Gestalt annehmen und deshalb untertauchen.

Der unerfahrene S.H.I.E.L.D.-Agent Nick Fury (Samuel L. Jackson) wird zusammen mit dem ebenfalls jungen Agenten Coulson (Clark Gregg) an die Stelle der Bruchlandung geschickt. Er ist doch sehr verwundert, dass Vers sich als Außerirdische bezeichnet.

Da ein Teil ihrer Erinnerungen darauf hindeuten, dass sie früher einmal auf der Erde gelebt hat, will sie erkunden, wer sie eigentlich ist, und begibt sich zusammen mit Fury auf die Suche nach ihrer Identität.

Sie erfährt, dass ihr richtiger Name Carol Danvers ist, sie eigentlich von der Erde stammt und hier als Kampfpilotin bei einer Geheimeinheit gearbeitet hat. Doch jetzt müssen Carol und Nick Fury die Erde verteidigen, denn nicht nur die Skrull unter Führung von Talos sind auf der Suche nach ihr, sondern auch Yon-Rogg und seine Kree-Eliteeinheit sind dabei, auf der Erde zu landen. Doch was wird da eigentlich gespielt und wer hat eigentlich was zu verbergen?


Die Figur "Captain Marvel" des Films basiert auf einer erstmals 1967 erschienenen Marvel Comic Figur namens Mar-Vell von Autor Stan Lee und Zeichner Gene Colan. Nach einigen männlichen und weiblichen Inkarnationen wurde 2012 in den Comics mit der ehemaligen US-Pilotin und Kree-Elitesoldatin Carol Danvers der neuste und letzte weibliche Captain Marvel erschaffen.

"Captain Marvel" ist der 21. Superheldenfilm im Bereich des MCU - des Marvel Cinematic Universe. Nachdem es mit "Black Panther" (2018) erstmals einen Film mit Ryan Coogler mit einem schwarzen Regisseur und mit Chadwick Boseman mit einem schwarzen Superhelden gegeben hat, ist "Captain Marvel" der erste Film mit einer Superheldin. Anna Boden hat hier zusammen mit Ryan Fleck Regie geführt. Beide haben auch mit Geneva Robertson-Dworet das Drehbuch geschrieben. Einen weiblichen Bösewicht hat es mit Hela - gespielt von Cate Blanchett - in Thor: Tag der Entscheidung (2017) bereits gegeben.

Der Film ist zwar schon der 21. Marvel-Film aber er spielt zeitlich vor allen bisher erschienen Superhelden-Filmen des MCU. Dass der Film in den 1990er Jahren spielt, merkt man gleich, wenn Carol auf der Erde aufschlägt, denn sie landet in einer "Blockbuster" Videothek. Auch der Soundtrack passt hervorragend zu der Zeit, denn im Hintergrund werden z.B. Songs von Nirvana und R.E.M. (passenderweise Man on the Moon) gespielt.

Ein weiterer Hinweis ist natürlich, dass Samuel L. Jacksons Nick Fury noch beide Augen und auch Haare hat. Natürlich wird man im Laufe des Films erfahren, wie Fury sein linkes Auge verloren hat.

Jackson spielt den jungen Fury als begeisterungsfähigen, entspannten aber neugierigen S.H.I.E.L.D.-Agenten, der erst einmal nicht glauben will, dass die seltsame Frau vor ihm eine Außerirdische ist. Hier ist noch nichts von dem abgebrühten späteren S.H.I.E.L.D.-Leiter zu sehen. Hervorragend gelungen ist übrigens die digitale Verjüngung Jacksons. Leider gilt dies nicht bei der zweiten deutlich verjüngten Person, bei Clark Gregg als Agent Phil Coulson. Hier wirken die Bilder als wäre die medizinische Gesichtsstraffung daneben gegangen.

Oscarpreisträgerin Brie Larson spielt Carol Danvers beeindruckend. Auch wenn es viele gemeinsame Szenen mit Jacksons Nick Fury gibt, gibt es keinen Zweifel daran, dass Carol der Mittelpunkt des Films ist. Larson ist als Carol frech, gewitzt und eigentlich nie um einen coolen Spruch verlegen und sie überzeugt auch in den Kampfszenen, vor allem, wenn sie endlich lernt, das volle Potenzial ihrer Kräfte einzusetzen. Alles im allem ist Captain Marvel eine Superheldin, mit der man sehr gerne mitfiebert und der man alles Gute wünscht.

Auch wenn er nicht die Hauptrolle ist, überzeugt doch Ben Mendelsohn als Skrull-Anführer Talos. Mendelsohn wurde schon häufig in Filmen als Bösewicht eingesetzt, zuletzt z.B. als Nolan Sorrento in "Ready Player One" (2018) oder als Sheriff von Nottingham im "Robin Hood" (2018). Denn Talos ist nur auf den ersten Blick der typische Marvel Bösewicht. Die Rolle ist vielschichtiger und spannender als es bei solchen Filmen sonst üblich ist. Der australische Schauspieler mag einen großen Teil des Films unter der reptilienartigen Haut der Skrulls verschwinden, er kann aber sehr viel mit seiner Stimme und einer subtilen Mimik darstellen.

Die weiteren - teilweise auch sehr bekannten Darsteller bleiben leider nur zweidimensional. Das gilt unglücklicherweise auch für Jude Law als Yon-Rogg oder Annette Bening als Supreme Intelligence. Djimon Hounsou als Korath und Lee Pace als Ronan the Accuser wiederholen hier ihre Rollen aus "Guardians of the Galaxy" (2014).

Es gibt allerdings neben Brie Larson, Samuel L. Jackson und Ben Mendelsohn eine Rolle, die allen anderen die Schau stielt und zwar Carols roter Kater Goose (der eine verblüffende Ähnlichkeit mit Datas Spot hat). Das Biest erweist sich in einigen Szenen als recht hinterhältig, allerdings muss der Kater auch einiges aushalten, wenn er z.B. Probleme mit der fehlenden Schwerkraft hat.

Natürlich gibt es auch wieder ein wunderbares Cameo des im letzten November verstorbenen Stan Lee. Außerdem wurde ihm mit einem gelungenen Intro zu Beginn des Filmes gedacht, denn es wurden hier nicht wie sonst üblich die Superhelden gezeigt, sondern Szenen aus Stan Lees Cameos.

Insgesamt ist "Captain Marvel" ein stimmiger Film über einen weiblichen Superhelden. Der Film mag zu Beginn etwas schwer in die Gänge kommen und wird sicher nicht jeden Zuschauer zufrieden stellen, aber es ist ein rundes und in vielen Szenen auch mitreißendes Abenteuer zu sehen. Er ist ganz sicher nicht der beste Marvel-Film, aber er zeigt ein gelungenes Debüt einer starken Heldin. Er ist deshalb nicht nur als Brückenfilm zu "Avengers Endgame", sondern auch als Stand-Alone Film unbedingt sehenswert - und das nicht nur wegen der tollen Abenteuer von Goose.

Zusatz: Unbedingt bis zum Ende des Abspanns sitzen bleiben, es gibt - wie bei Marvel-Filmen üblich - neben einer weiterführenden Mid-Credit-Szene auch noch eine witzige Post-Credit-Szene.

Foto: Brie Larson als Vers/Carol Danvers/Captain Marvel © Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Info:
Captain Marvel (USA 2019)
Originaltitel: Marvel Studios' Captain Marvel
Genre: Actionfilm, Abenteuer
Filmlänge: 116 Minuten
Regie: Anna Boden & Ryan Fleck
Drehbuch: Anna Boden, Ryan Fleck, Geneva Robertson-Dworet
Darsteller: Brie Larson, Samuel L. Jackson, Ben Mendelsohn, Annette Bening, Djimon Hounsou, Lee Pace, Lashana Lynch, Gemma Chan, Algenis Perez Soto, Rune Temte, McKenna Grace, Clark Gregg, Jude Law u.a.
Verleih: Walt Disney Studios Motion Pictures Germany
FSK: ab 12 Jahren
Kinostart: 07.03.2019