Serie: Die heute anlaufenden Filme in deutschen Kinos vom 20. Juni 2013, Teil 1

 

 

Claudia Schulmerich

 

Frankfurt am Main (Weltexpresso) – Filme über Kunstfälschungen haben Konjunktur! Es wäre an der Zeit, angesichts des Überhandnehmens von sogenannten REMAKES sich auch des Filmfälschens anzunehmen, erst recht wenn es um das Filmfälschen von Fälschungsfilmen geht, wie hier.

 

 

GAMBIT – Der Masterplan

 

Groben Anlaß bietet dieser von Michael Hoffmann als Regisseur verantwortete unwesentliche Film GAMBIT, der eine Vorlage aus dem Jahr 1966 mit Karacho verhunzt. Wir verstehen selber nicht ganz, warum uns das dermaßen ärgert. Es hat sicherlich damit zu tun, daß das Thema KUNSTFÄLSCHUNG heute viel aktueller ist, als es in den Sechzigern war, als die Kunstauktionspreise zwar auch schon hoch waren, aber noch nicht derart unanständig wie heute.

 

Vielleicht kommt hinzu, daß so wie bei LADYKILLER eine Art des englischen Humors als Gaunerkomödie nicht verbraucht war. Damals war es DAS MÄDCHEN AN DER CHERRY-BAR, wo Michael Caine, Shirley MacLaine und Herbert Lom umtriebig agierten. Und teilweise funktioniert diese bestimmte humoristische Art auch noch heute. Wenn Colin Firth als gedemütigter Kunstkurator und pfiffiger Klein-Halunke Harry Deane in GAMBIT seine Hosen verliert und nur noch mit der Unterhose – denen bis zum Knie selbstverständlich – im Londoner First Class Hotel an der Fassade hängt oder zwischendurch das Hotelzimmer der ehrenwerten Lady betritt, immer noch in der Unterhose, dann muß man einfach lachen, weil es eine Situationskomik gibt, die sich eben nie verbraucht. Aber es ist kein gutes Zeichen, wenn einem dann das Lachen gleichsam im Hals stecken bleibt.

 

Einfach deshalb, weil einem dieser Film die Luft abscheidet. Die Lust sowieso. Sowohl die Lust am Filmeschauen wie auch an der Kunst. Dabei verspricht der Filmtitel GAMBIT doch erst mal sehr viel. Zumindest denen, die eine Ahnung – oder mehr – vom Schachspielen haben. Dort nämlich nennt man einen gewissen mit Absicht erzeugten Zug gleich zu Beginn des Spiels GAMBIT, dann nämlich, wenn man – wie gesagt: mit Absicht – dem Gegner einen Bauern oder Läufer etc. opfert, weil man hofft, daß der sich durch das schnelle Erhaschen der Figur dort angreifbar macht, wo man selbst taktisch-strategisch für einen wichtigeren Gewinn vorgesorgt hatte.

 

Was diese Bezeichnung mit dem Film zu tun hat? Urteilen Sie selbst, die Geschichte geht so. Besagter Harry Deane (Oscarpreisträger Colin Firth aus THE KING'S SPEECH ), der Kunst wie dem Chef treu und korrekt untertan, ist jahrelang von seinem Dienstherrn Lionel Shabandar (Alan Rickman) wie der letzte Dreck behandelt worden. Nun ist Schluß. Er wird es dem arroganten und unwissenden Möchtegern heimzahlen. Wie? Mit Geld und Kunst. Mit echtem Feld für falsche Kunst. Schließlich ist sein alter Freund Major Wingate (Tom Courtenay) ein begnadeter Abmaler von Meisterwerken von anderen. Und die beiden wissen auch, auf was der Kunst- und Medienmogul garantiert hereinfällt. Auf einen Monet, der wie man weiß, bestimmte Sujets durch alle Tageszeiten hindurch gemalt hat,weil sich dann im Vergleich das Licht auf den Gegenständen so verändert, daß es die Gegenstände selbst verändert.

 

Heuschober in der Morgendämmerung“ hat er durch Tricks anderen weggeschnappt und vor Jahren für elf Millionen Pfund ersteigert. Derselbe „Heuschober in der Abenddämmerung“ von Monet ist allerdings verschollen, der natürlich den der Morgendämmerung erst in das rechte Licht setzen würde. Deshalb wird genau dieses Bild als Lockmittel ausgesucht und gefälscht. Einen Lockvogel gibt es auch. Denn es muß ja dieses bekannte Bild an unbekanntem Ort irgendwo auftauchen. Das soll im Wohnwagen der Großmutter von PJ Puznowski (Cameron Diaz) in Texas sein, denn diese Rodeo-Veteranin kann Geld gut gebrauchen und eine halbe Million Pfund sind locker drinnen, denn nur, wenn nur, wenn das Bild auch teuer – sie verlangt 12 Millionen Pfund - zu kaufen ist, wird Shabander das für echt halten.

 

Man mag nicht glauben, daß die Coen-Brüder das Drehbuch geschrieben haben. Dieses texanische Menü, serviert nach England, ist nicht komisch, sondern daneben. Das wirkt erst noch witzig, wenn Shabander das Gemälde für eine Fälschung hält, die Erbin aber für so echt, daß sie ihm als Original noch in seiner Frauensammlung fehlt. Der zweite Schlag trifft Harry, als ihm Shabander mitteilt, daß er den Monet von Martin Zaidenweber (Stanley Tucci), dem Kölner Museumsleiter, auf die Echtheit prüfen wird lassen, der auch in Zukunft Harrys Aufgabe bei Shabander übernehmen soll.

 

Weiter können wir die Geschichte nicht erzählen. Denn schließlich muß ja am Ende noch etwas Unbekanntes auf Sie warten. Echt wird unecht, unecht echt. So einfach und so dämlich.

 

P.S. Auch die zusätzliche deutsche Filmbetitelung ist schräg daneben. Was soll das heißen: der Masterplan? Ein akademischer Grad, nachdem die deutschen Universitäten das englische System von Bachelor und Master übernommen haben. Oder meint man einfach einen meisterlichen Plan, einen Meisterplan? Aber das Englische soll wohl auch mageren Witz erhöhen.